ANK: Heidelberger Internationale Sommerschule mit Karl Heinz Bohrer, Heidelberg (30.04.2020)

Eva Noller's picture

Heidelberger Internationale Sommerschule mit: Karl Heinz Bohrer (3. August – 7. August 2020)

Der Lehrstuhl für Klassische Philologie (Lateinische Literaturwissenschaft) und der komparatistische Master-Studiengang Klassische und Moderne Literaturwissenschaft der Universität Heidelberg laden ein zur „Heidelberger Internationalen Sommerschule mit: Karl Heinz Bohrer“. Mit Hans Magnus Enzensberger und Jürgen Habermas bildet Karl Heinz Bohrer nun schon seit Jahrzehnten das Dreigestirn der kritischen deutschen Intelligenz. Jeder von ihnen hat Debatten ausgelöst, die weit über die engeren Grenzen des Kulturbetriebs hinaus in große Teile der Gesellschaft hineingewirkt haben. Karl Heinz Bohrer ist der wortmächtigste Anwalt (und Vertreter) eines theoretischen Denkens, das seine Kraft aus den imaginativen Quellen der Kunst und Literatur bezieht. Im Epochenjahr 1968 übernahm er das Literaturblatt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und machte daraus vorübergehend das Flaggschiff der intellektuellen Avantgarde („Phantasie an die Macht!“), bevor er für dieselbe Zeitung den Posten des Londoner Kulturkorrespondenten bezog. Anfang der achtziger Jahre folgte er einem Ruf auf den Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld. Mehr als ein Vierteljahrhundert lang konfrontierte er als Herausgeber des Merkur, der Deutschen Zeitschrift für europäisches Denken, die Deutschen („Mainzelmännchen“) von London und Paris aus mit ihren mentalen Defiziten im historisch-politischen, aber auch ästhetischen Denken. Nach seiner Emeritierung 1997 lehrte er als Gastprofessor an der Universität Stanford. In mehr als zwanzig monographischen Abhandlungen und Aufsatzsammlungen hat Karl Heinz Bohrer sein literatur- und kulturtheoretisches Denken an den großen Autoren der Weltliteratur, von Archilochos und den griechischen Tragikern bis zu Peter Handke und Michel Houellebecq, von Ovid über Montaigne und Shakespeare zu Ernst Jünger und Rolf Dieter Brinkmann entfaltet. Seine voluminöse Autobiographie „Jetzt“ (2017) entwirft wie wohl kein anderes Werk der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur das intellektuelle Portrait einer Epoche (vom Nachkriegsdeutschland bis in die Gegenwart).

Im Herbst 2019 ist Bohrers bislang letztes großes Buch erschienen: „Mit Dolchen sprechen. Der literarische Hass-Effekt“. In markanter Umkehrung der allgegenwärtigen marktaktuell notierten Prioritätensetzung, nämlich der ethisch-moralischen Verhandlung des Themas, entdeckt KHB die grenzenlose Produktivität der poetischen Haßrede. Nicht um die Apologie eines niederen Instinktes geht es, sondern um die Anerkennung der schöpferischen Kraft eines Vermögens, dessen Intensität sich nicht verhaltensbiologisch-anthropologisch oder gar theologisch-pädagogisch einfrieden und beschwichtigen läßt. Wie sagte schon Lord Byron über die Wonnen des Hasses? „Der Haß gewährt gewiß den süßern Trank: / Wir lieben flüchtig, doch wir hassen lang“ (Don Juan 13, 6).

Die Internationale Sommerschule soll in Auseinandersetzung mit Bohrers Buch die wissenschaftliche Beschäftigung mit einer „Literaturgeschichte des Hasses“ anstoßen. Sie soll auch jene Abschnitte der klassischen Literaturgeschichte in ihre Betrachtung einbeziehen, die von Bohrer nur gestreift oder gar nicht behandelt sind. Schon in zahlreichen prominenten Texten der griechischen und lateinischen Literatur erscheint der kompromißlose Haß als Antriebsfeder zur Entwicklung neuer Formen des ästhetisch-literarischen Diskurses. Von Kallimachos‘ 28. Epigramm zu den Haßreden des Catull, Pseudo-Vergil und Horaz reicht eine Traditionslinie, die die modernen Imaginationen des Bösen (auch dies eine Bohrersche Prägung) in manchen Punkten präfiguriert. Ein öffentlicher Abendvortrag und ein öffentliches Autorenkolloquium mit Karl Heinz Bohrer beschließen unser Programm.

Die Sommerschule wird von Jürgen Paul Schwindt, Inhaber eines Lehrstuhls für Klassische Philologie und Sprecher des komparatistischen Master-Studiengangs ‚Klassische und Moderne Literaturwissenschaft‘, geleitet. Interessierte MA- und PhD-Studierende, aber auch post-docs aus dem In- und Ausland sind eingeladen, im sommerlichen Heidelberg mit Herrn Bohrer und natürlich miteinander in entspannter Atmosphäre über die im Raum stehenden Thesen und Interpretationen zu diskutieren und womöglich eigene, neue Fragen und Perspektiven zu entwickeln.

 

Personen und Programm

Die Sommerschule findet vom 3. bis 8. August 2020 am Seminar für Klassische Philologie der Universität Heidelberg statt (Marstallhof 2-4, 69117 Heidelberg).

Geleitet wird die Sommerschule von Herrn Prof. Dr. Jürgen Paul Schwindt (Heidelberg).

Bei Interesse wenden Sie sich bitte für Nachfragen, Bewerbungen o.ä. an Herrn Maximilian Haas, M.A. (maximilian.haas@skph.uni-heidelberg.de) oder Frau Dr. Eva Marie Noller (eva.noller@skph.uni-heidelberg.de).

 

Kursmodalitäten

Die Arbeitssprachen des Kurses sind Deutsch und Englisch. Gute Deutschkenntnisse werden vorausgesetzt.

Neben einer aktiven Teilnahme an den Diskussionen wird die Übernahme einer kurzen Präsentation (Impulsreferat) erwartet. Die Teilnahme an der Veranstaltung kann zertifiziert werden. Studierende der Heidelberger Studiengänge Klassischen Philologie oder der Klassischen und Modernen Literaturwissenschaft können durch Teilnahme an der Sommerschule und Abfassung einer einschlägigen Hausarbeit einen Hauptseminar-Schein erwerben (7 LP).

Es wird pro Teilnehmer ein Unkostenbeitrag von 120 € erhoben, der zur Begleichung verschiedener Ausgaben (z.B. Verpflegung, Kursmaterial, Freizeitprogramm) verwendet wird.

Die Unterkunft erfolgt auf eigene Kosten. Wir unterstützen die auswärtigen Teilnehmer gerne mit Vorschlägen für kostengünstige Unterbringung.

Bewerbung

Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wird bis zum 30. April um eine Bewerbung in deutscher oder englischer Sprache gebeten: Bitte schicken Sie Ihre Bewerbung an Maximilian Haas, M.A. (maximilian.haas@skph.uni-heidelberg.de) oder an Frau Dr. Eva Marie Noller (eva.noller@skph.uni-heidelberg.de)

Diese sollte ein pdf-Dokument von nicht mehr als zwei Seiten umfassen und folgende Bestandteile enthalten:

  • einen kurzen tabellarischen Lebenslauf
  • ein Motivationsschreiben mit Vorschlägen zu Texten od. Textstellen, die Sie gerne behandeln würden, sowie zur Perspektive, aus der Sie diese beleuchten wollen

Bis Mitte Mai erhalten Sie eine Benachrichtigung, ob Ihre Bewerbung erfolgreich war. Weitere Informationen folgen dann.

Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften und eine spannende gemeinsame Zeit in Heidelberg.

 

Jürgen Paul Schwindt/Maximilian Haas/Eva Marie Noller


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Johannes Schmidt] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu