CFP: Summer School “I would prefer not to.” – Negation, Verweigerung, Verzögerung, Köln (30.04.2020)

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Die fünfte Berkeley-Cologne Summer School “Aesthetic Possibilities: Literature, Rhetoric, Philosophy” ist dem Thema “I would prefer not to.” – Negation, Verweigerung, Verzögerung gewidmet.

Sie findet vom 12.-16. Juli an der Universität zu Köln statt.

Vormittagsseminare unter der Leitung von Rüdiger Campe (Yale), Eva Geulen (ZfL, Berlin), Niklaus Largier (Berkeley), Anja Lemke (Köln), Torsten Hahm/Nico Pethes (Köln)  

 

Folgende Informationen finden Sie ebenfalls auf

http://am-forschungspreis.phil-fak.uni-koeln.de/39841.html

 

–– English version below

 

Negation, Verweigerung und Verzögerung sind Begriffe, die sich auf Dimensionen der Zersetzung und Auflösung (scheinbar) verbindlicher und normativ geregelter Handlungs-, Vorstellungs-, Wahrnehmungs- und Denkmuster beziehen. Sie setzen Zäsuren, reißen Lücken auf, stauen Zeit, dehnen Prozesse und halten Vollzug in der Schwebe.

Dabei kommen sprachliche und künstlerische Verfahren und Personen in den Blick, die formal das Gegebene herausfordern, Möglichkeitsräume öffnen, Sinnproduktion aussetzen und Wirklichkeit in Frage stellen. Zu nennen wären hier für die Kunst etwa der selbstreflexive Umgang mit der eigenen Regelhaftigkeit, der Rekurs auf die Widerständigkeit des Materials, aber auch sprachliche Figurationen der Unentscheidbarkeit, der Potentialität und des Unbestimmten. Ebenso ließe sich an politischen Widerstandsformen oder das Spannungsfeld von Revolution und Ordnungsmustern oder rechtliche Formen der Verhandlung von Freiheit und Autonomie denken. Zu untersuchen wären zudem Personen, die sich in ihrer Gestik von der diskursiv geordneten Welt abheben oder abzuheben suchen. Man denke etwa an den Kyniker, den Heiligen und den Märtyrer; den Flaneur, den Revolutionär, und den heiligen Narren; aber auch an Figuren, wie sie die autotheory der letzten Jahre hervor bringt. Sie alle produzieren einen Schnitt in der Ordnung des ‘Realen’ und lassen in der postulierten Distanznahme Orte der Zersetzung, Auflösung, Überschreitung und Neukonfiguration diskursiver, affektiver und sinnlicher Ordnungen in Erscheinung treten.

Das Interesse der Sommerschule wird nicht primär den neu entstehenden, inhaltlich zu bestimmenden Möglichkeiten gelten, sondern den formalen Aspekten und den Mitteln, mit denen Negation, Verweigerung, Auflösung und Verzögerung arbeiten. Die Diskussion soll sich dabei – auf der Mikroebene – den rhetorischen Figuren widmen, die in diesem Rahmen produktiv eingesetzt werden, um normative Komplexe und ihre Verbindlichkeiten zu sprengen und ihrer Stabilität zu berauben. Auf der Makroebene sollen Ästhetiken und Poetiken der Negation, der Verweigerung, und der Verzögerung besprochen werden, insbesondere im Blick darauf, wie damit generische Postulate (Genres, etablierte formale Strukturen, politische und historische Ordnungen) herausgefordert und transformiert werden. Nicht zuletzt soll es darum gehen, zu verstehen, wie diskursive Verwaltungsformen der Zeit, des Raumes, des Subjekts und der Geschichte ihre selbstverständliche Bestimmtheit verlieren.

Als Beiträge willkommen sind konkrete Fallstudien, die sich entweder auf Texte, Kunstwerke oder andere mediale Formen, auf bestimmte rhetorische Figuren oder auf sprachliche und künstlerische Verfahren beziehen.

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English version:

The fifth Berkeley-Cologne Summer School “Aesthetic Possibilities: Literature, Rhetoric, Philosophy” will be focusing on the topic “I would prefer not to.” – Negation, Refusal, Delay.

The Summer School will take place at the University of Cologne from July 12-16.

Morning seminars led by Rüdiger Campe (Yale), Eva Geulen (ZfL, Berlin), Niklaus Largier (Berkeley), Anja Lemke (Köln), Torsten Hahn/Nico Pethes (Köln)

‚Negation‘, ‚refusal‘, and ‚delay‘ are terms that are often used in reference to moments of destruction or dissolution of established and (seemingly) normative patterns of action, perception, and thought. The terms refer to the performance of breaks, the opening of voids, the slowing down of time and temporal processes, and the refusal or suspension of action.

In turning our attention to these phenomena we will discuss literary and artistic practices and forms of figuration – practices that formally challenge established orders, open up spaces of possibility, suspend the production of meaning, and question the ‚real.‘ Questions might focus on the self-reflexivity of art in dealing with its own rules, on references to the resistance of the material, and figures of undecidability, potentiality, and indetermination. In addition, the interest will lie in forms of political resistance, tensions between revolutionary imagination and historical orders, and legal forms of negotiation in their relations to freedom and autonomy. Possible topics might also include figures who distance themselves from the worldly order in specific gestures: the cynic, the saint, and the martyr; the flaneur, the revolutionary, and the holy fool; and, more recently, the protagonists of autotheoretical narratives. All these figures produce ruptures of established patterns of the ‚real‘ and emerge – through their gestures of negation, refusal, and delay – new places and new discursive, affective, and cognitive forms of dissolution, transgression, and transfiguration.

The main area of interest of our summer school will not primarily lie in the content of possibilities that emerge in this context. Instead, we will focus on formal aspects and specific poetic and artistic devices that are meant to perform gestures of negation, refusal, and delay. Thus, we will discuss rhetorical figures that are used to undermine normative orders and that deprive these of their stability.  In addition, we will try to identify the aesthetics and poetics that are at the basis of ‚genres‘ that serve the purposes of challenging and transforming established orders.

In order to pursue this conversation, we welcome concrete case studies, dedicated to specific texts, works of art, rhetorical figures, and literary or artistic procedures.

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Informationen zur Bewerbung:

Bewerber werden gebeten, eine kurze Skizze des Projektes, das sie präsentieren wollen (max. 2000 Wörter), einen Letter of motivation und einen kurzen Lebenslauf (max. 2 Seiten) bis zum 30. April 2020 zu senden, an:

Maximilian Kloppert (mkloppe1@uni-koeln.de

Stichwort: Sommerschule 2019

Angenommene Bewerber werden bis zum 15. Mai 2020 von uns informiert.

Materialien werden zur Verfügung gestellt. Fahrtkosten und Unterbringung sind von den Teilnehmern selbst zu organisieren und zu bezahlen.


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Johannes Schmidt] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu