CFP: Orte des Überflusses. Zur Topographie des Luxuriösen (15.04.2020)

Raphael Johannes Müller's picture

Tagung im Rahmen des SNF-Projekts Luxus und Moderne. Die Ambivalenz des Überflüssigen in Kulturkonzeptionen der Literatur und Ästhetik seit dem 18. Jahrhundert

Universität Lausanne, 25. bis 27. März 2021

 

Luxus als der exzessive Umgang mit Überflüssigem und Überschüssigem wird häufig mit bestimmten Orten assoziiert. Dafür kommen sowohl realweltliche als auch fiktive und mythische Topoi in Frage, an denen materielle oder ideelle Güter verausgabt und verschwendet werden – vom neureichen Dubai bis zum sagenumwobenen Eldorado. Die geplante Tagung stellt solche Orte des Überflusses mit ihrer spezifischen Topographie des Luxuriösen unter einer literaturwissenschaftlichen Perspektive zur Diskussion. Im Zentrum stehen zwei Phänomenbereiche, an welche zwei Grundfragen anschließen: Zum einen verfügen Luxusorte über ein erhebliches imaginatives Potenzial, das in besonderer Weise zu ihrer Literarisierung einlädt. Von dieser Ausgangshypothese her betrachtet fragt sich, mit welchen rhetorischen, narrativen und/oder (inter-)medialen Mitteln dieses Potenzial fruchtbar gemacht wird. Zum anderen trägt umgekehrt gerade die Literatur wesentlich zum Luxuscharakter dieser Orte bei. Die Frage hier wäre, wie der spezifische Anteil der Literatur an der Genese, Tradition und Kritik von Luxusorten aussieht und welche Konsequenzen diese literarische Prägung von Orten des Luxus für unsere Wahrnehmung und Bewertung eines übertrieben unnützen oder unnötigen Aufwandes hat.

 

Die Tagung sucht Antworten auf diese beiden Grundfragen, die sie unter dem Vorzeichen der prinzipiellen Ambivalenz des Überflüssigen in der Moderne perspektiviert. Seit der ökonomischen und philosophischen Aufwertung des Luxus im 18. Jahrhundert begleitet die doppelte Codierung von Überschussproduktionen als kulturell progressiven, aber moralisch fragwürdigen Praktiken insbesondere auch die theoretischen und ästhetischen Verhandlungen von Luxusorten. Orte, an denen Wertvolles exzessiv konsumiert oder verausgabt wird, sind daher oft zeitlich oder räumlich weit entfernt (wie bei Inselutopien) oder der Aufenthalt an ihnen ist speziell gefährdet (wie im Paradies). Sie grenzen sich durch typische Inklusions- und Exklusionsgesten gegen das Nichtluxuriöse scharf ab und werden doch gerne in topischen Schwellensituationen und Überschreitungsszenarien beschrieben. Und sie entfalten ihre größte Strahlkraft an den jeweils entgegengesetzten Polen von zwei kultursemiotischen Achsen: jener zwischen luxuriösem Stadt- und einfachem Landleben und jener zwischen feudalem Protz und bürgerlicher Askese. Ziel der Tagung ist es, die rhetorischen, narrativen und (inter-)medialen Ökonomien freizulegen, die die Topographie des Luxuriösen in der Moderne bestimmen.

 

Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf folgende Themenfelder und Fragen gerichtet werden:

  • Rhetorik und Dramaturgie: Welche rhetorischen, narrativen und/oder (inter-)medialen Strategien kommen bei der Inszenierung von Luxusorten zum Einsatz? Lassen sich spezifische Darstellungsökonomien identifizieren?
  • Topologie und Mythologie: In welcher Weise werden tradierte Modellvorstellungen und Topoi von Orten des Überflusses (wie z. B. das Schlaraffenland) aktualisiert? Inwiefern sind literarische Texte an ihrer kulturspezifischen Mythenbildung (etwa im Fall des europäischen Paris oder Orient) beteiligt?
  • Gefährdung und Verlust: Wie wird in literarischen Texten die räumliche oder zeitliche Prekarität von Orten des Überflusses inszeniert und erzählt? Inwiefern ist die räumliche oder zeitliche Verknappung konstitutiv für den Genuss von Luxus an diesen Orten?
  • Abgrenzung und Überschreitung: Nach welchen narrativen Mustern wird die Grenze zwischen Luxusorten und ihrer nicht-luxuriösen Umgebung literarisch gestaltet? Wie werden dabei Grenzziehungen und Grenzüberschreitungen gegenseitig aufeinander bezogen?
  • Zentrum und Peripherie: Wie verhalten sich literarische Texte zur kultursemiotischen Opposition zwischen luxuriösem städtischem Zentrum und frugaler ländlicher Peripherie? Affirmativ, subversiv, ambivalent…?

 

Die Tagung findet vom 25. bis 27. März 2021 an der Universität Lausanne statt. Hotel- und Reisekosten können übernommen werden. Es sind Slots von jeweils einer Stunde vorgesehen, die Vorträge sollten 30 Minuten nicht überschreiten. Eine Publikation der Beiträge ist geplant. Wir bitten um Vorschläge mit Titel und Abstract (max. 500 Wörter) bis zum 15. April 2020 an maria.magnin@unil.ch, raphael.mueller@unil.ch, hg.vonarburg@unil.ch.

 

Die Tagung wird organisiert von M.A. Maria Magnin, M.A. Raphael J. Müller und Prof. Dr. Hans-Georg von Arburg. Sie findet im Rahmen des SNF-Projekts Luxus und Moderne. Die Ambivalenz des Überflüssigen in Kulturkonzeptionen der Literatur und Ästhetik seit dem 18. Jahrhundert statt, das gemeinsam an den Universitäten Genf und Lausanne durchgeführt wird: https://www.unige.ch/lettres/alman/de/recherche/luxus/.