CFP: Wohin mit der „Gabe der Ubiquität“? Paul Celans europäische Dimension, Bukarest (30.6.2020)

Raluca Radulescu's picture

Aufruf zur Einreichung von Beiträgen

4. internationale Konferenz des Instituts für Germanische Sprachen und Literaturen UNIVERSITÄT BUKAREST

Wohin mit der „Gabe der Ubiquität“? Paul Celans europäische Dimension
Bukarest, 4.-6. November 2020

 

2020 jährt sich Paul Celans Geburtstag zum Hundertsten und sein Todestag zum Fünfzigsten Mal. Die Hauptveranstalter, die Universität Bukarest und die Europa-
Universität Flensburg, laden dazu ein, Paul Celan als ‚europäischen‘ Schriftsteller(neu) zu entdecken und zu feiern.
Die durchaus verdienstvolle, allerdings meist im Kontext einzelner
Nationalliteraturen oder Kulturregionen verharrende Celan-Exegese, und sei sie
noch so veredelt durch vorzügliche hermeneutische, rezeptionsgeschichtliche,
übersetzungstechnische oder dekonstruktivistische Ansätze, wird gerade der
europäischen, an sich definitorischen Dimension Celans oft nicht gerecht. Man
übersieht allzu leicht das vermeintlich Paradoxale an seinem Dichterdasein: Dass
er von Paris aus deutschsprachige Briefe an rumänisch-jüdische Freunde
verschickte, in denen er sich gerne einen russkij poët nannte und somit die
„allereigenste Enge“ seines Meridians zur ubiquitär-europäischen Lebenswelt
erhob.
Um jene bislang ausgeblendeten intertextuellen Bezüge, Vernetzungen und
Verweise, die auf einen gesamteuropäischen Resonanzraum schließen lassen, zu
Tage zu fördern, erscheint es vielversprechend, von Celans Poetik des Dialogs
auszugehen: Das Gedicht befinde sich, so Celan an einer vielzitierten Stelle seiner
Büchner-Preisrede Der Meridian, immer „im Geheimnis der Begegnung“; es gilt
ihm als Chronotopos, Medium und Vollzug eines (angedeuteten) Gesprächs, das
eben nicht zwischen zwei geschlossenen Entitäten stattfindet, sondern auf die
europäische Literaturgeschichte hin offen und vernetzt ist.
Erstens wäre dabei an Gedichte und weitere Texte Celans zu denken, in denen
unterschiedliche Regionen, gesellschaftliche und politische Ereignisse in einzelnen
Ländern, aber auch Sprachen, Religionen und Schriftsteller/innen Europas
aufeinander bezogen werden und miteinander interagieren (vgl. Eine Gauner- und
Ganovenweise gesungen von Paul Celan aus Czernowitz bei Sadagora). Zweitens
gilt es, dem Rechnung zu tragen, dass die Schriftsteller/innen und die literarischen
Texte, die Celan aufgreift und miteinander verknüpft (vgl. vor allem die Vertreter
der Avantgarde, aber nicht nur), in der Regel selbst nicht national geprägt,
sondern durchaus europäisch, d.h., inter- und transkulturell, ausgerichtet waren.

Ob ein gemeinsamer Nenner der Schriftstellerinnen und Schriftsteller, mit denen
Celan sich intensiver befasste, nicht etwa darin liegt, dass sie als ‚Europäer‘
dichteten und agierten, ist Teil der Fragestellung.
Übergreifend möchte die Tagung klären, ob und inwiefern Celans Dichtung
transeuropäische Bezüge herstellt, die das jeweilige nationale Denken
überwinden und sich als kritische Kommentare von Gewalt lesen lassen,
gleichgültig ob diese auf Exklusion setzende Gewalt im Namen von Religion,
Nation oder literarischer Tradition erfolgt. Positiv gewendet fragt sie danach,
inwiefern Celans Dichtung ein Netzwerk europäischer Befürworter von
‚Menschlichkeit‘ entwirft und damit ost-west-europäische sowie interreligiöse
Grenzen aufhebt.

Interessenten werden gebeten, ein max. 300 Wörter umfassendes Abstract bis zum 30. Juni
2020 an die E-Mail-Adresse: Lisa.Dauth@uni-flensburg.de zusammen mit dem Hinweis auf die
institutionelle Affiliation und einer kurzen biographischen Notiz einzureichen. Über die
Akzeptierung des Beitrags wird man per E-Mail bis zum 15. Juli 2020 informiert.


- Die Vorträge sind auf 20 Minuten und weitere 10 Minuten Diskussion beschränkt
- Registrierungsgebühr: 60 Euro
- Tagungssprachen: Deutsch, Englisch, Französisch


Die Veröffentlichung ausgewählter Beiträge in einem Tagungsband ist im Berliner Verlag Frank
und Timme vorgesehen. Es wird ersucht, das druckreife Manuskript spätestens sechs Wochen
nach der Tagung bei den Tagungsveranstaltern einzureichen.

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Mark-Georg Dehrmann] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu