KONF: „Scheitern in der Gelehrtenkultur der Frühen Neuzeit“, Mainz (11. bis 13. März 2020)

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Interdisziplinäre Tagung: „Scheitern in der Gelehrtenkultur der Frühen Neuzeit“

11. – 13. März 2020

Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz

 

Thema

 

Scheitern ist ein konstitutives Moment der Wissenschaft. Während Fortschritt in der Außenansicht häufig als lineare Erfolgsgeschichte wahrgenommen wird, zeigt ein genauer Blick in die Wissenschaftsgeschichte und -philosophie, dass Scheitern und Irrtum essentielle und ebenso produktive Bestandteile akademischer Tätigkeit sind. Für ein adäquates Verständnis des wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses ist es daher unabdingbar, sich mit den Formen, Funktionen und Mechanismen des Scheiterns zu befassen.

Während die modernen Wissenschaften zunehmend auf diese Problemlagen hin befragt werden, wurde ›Scheitern‹ in den Kulturen der Vormoderne bislang unzureichend erforscht. Die Tagung untersucht die Folgewirkungen gelehrter Fiaskos und arbeitet verschiedene Typen und Ebenen des Scheiterns heraus: persönlicher Misserfolg vs. Nichtdurchsetzungsfähigkeit gelehrter Gruppierungen, sinkendes Renommee durch überholte oder fehlerhafte wissenschaftliche Erkenntnisse, Versagen in zeitgenössischer vs. retrospektiver Selbst- und Fremdwahrnehmung. Die Frage nach Semantiken, Narrativen und Topoi des Scheiterns berührt zudem das Problem der Emergenz von Erfolgsnarrativen der Moderne.

Begleitet wird die Tagung von einer Podiumsdiskussion, auf der die (produktive) Bedeutung von Scheitern und Irrtum in der gegenwärtigen Wissenschaftskultur reflektiert wird.

Die Veranstaltung ist Teil des von der VolkswagenStiftung geförderten Projekts »Scheitern in den Wissenschaften – historische und systematische Perspektiven« (Förderlinie »Originalitätsverdacht? Neue Perspektiven für die Geistes- und Kulturwissenschaften«), das unter anderem aus der gleichnamigen interdisziplinären Arbeitsgruppe der Jungen Akademie der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz hervorgegangen ist.

 

Programm

 

Mittwoch, 11. März 2020

9:00     Sylvia Brockstieger (Heidelberg)/Mona Garloff (Stuttgart/Wien): Begrüßung und Einführung

9:30 - 11:00    Moderation: Mona Garloff

Marian Füssel (Göttingen): »Erfolgte Widerwärtigkeiten«. Rechtfertigungen des gescheiterten Gelehrten

Helmut Zedelmaier (Halle): Scheitern als historiographisches Konzept. Welche Aufschlüsse ermöglicht es im Blick auf die Frühe Neuzeit?

Kaffeepause

11:30 - 13:00 Moderation: Sylvia Brockstieger

Burkhardt Wolf (Wien): Scheitern und Erfahrungswissen. Zur Genese nautischer Hintergrundmetaphern

Oliver Bach (München): Scheitern als Grenzbegriff zwischen Tragödie und Utopie

Mittagspause

14:00 - 15:30 Moderation: Michael Jungert

Andreas Bähr (Frankfurt a.d.O.): Gegen das Scheitern. Die »Vita« Athanasius Kirchers

Alexander Schunka (FU Berlin): Vom Scheitern der Theologen. Bemerkungen zur protestantischen Irenik um 1700

Kaffeepause

16:00 - 17:30 Moderation: André Krischer

Tilman Haug (Duisburg-Essen): Institutionalisierte Projektemacherei. Paul Jacob Marpergers Kommerzien-Deputation als gescheiterter Versuch der Ordnung und Operationalisierung ökonomischen Wissens

Stefan Droste (Göttingen): Offensive Engines – Die prekäre Expertise militärtechnischer Projektemacher

 

19:00   Podiumsdiskussion: Scheitern und Irrtum in der gegenwärtigen Wissenschaftskultur. Mit Thomas Bräuninger (Mannheim), Martin Carrier (Bielefeld), Mechthild Dreyer (Mainz), Heinz Duchhardt (Mainz), Winfried Schulze (Bochum)

Im Anschluss Empfang

 

Donnerstag, 12. März 2020

9:00 - 11:15    Moderation: Uwe M. Korn

Dirk Werle (Heidelberg): Scheitern in der Gelehrtenbiographik. Am Beispiel von Friedrich Widebrams »Hodoeporicon exilii« (1577/1612)

Tobias Bulang (Heidelberg): Gelingen und Scheitern bei Leonhard Thurneysser zum Thurn

Philipp Redl (Freiburg i.Br.): Scheitern in der Alchemie

Kaffeepause

11:45 - 13:15 Moderation: Philipp Redl

Christoph Schmitt-Maaß (München/Potsdam): Die »Monatsgespräche« des Christian Thomasius und andere literaturkritische ›Scheitereien‹ zwischen 1690 und 1730

Uwe Maximilian Korn (Heidelberg): Friedrich Grick (ca. 1590-1630): Spiegelfechterei als literarische Strategie in gelehrten Debatten

Mittagspause

14:15 - 16:30 Moderation: Andreea Badea

Arndt Brendecke (München): Humanisten in Amerika? Strukturelle Widersprüche zwischen humanistischer Gelehrsamkeit und spanischer Kolonialherrschaft

André Krischer (Münster): Praktisch gescheitert. Britische Konsuln in Marokko um die Mitte des 18. Jahrhunderts

Alexander Durben (Münster): Scheitern von Advokaten vor Gericht im England der Sattelzeit

Kaffeepause

17:00 - 18:30 Moderation: Thomas Wallnig

Andreea Badea (Frankfurt a.M.): Gescheitert, missverstanden und genial? Frühneuzeitliche Gelehrte zwischen individuellen Karriereentwürfen und Werkrezeption

Tobias Winnerling (Düsseldorf): Schnelles Vergessen-Werden bedeutet langes Scheitern? Die zwei Karrieren des Johannes Braun (1628-1708)

 

18:45   Keynote: Markus Krajewski (Basel): Triumphale Fehler. Pedanten zwischen Montaigne und Moderne

 

Freitag, 13. März 2020

8:45 - 11:00 Moderation: Alexander Schunka

Kerstin Roth (Heidelberg): Maria Sibylla Merian (1647-1717) und die deutsche Sprache

Thomas Wallnig (Wien): »Ehe man zu Ehren kommt muß man zuvor leiden«. Eine frühneuzeitliche Erbauungsschrift für Studenten mit mangelnder Zukunftsperspektive

Stefan Benz (Bayreuth): Vom misslingenden Leben des Gelehrten. Johann Adam Bernhards »Kurtzgefasste curieuse Historie derer Gelehrten« (1718) neu gelesen

Kaffeepause

Abschlussstatement und Organisatorisches

 

Konzeption und Organisation der Tagung

Dr. Sylvia Brockstieger (Heidelberg), sylvia.brockstieger@gs.uni-heidelberg.de

Dr. Mona Garloff (Stuttgart/Wien), mona.garloff@hi.uni-stuttgart.de

 

Um Anmeldung wird gebeten an:

Präsidialbüro

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Geschwister-Scholl-Straße 2, 55131 Mainz

T 06131/577 (0)-201, F 06131/577-206, veranstaltungen@adwmainz.de

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Mark-Georg Dehrmann] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu