CFP: Annäherungen an die „Innenwelt“ des Menschen. Diagnosen und Therapien des Seelischen (in) der Literatur um 1800, Gdańsk (30.3.2020)

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Forschungsstelle für die deutsche Literatur der Romantik, ihre Quellen und Rezeption am Institut für Germanistische Philologie der Universität Gdańsk lädt zur internationalen wissenschaftlichen Konferenz ein:

Annäherungen an die „Innenwelt“ des Menschen. Diagnosen und Therapien des Seelischen (in) der Literatur um 1800

Gdańsk, 20. - 21. November 2020

 

I. Themenstellung

Seit der Epoche der Empfindsamkeit rückt das „Seelenleben“ in der deutschen Literatur in den Vordergrund. Dabei werden psychische Zustände, Emotionen, Fantasien, Träume und Wünsche der zumeist fiktiven Figuren durch die Beschreibung ihrer körperlichen Erscheinung, ihrer Mimik und Gestik sowie ihrer Verhaltensweisen, einschließlich ihrer  besonderen Art zu sprechen, zum Ausdruck gebracht. Mit der Darstellung der Gefühlswelt der literarischen Personen wie auch der sie beherrschenden Emotionen geht nicht selten auch ein Prozess der Selbsterkenntnis und davon ausgelöst eine Veränderung der Protagonisten einher.

Diesem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts schon sehr populären Motivkomplex können zudem Versuche zur ‚Therapie‘ anomaler, exaltierter oder krankhafter Seelenzustände zugeordnet werden, die u. a. auf Phänomene der Natur, Mittel der Kunst, aber auch die bloße Lektüre von Büchern rekurrieren. Bei letzterer wird die Literatur als Medium der Seelenerkundung verstanden und, da sie Wege zur Selbsterkenntnis eröffnet, die innere Entwicklung des Lesers stimuliert oder ihm sogar Halt in schwierigen Zeiten bietet, therapeutisch wirksam. In der Literatur des ausgehenden 18. Jahrhunderts sowie der ersten Jahrzehnte des darauf folgenden Jahrhunderts, besonders unter dem Einfluss von Goethes Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre, haben die Romantiker weitere Mittel der Darstellung von Emotionalität ausgebildet, die sowohl ästhetisch als auch ethisch folgenreich waren: Ihre ‚Helden‘ haben im Zuge der Selbsterkenntnis und charakterlichen Wandlung auch eine grundlegende künstlerische Entwicklung vollzogen.

Die wirkungsästhetischen und ethischen Funktionen dieser Literatur hängen, vor allem im ausgehenden 18. Jahrhundert, mit der Entwicklung der Naturwissenschaften, der Psychologie sowie Anthropologie zusammen. Um 1800 wird das Wissen vom Menschen durch weitreichende Informationen über verschiedene bis dahin noch kaum beachtete Aspekte seiner Existenz bereichert und in die literarischen Texte eingebracht, wobei der Körper als wesentlicher Indikator seelischer Befindlichkeiten unangefochten bleibt. 

Im Mittelpunkt der Konferenz steht die Literatur der Goethezeit, in der zahlreiche Methoden zur Darstellung von Trieben, Affekten und Emotionen sowohl erprobt als auch praktiziert werden. Von daher lässt sich ein breit gefächerter Kontext von Innovationen und Kontinuitäten in der Literatur der Weimarer Klassik wie auch der Romantik für die Thematik ‚Emotionalität in ästhetischem Gewand‘ ausmachen. Einerseits setzen sich ästhetische bzw. sprachkünstlerische Texte auf ihre spezifische Weise mit Gegenständen der Anthropologie auseinander, andererseits werden philosophische Schriften in vielen literarischen Werken rezipiert, poetisch gestaltet und zu therapeutischen Zwecken verwendet.

 

II. Fragestellungen

Daraus ergeben sich u.a. folgende poetologische und literaturgeschichtliche Fragen:

  • Mit welchen sprachlichen Mitteln werden Gefühle in der Literatur um 1800 dargestellt?
  • Welche Gattungen haben eine besondere Affinität zur ‚inneren Welt‘ und vermögen diese möglichst differenziert wiederzugeben?
  • Woran lässt sich ablesen, dass körperliche Erfahrungen Gefühlsregungen auslösen?
  • Welche „Schattenseiten“ der menschlichen Natur und welche Versuche, sie zu bewältigen, finden sich in anthropologischen und literarischen Texten?
  • Inwieweit können Protagonisten als Modellfiguren für bestimmte seelische Befindlichkeiten oder psychische Zustände gelten?
  • Welche Texte weisen beispielhaft die Literatur als Medium der ‚Seelenerkundung‘ aus?
  • Welche Bedeutung kommt der zugespitzten Intensität der Gefühle im Sturm und Drang zu?
  • Worin bestehen Unterschiede zwischen der Schilderung von Gefühlen und Emotionen nicht nur in der Literatur des Sturm und Drang, sondern auch der Empfindsamkeit einerseits und der Spätaufklärung, Klassik und Romantik andererseits? 

Wir sind an Beiträgen interessiert, die sich literarischen Darstellungen des seelischen Lebens in seiner thematischen und formalen Vielfalt um 1800 widmen, aber auch auf solche  Werke  aus früheren und späterer Epochen beziehen, die in einem deutlichen Zusammenhang mit der Literatur der Goethezeit stehen.

 

III. Anmeldung

Wir bitten alle interessierten Wissenschaftler*innen, ihre Themenvorschläge für Vorträge und Referate mit Abstracts auf Deutsch (bis etwa 8 Zeilen und fünf Schlüsselwörtern mit einer unterzeichneten Einwilligung zur Verarbeitung der personenbezogenen Daten elektronisch (Word) bis zum 30. 03. 2020 an die unten angegebene E-Mail- und Dienstadresse einzureichen.

Alle Infos zur Konferenz finden Sie unter

https://fil.ug.edu.pl/wydzial_filologiczny/instytuty/instytut_filologii_germanskiej_instit...

Die Information über die Aufnahme des Themenvorschlags in das Konferenzprogramm und das endgültige Programm der Konferenz sowie Auskünfte zur Anreise und Unterkunft werden bis zum 15.04.2020 mitgeteilt.

 

IV. Vortrag und Textbeitrag

- Die Arbeitssprache der Konferenz ist Deutsch.

- Die Vorträge / Referate sollten die Dauer von 20 Minuten nicht überschreiten.

  (circa 6-7 genormte Seiten DIN A4)

- Nach der Konferenz bieten wir Ihnen die Möglichkeit, Ihre Texte in der rezensierten   

  Zeitschrift Studia Germanica Gedanensia zu veröffentlichen.

  (max. Länge des Beitrags: ein Verlagsbogen – circa 30.000 Anschläge)

 

V. Konferenzgebühr

Die Konferenzgebühr beträgt 100 EUR (oder 430 PLN). Damit sollen das feierliche Abendessen am ersten Tag der Konferenz, 2 Übernachtungen, Kaffeepausen und Snacks finanziert werden. Die Anreisekosten können nicht zurückerstattet werden. Die Kontonummer, an die die Konferenzgebühr zu zahlen ist, wird Ihnen zu einem späteren Termin angegeben.

 

VI. Anmerkungen für DAAD-Alumni

DAAD-Alumni vermerken dies bitte bei Ihrer Anmeldung. Nach Abschluss der Anmeldephase wird überprüft, ob eine Mobilitätsförderung durch den DAAD beantragt werden kann.   

 

Kontakt

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an die Organisatoren der Konferenz.

Prof. UG, Dr. habil. Agnieszka Haas <agnieszka.haas@ug.edu.pl>

und Dr. Timo Janca (DAAD) <timo.janca@ug.edu.pl>

 

Uniwersytet Gdański

Instytut Filologii Germańskiej

ul. Wita Stwosza 51

80-306 Gdańsk, Polen

 

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!