CFP: Sammelband "Nach dem Nobelpreis: Der Jugoslawien-Komplex in Peter Handkes Werk" (15.03.2020)

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Der Themen- und Motivkomplex „Jugoslawien“ spielt spätestens seit Mitte der 1980er Jahre eine zentrale – und kontrovers rezipierte – Rolle in Peter Handkes Werk, bevor sich anlässlich der  Nobelpreis-Verleihung im Herbst 2019 neuerlich eine heftig geführte Debatte daran entzündet. Der (post)jugoslawische Raum, seine Landschaften, seine Geschichte und (politische) Gegenwart sind in mindestens dreizehn Werken des österreichischen Autors Handke literarisch behandelt worden: Die Wiederholung(1986), Noch einmal für Thukydides(1990), Abschied des Träumers vom Neunten Land (1991),Winterliche Reise(1996), Sommerlicher Nachtrag(1996), Die Fahrt im Einbaum (1999), Unter Tränen fragend(2000), Rund um das Große Tribunal(2002), Die Tablas von Daimiel(2005), Die morawische Nacht(2008), Die Kuckucke von Velika Hoča(2009), Immer noch Sturm (2010), Die Geschichte des Dragoljub Milanović(2011). Es handelt sich also um ein beachtliches Korpus, zu dem noch paraliterarische Texte wie Briefe, Interviews und sonstige Medienauftritte hinzukommen. 

Von wenigen Einzelanalysen abgesehen ist der Jugoslawien-Komplex im Werk Handkes bisher aber noch nicht systematisch im diskursgeschichtlichen Kontext erforscht worden. Dabei wäre zunächst zu untersuchen, wie in Handkes Texten „Jugoslawien“ konstruiert wird, wie diese Konstruktion variiert wird, und welchen historischen Kontexten und imagologischen Traditionen sie verpflichtet ist. Darüber hinaus bieten die Jugoslawien-Texte möglicherweise auch einen Zugang zu generellen Aspekten des Gesamtwerks des Autors: zum Bild der Geschichte, des Krieges und der Gewalt, zu Idee der „Versöhnung“ und des Friedens, zur Semantik des „Volkes“, zur Konzeption der (historischen) Schuld sowie v.a. zu Slowenien, Bosnien und Serbien. Ebenso interessant erscheinen in diesem Zusammenhang ästhetische und kulturelle Konzepte der Authentizität (Eigentlichkeit) und Modernität, wie auch Handkes Darstellungen Europas und des Westens. Ebenso naheliegend wäre der Versuch, sich den Jugoslawien- und Serbienbildern in Handkes Opus aus imaginations- und ideengeschichtlicher Perspektive und mit einem postkolonialen Ansatz zu nähern, um zu prüfen, ob und inwieweit ein „Orientalismus (E. Said) und/oder „Balkanismus“ (M. Todorova) in diesen Bildern wirkmächtig sind. 

Der Sammelband will versuchen, sich im Licht der Nobelpreis-Debatte vom Herbst 2019 diesen Fragestellungen aus einer transdisziplinären Perspektive zu stellen. Die Herausgeber wenden sich daher sowohl an GermanistInnen, als auch an Literatur­wissenschaftlerInnen und PhilologInnen anderer Fachbereiche (Südslawistik, Komparatistik), an HistorikerInnen und KulturwissenschaftlerInnen sowie an andere AutorInnen, Beiträge dazu zu verfassen. Erwünscht sind vor allem Analysen, die einzelne Texte von Handke ausdrücklich im (diskurs)historischen Kontext behandeln, auf sein Gesamtwerk eingehen und/oder insbesondere auf die kontroverse Debatte von 2019 Bezug nehmen. Eine Kenntnis der neueren (post-)jugoslawischen Geschichte wird vorausgesetzt.

Wir ersuchen um Zusendung von Abstracts von ca. 200-300 Wörtern bis 15. März 2020 an die unten angegebenen E-Mail-Adressen. Die Publikationssprache ist Deutsch, in Ausnahmefällen u.U. auch Englisch. Die ausgearbeiteten Aufsätze erwarten wir nach unserer Zusage bei einer Zusage zum 15. Juni d. J. Der Sammelband soll noch im Herbst in unserer Buchreihe bei Könighausen und Neumann in Würzburg erscheinen.

Die Herausgeber / Kontakt:

Prof. Dr. Vahidin Preljević (Universität Sarajevo): vahidinpreljevic206@hotmail.com

Prof. Dr.  Clemens Ruthner (Trinity College Dublin): ruthnerc@tcd.ie


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu