CFP: Mythos & Postmoderne – Mythostransformation & mythische Frauen in zeitgenössischen Texten, Bochum (15.04.2020)

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CFP: Mythos & Postmoderne – Mythostransformation & mythische Frauen* in zeitgenössischen Texten 

In mythologischen Narrativen aller Art und Kulturen spielen Frauen*figuren eine zentrale Rolle – wenn auch oftmals nicht als Protagonistinnen in den Tragödien, die sich um sie herum abspielen, sondern als allegorische Katalysatorinnen, nonkonformistische Rebellinnen oder Unheilvolle, die die bestehende Gesellschaftsordnung ins Chaos stürzen. Insbesondere in der antiken griechischen Vorstellung gelten sie, so Mary Beard, häufig als Monströse, als sich unrechtmäßig Bemächtigende, als „abusers of power“ – und doch erscheint gerade dieses, ihr wirkungsvolles Handeln logisch, nachvollziehbar und evoziert nicht selten Empathie. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – stellen Frauen wie Medea, Kassandra, Antigone, die Furien und Göttinnen und alle ihre Schwestern bis heute ein Faszinosum dar. Die sie umgebenden Mythen werden verschiedentlich rezipiert, ent- und remythifiziert, ihre Schicksale von der antiken in eine neue Zeit eingeschrieben; die Figuren durchleben Transformationen, die sie entweder als eindeutige Weiterentwicklungen ihrer Vorgängerinnen markieren, bestimmte Eigenschaften, Mytheme, Mythologeme ausstellen oder aber nur noch ein leises Echo einer Verwandtschaft anklingen lassen. Ihre Form, Allegorisierung und ästhetische, mediale Ausgestaltung sind mannigfaltig, der Mythosbegriff mit seinen sich immer wandelnden Zuschreibungen ist zunehmend komplex und bedarf im Kontext einer zeitgenössischen Auseinandersetzung mit mythischen Figuren und deren Nachleben dezidierten Weiterdenkens. Wo Agency und Performance von Frauenfiguren sich wandeln, geschieht eine narrative Arbeit am Mythos, die (Be-)Deutungsebenen verschiebt, Traditionen aufbricht und neue Diskursformen schafft.

Dieses Symposium soll einerseits dazu dienen, anhand konkreter Beispiele implizite und explizite Spuren mythischer Frauenfiguren in zeitgenössischen Texten aufzuzeigen und über konkrete Strategien der Transformation und Aktualisierung dieser Figuren ‚klassischer‘ Mythen zu reflektieren. Andererseits sollen theoretische, philosophische Überlegungen zum zeitgenössischen Stellenwert von Mythen bzw. dem Mythosbegriff insbesondere in seiner literarischen, narrativen und politischen Verwendung nach Assmann/Assmann (1997) angestellt werden. 

 

Mögliche Themenvorschläge umfassen, sind aber in keiner Weise beschränkt auf:

Mythische Frauenfiguren           
                - in Diskursen der Schöpfung/Nationenbildung (bspw. Coatlicue)
                - als Superheldinnen/-bösewichte (Wonder Woman/Amazonin, Elektra, Barbara Gordon/Oracle, Talia al Ghul)
                - als Galionsfiguren politischer/religiöser Bewegungen (bspw. Jeanne d’Arc)
                - als Referenzrahmen, latente Präsenzen

Transformationen          
                - Ent-Schuldigungen von Taten (bspw. Christa Wolf Medea. Stimmen)   
                - Auslassung von Mythemen/mythoskonstitutiven Elementen
                - Geschlechterdiskurse (bspw. Wahn/Hysterie, Monstrosität, Androgynie) & Bedeutungswandel
                - Umwandlung in Urbane Legenden      
                - Pathologisierung von Mythologemen (bspw. Elektra-Komplex)
                - Zusammenführung div. Frauenfiguren (bspw. Medea-Kassandra, Medea-Maria)
                - Performance und Verschiebung von Agency

Mythostheorie
                - Politisierung narrativer Mythen(figuren)
                - Chancen und Grenzen von ‚Arbeit am Mythos‘              
                - Stellenwert und Bedeutung ‚Mythos heute‘
                - produktive Mischung von Mythosbegriffen in div. Disziplinen zur Analyse von Texten


Das Symposium wird veranstaltet vom Lehrstuhl für Neugermanistik, insbes. Didaktik der Literatur der Ruhr-Universität Bochum und findet vom 05.-06. November 2020 in Bochum statt.
Interessierte Beiträger*innen sind eingeladen, bis Mittwoch, 15. April 2020, ein Abstract (max. 300 Wörter) für einen ca. 20-minütigen Vortrag sowie eine kurze biographische Notiz einzureichen an barbara.bollig@rub.de.

Eine Publikation der Beiträge in Form eines Tagungsbandes ist geplant.
Die Veranstalter*innen bemühen sich um eine Förderung des Symposiums, können aber zum jetzigen Zeitpunkt die Übernahme anfallender Reisekosten nicht garantieren.


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Johannes Schmidt] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu