CFP: Shared Heritage – Gemeinsames Erbe. Kulturelle Interferenzräume im östlichen Europa als Sujet der Gegenwartsliteratur, Berlin (01.04.2020)

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Shared Heritage – Gemeinsames Erbe. Kulturelle Interferenzräume im östlichen Europa als Sujet der Gegenwartsliteratur

Internationale literaturwissenschaftliche Tagung

19./20.11.2020

 

Veranstalter:

 

Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE); Literaturhaus Berlin

 

Ort: Literaturhaus Berlin, Fasanenstraße 23

 

Seit einigen Jahren nehmen auffallend viele Schriftsteller*innen – etwa Maja Haderlap, Paweł Huelle, Katja Petrowskaja und Jaroslav Rudiš oder die Nobelpreisträgerinnen Herta Müller und Olga Tokarczuk – in ihrem Schreiben Bezug auf das östliche Europa, insbesondere im 20. Jahrhundert, mitunter aber auch früherer Zeiten. Häufig spielen ihre literarischen Texte in ehemals multiethnischen Regionen mit deutschsprachigen Bevölkerungsanteilen wie etwa in der Bukowina, in Schlesien, Siebenbürgen oder dem Wolgagebiet. Zahlreiche dieser Autor*innen gehören nicht mehr der Generation an, die den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg sowie Umsiedlungen, Flucht und Vertreibungen während und nach dem Krieg selbst erlebt hat. Sie wenden sich aus einem distanzierteren Blickwinkel ihrem Erzählgegenstand zu. Die literarischen Texte thematisieren Verletzungen und Verschwiegenes, Verflechtungen und Verbindungen auf eine neue Weise und in neuen Genres. Auffällig sind die Renaissance des Familien-, aber auch des historischen Romans, das Comeback literarischer Reisereportagen sowie neue Formen zwischen Dokumentation und Tagebuch. Die Autor*innen arbeiten im deutschsprachigen Raum ebenso wie beispielsweise in Estland, Litauen, Polen, Slowenien, Russland, Tschechien oder Ungarn; außerdem gibt es eine nicht unbeträchtliche Zahl von Schriftsteller*innen, die aus dem östlichen Europa stammen, aber nunmehr in deutschsprachigen Ländern leben und auf Deutsch schreiben.

Die geplante Tagung will diese Phänomene einer literarischen Rekonstruktion weitgehend verloren gegangener kultureller Interferenzräume untersuchen. Dabei soll der aus der Architekturgeschichte und Denkmalpflege kommende Begriff Shared heritage/gemeinsames (Kultur-)Erbe auf die Literatur – also aus dem Bereich der materiellen auf die immaterielle Kultur – übertragen werden, wo andere Gesetzmäßigkeiten gelten.

Es stellen sich damit u.a. folgende Fragen:

  • Wie kann der Terminus Shared heritage auf literarische Texte und Räume bezogen werden? Was lässt sich durch diese Begriffsübertragung neu sehen und erkennen?
  • Warum ist das Schreiben über kulturelle Interferenz- und Grenzräume im östlichen Europa für Autor*innen und Leser*innen der Gegenwart so attraktiv? Und welches Kulturverständnis bekundet sich darin?
  • Welches literarische und erinnerungspolitische Potential bieten literarische Erinnerungen aus der Distanz der Kinder- bzw. Enkelgeneration?
  • Ist das östliche Europa in Hinblick auf Shared Heritage-Texte ein Spezial- oder ein exemplarischer Fall? Für diese komparatistische Fragestellung wäre es empfehlenswert, andere Regionen, in Westeuropa (z. B. Elsass, Ostbelgien, Südtirol, das Burgenland), in Russland oder in der Türkei einzubeziehen.

 

Die Tagung ist Teil des Kulturprogramms der EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands im zweiten Halbjahr 2020 und wird mit einer Lesungsreihe verbunden. Gespräche mit Autor*innen finden als Abendveranstaltungen auch im Rahmen der Tagung statt. Tagung und Lesungsreihe rücken anhand von aktuellen literarischen Texten die engen kulturellen Verflechtungen der europäischen Regionen am Beispiel des östlichen Europas und im Vergleich zu anderen europäischen Grenzregionen in den Blick.

 

Die Veranstalter laden Literaturwissenschaftler*innen verschiedener Fächer (wie Germanistik, Interkulturelle Germanistik, Komparatistik, Slavistik) zur Mitwirkung in Form eines Kurzvortrages ein. Die Redezeit beträgt 20 Minuten; Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. Eine spätere Publikation ist geplant.

 

Die Kosten für An- und Abreise sowie Unterkunft der Referent*innen werden vorbehaltlich der Bewilligung beantragter Fördermittel erstattet.

Bitte senden Sie Ihr Vortragsexposé (2.000 Zeichen), einen kurzen Lebenslauf mit E-Mail und Postanschrift sowie Angaben zu Ihrer derzeitigen Tätigkeit (max. 1000 Zeichen) bis zum 01.04.2020 an: silke.pasewalck@bkge.uni-oldenburg.de.

 

Ansprechpartnerin:

Dr. Silke Pasewalck

Bundesinstitut für Kultur und Geschichte

der Deutschen im östlichen Europa (BKGE)

an der Universität Oldenburg

Johann-Justus-Weg 147 a

D- 26127 Oldenburg


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Johannes Schmidt] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu