CFP: "Die Pantomime von 1800 bis zur Gegenwart: Gattung - Ästhetik - Entwicklung", Brüssel (29.02.2020)

Mathias Meert's picture

Internationaler Workshop

Die Pantomime von 1800 bis zur Gegenwart: Gattung – Ästhetik – Entwicklung

25.06.2020 – 26.06.2020 

Vrije Universiteit Brussel

Die wortlose Pantomime versteht sich als eine intermediale und hybride Gattung, die sich an der Schnittstelle von Textualität, Performance, Körperlichkeit und Visualität befindet. Am Anfang des 20. Jahrhunderts experimentierten in Deutschland und Österreich namhafte Autoren wie Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler und Frank Wedekind mit der Pantomime als der wortlosen Theaterkunst par excellence. Nach dem österreichischen Kritiker und Autor Hermann Bahr fungierte die Gattung um 1900 im Grunde genommen als ein (literarisches) ‚Drama ohne Worte‘. Pantomimen „[…] haben sonst alle dramatischen Mittel. Nur die Sprache fehlt ihnen. Um diese sind sie ärmer. Dennoch wirken sie mehr“ (Bahr 1894: 107). Bahrs Einschätzung der Pantomime als einer sich neu etablierenden, wirkungsvollen Theatergattung geht u.a. mit der modern(istisch)en Sprachskepsis einher. Die Pantomime enthält aber auch komplexe narrative Strukturen, stützt sich auf eine expressive Gestik und macht auf den anthropologisch-rituellen Hintergrund des Theaters aufmerksam. Die modernistische Variante der Pantomime dialogiert zudem mit älteren Gattungen nichtverbaler Kommunikation und situiert sich in einem intermedialen Netzwerk, in dem mehrere Verflechtungen mit älteren und neueren Medien (Stummfilm, Tanz, ballet d’action, Malerei und tableau vivant …) auch pan-europäisch und transnational an Kontur gewinnen.

Dieser zweitägige Workshop an der Vrije Universiteit Brussel widmet sich der Vielfältigkeit der Pantomime-Tradition aus einer historischen und transnationalen Perspektive. Er setzt sich zum Ziel, capita selecta der modernen Pantomime-Geschichte zu untersuchen, von der (Vor-)Geschichte der Gattung seit 1800 über die (Neu-)Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert bis hin zur Gegenwart. Er fragt nach den Entwicklungen der pantomimischen Ästhetik und versucht diese in einen europäischen Rahmen zu situieren. Folgende Themen und Fragestellungen werden als thematische und methodologische Leitfaden des Workshops konzipiert:

  • Historizität und Tradition: Wie entwickelte sich die Pantomime von 1800 bis zur Gegenwart, in Deutschland, Österreich, Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien, …? Versteht sich die Pantomime als Gattung bzw. als 'Modus'? Wie verhält sich das zeitgenössische Theater zur wortlosen Gattung und deren Ästhetik? Wie vernetzt sich die Gattung historisch im europäischen Kontext?
  • Textualität: Wie sind pantomimische texte strukturell und rhetorisch aufgebaut? Wie verhalten sie sich zu ihrer Umsetzung auf der Bühne? Weisen Pantomimische Texte Aspekte der ‚Texttheatralität‘ (Poschmann) auf? Wie verhalten sich ‚literarische‘ Pantomimen zu anderen Varianten der Gattung?
  • Aufführung: Wie entwickelt sich die historische Aufführungspraxis der Pantomime seit 1800? Auf welche (theatrale) Konventionen stützt sich die Pantomime auf der Bühne? Mit welchen theoretischen und methodologischen Problemen wird die Analyse historischer Pantomimenaufführungen konfrontiert?
  • Gestik, Kinästhetik, Körpersprache: Wie werden Gesten, Bewegung und Körpersprache in der Pantomime inszeniert? Wie verhält sich die pantomimische Gestik zur Sprache? Wie unterscheidet sich die Pantomime von anderen Gattungen der (gestischen) Bewegung?
  • Ästhetik: wie konzeptualisiert und textualisiert die Pantomime die Ästhetik der Wortlosigkeit? In welchem Sinne sind Pantomimen performativ? Welche thematischen und motivischen Schwerpunkte konturieren pantomimische Handlungen? Wie verhält sich die Pantomime zur historischen Reformierung des Theaters bzw. der Schauspielertheorie? Wie wird die Figur des (Panto)Mimen historisch, philosophisch und ästhetisch konzipiert?
  • Narrativität: Welche narrativen Merkmale sind in Pantomimen bzw. pantomimischen Texten zu finden? Könnte die Narratologie (Perspektive, Fokalisierung, Raum, …) für die Analyse pantomimischer Schauspiele hermeneutisch fruchtbar gemacht werden?
  • Intermedialität: Wie verhält sich die Pantomime zu anderen Medien der Körperlichkeit und Visualität (Tanz, Film, Malerei)? Ist der Dialog mit tableau vivant oder Stummfilm als ‚Remediation‘ aufzufassen? Wie etabliert sich die mediale Spezifizität der Gattung seit 1800?

Interessierte werden gebeten, bis zum 29.02.2020 ein Abstract (ca. 300 Wörter) und eine Kurzbio (ca. 100 Wörter) einzureichen bei Dr. Mathias Meert, mathias.meert@vub.be. Der Workshop bietet Platz für maximal 15 Forscher*innen und Doktorand*innen. Zum Format des Workshops: Teilnehmer*innen haben die Möglichkeit einen Vortrag zu halten und/oder eine Diskussion zu organisieren über (pantomimische, wissenschaftliche, methodologische, …) Texte, die sich auf die obenerwähnten Fragestellungen beziehen und die dann gemeinsam reflektiert werden. Diese Texte werden den Teilnehmer*innen ca. 4 Wochen vor dem Anfang des Workshops besorgt. Die Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch.

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Mark-Georg Dehrmann] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

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