CFP: Faszination Nibelungen − Präsenz und Vermittlung eines multimedialen Mythos, Passau (15.03.2020)

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Call for Papers

Faszination Nibelungen −
Präsenz und Vermittlung eines multimedialen Mythos

Transdisziplinäre Studientagung und Lehrerfortbildung an der Universität Passau
vom 24. bis 26. September 2020

Das Nibelungenlied − einer der bedeutendsten Texte des Mittelalters, zugleich Weltliteratur und lange Zeit deutscher Nationalmythos − ist heute fesselnd wie vor über 800 Jahren. Uns faszinieren daran vor allem die menschlichen Grundkonflikte: Liebe und Hass, Treue und Verrat – und wie unterschiedlich diese von den Rezipierenden gesehen und bewertet wurden.

Der zunächst mündlich tradierte und dann textuell vermittelte Nibelungen-Mythos hat schon im­mer die Imagination der Menschen stimuliert und bereits seit dem Mittelalter zu einer Veran­schaulichung in verschiedenen Texten und Medien herausgefordert. Im deutschsprachigen Raum wurde der Mythos um 1200 im Nibelungenlied schriftlich fixiert. Außergewöhnlich schnell, nur wenige Jahre danach, setzt eine intensive Rezeptionswelle ein, in der Handschriftenvarianten und ein erster Illustrationszyklus entstehen. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts geriet das Nibelungen­lied allerdings für rund 250 Jahre in Vergessenheit, bis es in der Version der Handschrift C im Jahre 1755 wiederentdeckt wurde. Damit beginnt die zweite Phase einer lebhaften, facettenreichen und zunehmend auch von modernen Medien geprägten Rezeptionsgeschichte, deren Spuren noch heute in Form von literarischen Adaptionen, in Opern- und Theateraufführungen, in Comics, Fan­tasy-Romanen, Film- und Fernsehproduktionen oder in der Gamekultur wahrgenommen werden können. Die Omnipräsenz der Nibelungen vom Mittelalter bis in die Gegenwart dokumentiert ein­drücklich das Faszinationspotential des Mythos. Seine Wirkmächtigkeit begründet noch heute seine Behandlung im schulischen Unterricht. Andererseits ist der Nibelungen-Mythos in verschie­denen Phasen der nationalen Rezeptionsgeschichte durch seine propagandistische Vereinnah­mung oder die Affirmation stereotyper Vorstellungen von Geschlechter- und Machtkonstella­tionen hochproblematisch. Verschiedene Rezeptionszeugnisse gilt es daher, mit Blick auf diese Implikationen, kritisch zu durchleuchten.

Die Tagung an der Universität Passau hat zum Ziel, die multimediale Präsenz des Nibelungen-Mythos vom Mittelalter bis in die Gegenwart zu untersuchen und dessen Potential neu auszu­loten. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf der Vermittlung in der Schule und einer breite­ren Öffentlichkeit liegen. Der dabei anvisierte Brückenschlag zwischen der Älteren Deutschen Lite­raturwissenschaft, der Deutsch-Didaktik sowie weiteren literatur- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen soll dabei nicht zuletzt zeigen, dass der Nibelungen-Mythos bis heute ein lohnender Gegenstand für eine wissenschaftliche und praxisorientierte Auseinandersetzung ist.

In Keynotes werden einzelne Themenfelder wie die wissenschaftliche, multimediale und populär­kulturelle Präsenz, die didaktische Vermittlung oder die museale Präsentation des Nibelungen-Mythos aus der Perspektive ausgewiesener Expertinnen und Experten vorgestellt, um grundlegen­de Verbindungslinien zwischen Theorie, Forschung und Praxis herzustellen.

Da die Tagung im Format einer Studientagung und Lehrerfortbildung durchgeführt wird, sind als weitere Beiträge Einzelvorträge, Workshops sowie Posterpräsentationen vorgesehen. Bevorzugt Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler wird in 30-minütigen Vorträgen bzw. in kur­zen Posterpräsentationen Gelegenheit gegeben, neue Konzepte und Ideen exemplarisch vorzustel­len und zu diskutieren. Die Nachmittage der Tagung widmen sich schwerpunktmäßig der Unter­richtspraxis und sind als Lehrerfortbildung für Lehrkräfte konzipiert, die an Grundschulen, Mittel­schulen, Realschulen und Gymnasien unterrichten. Jeweils 90-minütige Workshops sollen sich mit bewährten und zugleich innovativen Modellen für die Primarstufe sowie für die Sekundarstufen I und II beschäftigen und ermöglichen durch aktive Beteiligung der Lehrkräfte die intensive Ausein­andersetzung mit einem prominenten Themenschwerpunkt aus dem Nibelungen-Mythos, einer spezifischen Fragestellung oder einem konkreten Beispiel der Nibelungen-Rezeption.

Der rote Faden, der alle Beiträge verbindet, soll der Nibelungen-Mythos in der Version des um 1200 verschriftlichten Nibelungenliedes sein. Darüber hinaus sind Schwerpunktbildungen mit Blick auf spezifische Themen (Gefühle, Gewalt, Verrat etc.), auf verschiedene literatur- und kulturwissen­schaftliche Ansätze (Gender Studies, Intersektionalität, Mediensemiotik, Narratologie, Performati­vität etc.) oder mit einem besonderem Fokus auf die didaktischen Vermittlungsprozesse unter Ein­bezug aktueller literatur-, sprach- und mediendidaktischer Konzepte und Theoriebildungen denk­bar. Neben Beiträgen zu mittelalterlichen Versionen des Nibelungen-Mythos von den Leithand­schriften A,B und C des UNESCO-Weltdokumentenerbes über die Illustrationen im Hundeshagen­schen Codex bis hin zu Hans Sachsʼ Tragödienbearbeitung sind auch Beiträge zu modernen Rezep­tionsweisen in Artefakten, Bildern, Kinder- und Jugendliteratur, Computerspielen, Fantasy, Filmen, Comics und Graphic Novels, Museen, Musik, Performances, Serienformaten oder Theaterinszenie­rungen willkommen. Bei didaktischen Arrangements ist zu beachten, dass ältere Texte und Medien noch erhältlich sind und zu unterrichtlichen Zwecken sinnvoll einsetzbar sein sollten.

Aussagekräftige Exposés zu einem der drei Beitragsformate (Vortrag, Poster, Workshop) im Um-fang von nicht mehr als einer Seite schicken Sie bitte zusammen mit kurzen Angaben zur Person bis zum 15. März 2020 an karla.mueller@uni-passau.de und andrea.sieber@uni-passau.de. Eine Rückmeldung über die Annahme der Beiträge erfolgt bis zum 15. Mai 2020. Für angenommene Beiträge können voraussichtlich Reise- und Übernachtungskosten übernommen werden.


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu