CFP: [Verlängerung] Internationale Konferenz „Kafka und Griechenland“, Athen (07.01.2020)

Ekkehard W. Haring's picture

CFP Verlängerung: Internationale Konferenz „Kafka und Griechenland“. Athen 15./16. Mai 2020

Veranstalter: Fachbereich für Deutsche Sprache und Literatur der Philosophischen Fakultät an der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen

 

Das ausgeschriebene Thema „Kafka und Griechenland“ impliziert die These, dass hier ein besonderes Wechselverhältnis ins Blickfeld gerückt werden könne. Vor dem Hintergrund einer Forschungslandschaft, deren Räume und Territorien bereits vielfach abgeschritten, besetzt, erkundet und kartographiert worden sind, erscheint dies auf den ersten Blick keineswegs selbstverständlich: Aspekte, die Griechenland betreffen, wurden zwar immer wieder dankbar von der Kafka-Forschung aufgegriffen, blieben in ihrer Betrachtung jedoch oftmals zu eng fokussiert und fanden daher auch nur bedingt Aufmerksamkeit und Reflexion. Wenn es sich dennoch lohnt, dem Thema einen größeren Betrachtungsrahmen zu geben, so liegt das vor allem an der Vielfalt seiner Facetten, die auf ein breitgefächertes Themenspektrum schließen lassen und von der Forschung in ihrer Komplexität bislang nur ungenügend beachtet wurden. Dies zu erfassen soll auch Ziel der Konferenz sein.

Griechenland-Bezüge sind punktuell in der Kafka-Forschung immer wieder hergestellt und unterstrichen worden. Insbesondere mythische Figuren wie Odysseus, Poseidon und Prometheus wurden exemplarisch zur Veranschaulichung grundlegender, und keineswegs nur literaturwissenschaftlicher Zusammenhänge herangezogen. Vereinzelt wurde auch auf Klassikerlektüren und -einflüsse sowie auf relevante Motive und Themen hingewiesen, und gelegentlich führten poetologische bzw. begriffliche Erkundungen auf griechische Ursprünge. Ebenso machten Biografen auf Kafkas mühsam erworbene Griechischkenntnisse vor dem Hintergrund seiner humanistischen Gymnasialbildung aufmerksam.

Dennoch, eine zusammenhängende Diskussion des weit vielschichtigeren Themenkomplexes „Kafka und Griechenland“ hat es bis heute nicht gegeben. Selbst in den einschlägigen Handbüchern finden sich stets nur vereinzelte Annäherungen. Eine Verbindung oder Kontextualisierung mit anderen naheliegenden Themenbereichen (wie sie z.B. in Arbeiten zu „Kafka und China“ oder in „Kafka und das Judentum“ inzwischen selbstverständlich sind), ist bis heute Desiderat geblieben. Was wusste der Prager Autor eigentlich genau über Griechenland auf Basis seiner literarischen und gymnasialen Bildung? Und was wusste er jenseits der klassischen Bildungshorizonte von dem realen Griechenland, z.B. den Balkankriegen, in die Österreich-Ungarn verwickelt war? Auch die Tragweite unterschiedlichster Bilder und Konstrukte des „Griechischen“, des „Griechentums“, des „Südens“ etc., denen Kafka in zeitgenössischen (Identitäts-)Diskursen begegnete, ist bislang unterschätzt worden – obgleich hier durchaus Querverbindungen zu seinem Werk zu ziehen wären. Nicht zuletzt kursierten in seinem engeren Prager Umfeld einige in dieser Hinsicht höchst bemerkenswerte Beiträge. 

Umgekehrt bedarf aber auch die Rezeptionsgeschichte Kafkas in Griechenland dringend einer Aufarbeitung. Bisher liegen nur sehr wenige Untersuchungen vor – was keineswegs der wachsenden Popularität des Prager Autors hierzulande entspricht. Weiterführende Studien zur Aufnahme und Wirkung Kafkas in Griechenland – z.B. zu Übersetzungen, Werkausgaben, Anklängen in der griechischen Literatur, Kunst und Gesellschaft – wären aktuell notwendig und sind im Grunde längst überfällig. Auch die Geschichte der Übersetzungen Kafkas, einschließlich der besonderen Herausforderungen, die Kafkas Werk für Übersetzer bilden kann, ist bislang noch nicht dokumentiert worden. 

Ausgehend von diesen Überlegungen möchte das Symposium eine möglichst umfassende Diskussion des Rahmenthemas eröffnen. Gesucht werden Beiträge zu folgenden Schwerpunkten:

  1. Kafka-Texte mit Griechenlandbezug – Themen, Motive, Figuren, Mythen, Aphorismen etc. ...
  2. Kafkas Griechenland-Lektüren
  3. Kafka und die griechische Philosophie
  4. Die Prager Literatur und ihre Räume der Sehnsucht (Antike, Mittelmeer, Süden ...)
  5. „Griechentum“ in Identitäts-Diskursen der Prager Moderne
  6. Kafkas Narrative der Geschichtsschreibung
  7. Bildungskonzepte um 1900: Altgriechisch an Prager Gymnasien
  8. Die Wahrnehmung des aktuellen Griechenlands (Kafkas Prager-Sicht, z.B. des Balkankriegs)
  9. Kafka-Rezeption in Griechenland (Literatur, Kunst, Philosophie)
  10. Vergleichende Studien, die Analogien zwischen Kafka und griechischen Autoren, bzw. zwischen Kafkas Werk und griechischen Mythen, Stoffen etc. ins Blickfeld rücken
  11. Kafka im öffentlichen Diskurs (Zeitschriften, Zeitungen etc.)
  12. Griechische Kafka-Editionen und Werkausgaben
  13. Zur Frage der Kafka-Übersetzungen
  14. Kafkas Image: Was wissen Griechen von Kafka?
  15. Kafka als moderner Klassiker der Weltliteratur: Diskussion um Kanonbildung
  16. Kafka im Unterricht: Wie lässt sich Kafka heute an der Universität und in Schulen vermitteln?

Interessierte Beiträger/innen sind aufgerufen ihren Themenvorschlag für ein Referat (20min) mit kurzer Projektskizze sowie Angaben zum wissenschaftlichen Werdegang bis zum 7.1.2020 unter der Adresse kafka.athen2020@gmail.com einzureichen. Willkommen sind auch Beiträge, die den Austausch mit anderen Disziplinen ermöglichen.

Die Organisatoren: Ekkehard Haring, Katerina Karakássi, Nikólaos Koskinás

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Lukas Büsse] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu