CFP: Fördern, Werten, Unterhalten: Valorisierungsdynamiken in der Literaturpreislandschaft, Duisburg-Essen (10.01.2020)

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CFP: Fördern, Werten, Unterhalten: Valorisierungsdynamiken in der Literaturpreislandschaft

(Universität Duisburg-Essen, 18.-19.06.2020)

 

Organisation:

DFG-Projekt „Literaturpreise im deutschsprachigen Raum seit 1990: Funktionen und Wirkungen“ (Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Alexandra Pontzen, Dennis Borghardt, Sarah Maaß)

 

Literaturpreise werden in Literaturwissenschaft und -soziologie in der Regel auf dreierlei Weisen perspektiviert: erstens als Instrumente der Literaturförderung (vgl. Jürgensen 2013, Dahnke 2016, Amlinger 2017), zweitens als performative und ritualisierte Praktiken des Gabentauschs (vgl. Dücker 2005) und drittens als Rahmen und Praxis literarischer Wertung (vgl. Rahmann 2017). Ihre literaturfördernde Wirksamkeit entfalten sie auf unterschiedliche Weise: Sie statten AutorInnen mit ökonomischem oder mit kulturellem bzw. symbolischem Kapital aus (Nobilitierung und Konsekration) und dienen der symbolischen Aufwertung von Literatur –  in einem permanenten ‚Kampf um Aufmerksamkeit‘ (vgl. Franck 1998). In den seriellen und ritualisierten Verleihungszeremonien, in denen Texte, Reden und Gratifikationen gabentauschähnlich zirkulieren, legitimieren sich Stifter und Laureaten wechselseitig und schreiben sich in die (Literatur-)Geschichte ein. Die Auswahl der Laureaten, die Jurybegründungen und Laudationes schließlich lassen sich als Werturteile daraufhin analysieren, welche textuellen, sozialen und kognitiven Aspekte die Praxis literarischen Wertens bestimmen.

Nicht systematisch untersucht wurden bisher die Vielzahl und Vielfalt der allein in Deutschland vergebenen Literaturpreise – mithin die Strukturen und Funktionen der Literaturpreislandschaft als ganzer. Im Essener DFG-Projekt „Literaturpreise im deutschsprachigen Raum seit 1990: Funktionen und Wirkungen“ wird das Netzwerk der Preise datengestützt erfasst und empirisch ausgewertet. Konkret werden die Hypothesen geprüft, dass (1) die Literaturpreislandschaft – geographisch wie werttheoretisch – heterarchisch strukturiert ist, (2) dadurch an literarischen wie soziokulturellen Valorisierungsprozessen teilhat und (3) die Diversifizierung literarischer Genres, Textformen, Themen und Praktiken vorantreibt.

Die geplante Tagung soll dazu dienen, neue Befunde und aktuelle Entwicklungen Feld der Literaturpreise zu diskutieren und theoretisch zu modellieren. Erbeten werden Abstracts zu den Themenbereichen Wertungstheorie und -praxeologie, Literaturbetrieb und Kulturpolitik – auch aus internationaler Perspektive:

              1. Literaturpreise wertungstheoretisch und praxeologisch:

  • Diskursive und nichtdiskursive Wertungs- und Valorisierungspraktiken im Literaturpreisgeschehen (Epitexte der Verleihungen, Vergabe- und Selektionspraktiken, Verleihungsrituale und -formate etc.)
  • Rollen, Funktionen und Verhältnisse unterschiedlicher, literarischer wie außerliterarischer, Wertordnungen

 

2. Literaturpreise und Literaturbetrieb:

  • Funktionen der Preise in den unterschiedlichen Bereichen des Literaturbetriebs, insbesondere vor dem Hintergrund des (kultur)ökonomischen Strukturwandels
  • Topologische Aspekte: Lokalität, Regionalität und Internationalität in den Valorisierungs- und Wertungsprozessen von Literaturpreisen und Literaturbetrieb

 

3. Literaturpreise und Kulturpolitik:

  • Zivilgesellschaftliche, staatliche, wirtschaftliche Politiken im Preisgeschehen
  • Literaturpreise als Ort öffentlicher Debatte
  • Aktuelle kulturpolitische Paradigmen und ihre Relevanz für Literaturpreise (z.B. Partizipation, kulturelle Bildung, Aktivierung, Konkurrenz etc.)

 

4. Komparatistische Perspektiven:

  • Literaturpreise im internationalen Vergleich
  • Nationale Kulturpolitiken
  • Preise im EU-Integrationsprozess

 

Abstracts im Umfang von maximal einer Seite mit beigefügtem Kurz-CV können bis zum 10.01.2020 an folgende Mailadresse eingereicht werden: projekt.literaturpreise@uni-due.de

 

Für Fragen und weitere Informationen stehen die Projekt-Mitglieder gerne zur Verfügung:

alexandra.pontzen@uni-due.de

dennis.borghardt@uni-due.de

sarah.maass@uni-due.de

 

Auch unabhängig von der Tagung ist das DFG-Projekt an Austausch und Vernetzung mit anderen PreisforscherInnen interessiert und freut sich über Mailanfragen.

Informationen zu den beteiligten Personen, unseren Forschungstätigkeiten sind auf der Projekt-Homepage zu finden: www.uni-due.de/germanistik/pontzen/dfgprojekt_literaturpreise.php.

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Constanze Baum] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu