CFP: Das Motiv des Ausreißens in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur (20.12.2019)

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CFP: Das Motiv des Ausreißens in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur, hrsg. von Sebastian Bernhardt, Schriftenreihe „Kinder- und Jugendliteratur. Themen – Ästhetik – Didaktik“, hrsg. von Jan Standke, Band 1

 

Maik Klingenberg aus Wolfgang Herrndorfs Tschick ist das Kind wohlhabender Eltern. Mit seinem Mitschüler Tschick fährt er ohne Führerschein und mit einem gestohlenen Lada durch die Lande. Robs in Juli Zehs Das Land der Menschen wächst wohlbehütet auf und bricht auf eine Abenteuerreise auf, um den Winter zu retten. Theo haut ab (Peter Härtling), weil es in seinem Elternhaus kriselt.

Diese kleine Aufzählung steht für viele weitere Figuren in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur, die ausreißen. Das Ausreißen kann entweder tatsächlich räumlich erfolgen – jemand verlässt sein zu Hause und begibt sich auf eine Reise – oder aber das Ausreißen bleibt bloß mental, jemand flieht in Gedanken. Ausreißen wird so zu einem vielschichtigen Motiv. Einerseits steht es für das Erwachsenwerden und die Loslösung vom elterlichen Schutz, andererseits auch für eine Flucht aus der vorgefundenen Wirklichkeit oder für das Suchen nach einem Sehnsuchtsziel.

Für Schülerinnen und Schüler können ‚Ausreißertexte‘ aufgrund ihres Abenteuercharakters zur Lesemotivation beitragen. Darüber hinaus bieten die Ideen des Ausbrechens aus vorgegebenen Strukturen und der Emanzipation von Autoritäten ein hohes Identifikationspotenzial sowohl für die Literaturunterricht der Primarstufe als auch für die weiterführenden Schulen.

Das JuLit - Heft 1 / 2001: Ab durch die Mitte. Vom Ausreißen und Ausreisen in der KJL, hrsg. vom Arbeitskreis für Jugendliteratur, nahm sich des Phänomens ausreißender Figuren bereits an und beleuchtete die Frage nach Ziel, Darstellung und Ausgestaltung des Weglaufens. Seither sind jedoch 18 Jahre vergangen, in denen sich auch im System „Kinder- und Jugendliteratur“ einige Entwicklungen vollzogen haben. Darüber hinaus ist der Fokus des geplanten Sammelbandes anders gelagert als der des JuLit-Hefts: Ging es dem Arbeitskreis um eine themengeleitete Analyse, soll es in dem geplanten Themenheft um eine literaturdidaktische Erschließung von Einzeltexten gehen.

Das Anliegen des Bandes ist es, neueste Texte der Gegenwartsliteratur, deren Erscheinungsdatum nicht vor 2016 liegt, vorzustellen und didaktisch zu kommentieren. Eine Auswahl möglicher Texte füge ich bei. Gern können aber auch weitere Texte vorgeschlagen werden.

Mögliche Texte:

Primarstufe:

 Smet „Hendrik zieht nicht um“

 Tienti: „Unterwegs mit Kaninchen“

 Elsom: „Leonie und Ludwig: Ein Denkmal reißt aus“

 Fox: „Abenteuer im Oak-Park“

 Sek 1:

 Höfler "Tanz der Tiefseequallen"

 Rühle „Traumspringer“

 Shusterman: „Kompass ohne Norden“

 Sek 1 und 2:

 Clima „Der Sonne nach“

 Bradford „Das letzte Level“

 Woltz „Hundert Stunden Nacht“

 Wagner „Hyde“

 Schäuble „Endland“

Michaelis „Tankstellenchips“

 Erler „Side Effect“.

Die Beiträge sollen einen Umfang von ca. 35.000 Zeichen haben und sich an folgender Struktur orientieren:

  1. Einleitung: Kurze Vorstellung des Textes, pointierte Inhaltsangabe, knapper thematischer Aufriss, Überblick über fachdidaktische Eckpunkte, Ausführungen zur angezielten Jahrgangsstufe
  2. Literaturwissenschaftliche Analyse der Ausreißer-Thematik:
  3. Didaktische Kommentierung
  4. Didaktisch-methodische Konkretisierung
  • Konkrete unterrichtliche Anregungen
  • Aufgabenstellungen mit Kommentierung

Beitragsvorschläge bis zum 20.12.2019 erbeten an folgende Adresse: s.bernhardt@tu-braunschweig.de. Abgabe der fertigen Beiträge bis 1.5.2020.

 

Contact Info: 

Dr. phil. Sebastian Bernhardt
Institut für Germanistik
Abt. Didaktik der deutschen Sprache und Literatur
Bienroder Weg 80, Raum 130
38106 Braunschweig
Tel.: 049 531 - 391 8665
E-Mail: s.bernhardt@tu-braunschweig.de

 

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