CFP: Jahrbuch Forum Vormärz Forschung 2020: „Ästhetik und ästhetische Theorie im Vormärz“ (23.12.2019)

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Call for Papers

Jahrbuch Forum Vormärz Forschung 2020:

„Ästhetik und ästhetische Theorie im Vormärz“

Hg. Norbert Otto Eke/MartaFamula

Ungeachtet einzelner Studien (u.a. zu Moriz Carrière) ist die Geschichte der Popularästhetik und der Popularpoetik des 19. Jahrhunderts bislang nicht geschrieben (siehe allein die eigenartige Lücke von einem halben Jahrhundert zwischen der Romantik und Wagner/Nietzsche in den Sammelbänden „Kunstreligion. Ein ästhetisches Konzept der Moderne in seiner historischen Entfaltung. Hg. von Albert Meier, Alessandro Costazzo, Gérard Laudin. Berlin/New York: de Gruyter 2011ff.). Nach wie vor liegt die ästhetische und poetologische Diskussion in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, was ihre Breite und Streuung anbelangt, im Dunkeln.

Auch kulturgeschichtlich klafft eine Lücke auf: Mehrfach wurde auf Tendenzen der Moderne in der Frühromantik um 1800 (Subjektkrise, Sprachkrise, Fragmentarisierung etc.) hingewiesen, (etwa Manfred Frank, 1986, Silvio Vietta, 1992, Andrea Bartl, 2005); das 19. Jahrhundert, vor allem dessen erste Hälfte, jedoch wurde innerhalb dieser Moderne-Konzeption bisher nicht hinlänglich gewürdigt. Dabei verschiebt sich in den Ästhetik-Konzepten des Vormärz mit dem Beginn der Literarisierung von Realität das Paradigma des Schönen in mehrfacher Hinsicht und bleibt kulturtheoretisch, historisch-politisch sowie philosophisch- geistesgeschichtlich neu zu profilieren. Unterschiedliche Aspekte geraten dabei ins Zentrum der Betrachtung: die erstarkende Bedeutung des Sehens, die einerseits im technisierten Blick der modernen Medialität (hierzu etwa Becker 2010, Keppler-Tasaki/Schmidt 2015), andererseits in der philosophischen Ausrichtung der Phänomenologie mündet; die Rolle der Psychologie, deren literarische Darstellung sich mit dem Fortschreiten des realistischen Anspruchs von der romantischen Übersetzung ins Phantastische hin zu realistischen Schilderungen von Krankheitsverläufen verschiebt (Georg Büchner, Eduard Mörike), oder die erstarkende Bedeutung von wissenschaftlichen Ordnungsstrukturen, die den Ästhetik-Begriff auf eine neue Weise begreifen (Adalbert Stifter). Die neue Lebenssituation, die durch ein erstarkendes bürgerliches wie europäisches, politisches Bewusstsein bestimmt ist, stellt die literarische Ästhetik mithin vor neue Herausforderungen, die sowohl in den Konzepten der literarischen Texte als auch in poetologischen Stellungnahmen und theoretischen Positionen problematisiert werden: Neue Konzepte des Schönen, der Kontinuität, der Brüchigkeit und der Kritik, des Verhältnisses von Idee und Realität, von Phänomen und System, von Erscheinung und Abstraktion markieren die Spannbreite der ästhetischen Positionen des Vormärz. Sie sollen im Rahmen des Jahrbuchs ausgelotet und innerhalb der Diskurse des 19. Jahrhunderts kontextualisiert werden.

Von hier aus möchte das Jahrbuch die Möglichkeit bieten, Konzepte des Schönen in der Vormärz-Literatur unter systematischer Befragung der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreich erschienenen Ästhetiken und Poetiken zu untersuchen und sie zugleich als einen eigenen Baustein innerhalb der Entwicklungslinien zwischen dem 18. Jahrhundert und der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu verorten. Ideen zur Erforschung dieses Spektrums sind herzlich willkommen. Bitte schicken Sie Ihr Abstract (bis zu einer DIN A4 Seite) bis 23.12.2019 an Prof. Dr. Norbert O. Eke (norbert.eke@uni-paderborn.de) und Dr. Marta Famula (marta.famula@uni-paderborn.de).

Eine Rückmeldung erfolgt zeitnah; als Abgabetermin für die Beiträge ist der 1. August 2020 geplant.


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

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