CFP: Wilhelm Raabes Reisen: Raum- und Zeiterkundungen zwischen Vormärz und Früher Moderne, Braunschweig (31.12.2019)

Madleen Podewski's picture

-Ort, Zeit: Braunschweig, 18.-20.9.2020

-veranstaltet von: Andreas Blödorn (Universität Münster) und Madleen Podewski (Freie Uni-versität Berlin), in Zusammenarbeit mit der Internationalen Raabe-Gesellschaft e.V. (Braunschweig)

-Abgabetermin Exposés: 31.12.2019

Reisen spielen im Werk Raabes „eine bedeutende Rolle“, werden doch „in 27 Romanen und Erzählungen Reisen geschildert, die die Entwicklung einer prominenten Figur oder die Darstellung eines zentralen Themas beeinflussen“ (Webster 1982, 27). Letzteres soll im Fokus unserer Tagung stehen – und das vor einem mittlerweile stabilen und weiter fleißig ausgebauten Hintergrund: Es ist bereits nachdrücklich herausgearbeitet worden, dass sich die Literatur des Realismus den akuten Modernisierungs- und Beschleunigungserfahren, wie sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu machen sind, durchaus und mit den ihr eigenen Mitteln stellt, dass sie dabei auf vielfältige Weise an Umdeutungen der für ihr Wirklichkeitsverständnis grundlegenden Kategorien ‚Raum‘ und ‚Zeit‘ arbeitet: Die Koordinaten der Welt werden neu zwischen „Metropole, Provinz und Welt“ (Berbig/Göttsche 2013) vermessen, die Wahrnehmung von Erzählinstanzen und Figuren wird mobil(er) und neu justiert, Merkmale der dargestellten Welten, Erzählhaltungen, Figurenkonzepte und Wortmaterial verändern sich. Mit dem Fokus auf Reisen in Raabes Texten wollen wir einen gezielten Blick auf diese aspektereichen Verschiebungen lenken und uns auf die Frage konzentrieren, welche Funktionen die reisende Bewegung eines oder mehrerer Individuen durch explizit benannte, geographische Räume hier hat. Was lässt sich anhand von reisenden Figuren darstellen (und was nicht)? Welche Problemkomplexe sind (nur) in sie eingebaut? Damit geht es uns um den Greifbarkeits- bzw. Konkretheitsindex, um die figurale, geographisch-räumliche und zeitliche Benennbarkeit, mit der der notorische Wandel in Raum-, Zeit-, Realitäts- und Personkonzepten gestaltet wird. 
Und es geht uns dabei auch um den literaturgeschichtlichen Ort dieser ins ‚Reisen‘ eingebauten Konkretisierungsstrategien: Denn für den Vormärz/Biedermeier sind es schließlich gleichfalls Reisebilder – in ihrer intrikaten Engführung von Reise und Bildparadigma (Althaus, Darstel-lungsoptik 2018) – die als die Darstellungsform für Beschleunigungserfahrungen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelten. In der Frühen Moderne dann scheint ein solcher exklusiver Status des Reisens aufgegeben zugunsten anderer bzw. neben weiteren Praktiken, Medien und Techniken, um die herum sich wiederum sich verändernde Raum- und Zeiterfahrungen kristallisieren: Großstadtverkehr, Unterhaltungsindustrie, Psychodynamiken, bewegte Bilder. 

Willkommen sind: 
-Beiträge zur Narratologie und Semiotik des Reisens bei Raabe und/oder seinen Zeitgenossen, mit dem Fokus zum Beispiel auf Begegnungsszenarien, Grenzmodellierungen, Wahrnehmungs- bzw. Aufmerksamkeitskonzepten, Technik- und Medienreflexionen
-vergleichende Studien zu Konzepten des ‚Reisens‘ in realistischer Literatur mit solchen aus Vormärz/Biedermeier und Früher Moderne, auch unter gattungsgeschichtlichem Aspekt (Dominanz der Erzählliteratur, Differenzierung von Prosaformen, steigende Relevanz der Lyrik in der Frühen Moderne)
-Beiträge zum sozial- und buchgeschichtlichen Zusammenhang von Reisen und Literatur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Bitte senden Sie bis zum 31.12.2019 ein kurzes Exposé im Umfang von ca. 300 Wörtern samt einer kurzen wissenschaftlichen Biographie an:
PD Dr. Madleen Podewski, Freie Universität Berlin, madleen.podewski@fu-berlin.de

Zuschüsse zu Reise- und Übernachtungskosten stehen zur Verfügung. Eine Veröffentlichung der Beiträge im „Jahrbuch der Raabe-Gesellschaft“ ist vorgesehen (mit Abgabe der Beiträge Ende 2020).
 


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu