KONF: Die Literatur der ‚Konservativen Revolution‘, Wrocław (05.12. – 07.12.2019)

Joana  van de Löcht's picture

Vom 5. bis 7. Dezember 2019 findet an der Universität Breslau die Tagung „Die Literatur der ‚Konservativen Revolution‘“ statt, welche gemeinsam von Dr. Krzysztof Zarski, Dr. Natalia Zarska (beide Universität Wrocław) und Dr. Joana van de Löcht (Universität Heidelberg) organisiert und durch die Fritz Thyssen Stiftung unterstützt wird.

„Auf die linke Revolution der Eliten folgt eine konservative Revolution der Bürger.“ Diese Aussage von Alexander Dobrindt aus dem Januar 2018 löste einen medialen Aufschrei aus – allzu unbedarft schien der Umgang mit dem belasteten Begriff ‚Konservative Revolution‘. Doch ist diese wortwörtliche Bezugnahme auf radikale Strömungen der 1920er Jahre kein Einzelfall, stattdessen werden in den letzten Jahren immer häufiger Verbindungen zwischen unserer heutigen, von Krisen des Europa- und Nationalgedankens geprägten Zeit zur Weimarer Republik und ihren politischen Verwerfungen gezogen. Unter dem Begriff der ‚Konservativen Revolution‘ werden die antidemokratischen Kräfte versammelt, die sich – trotz teils faschistischer Neigungen – von den Nationalsozialisten abgrenzten. Die erste, den Diskurs bis heute prägende Beschreibung dieser Strömungen unternahm der Schweizer Armin Mohler mit seiner Dissertation „Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932“ (1950), die erstmals Strukturen und Akteure der konservativen Bewegungen in der Weimarer Republik erfasste. Der spätere Mitbegründer der „Neuen Rechten“ fasste hier eine Vielzahl unterschiedlicher politischer Akteure zusammen, die sich als antidemokratische Gegenbewegung zur Weimarer Republik in unterschiedlichen Netzwerken formierten.

Ein häufiger Vorwurf, der gegen den Begriff der ‚Konservativen Revolution‘ hervorgebracht wurde, ist, dass die unter ihm gesammelten Interessensgruppen und Ideen zu divers seien, um sie unter einem übergeordneten Begriff zu vereinen. Den politischen und ideengeschichtlichen Verbindungen wurde aus historischer Perspektive nach Mohler bereits mehrfach nachgegangen (siehe hierzu vor allem die Arbeiten von Stefan Breuer), eine erste Sammlung zu rezeptionsästhetischen Verbindungen liegt mit dem Sammelband „Nietzsche und die Konservative Revolution“ von Sebastian Kaufmann und Andreas Urs Sommer vor, auch machte Milan Horňáček auf literatursoziologische Gemeinsamkeiten aufmerksam. Eine umfassende Untersuchung der ästhetischen und literarischen Verbindungen zwischen den Personen, die von Mohler zur ‚Konservativen Revolution‘ gezählt wurden, steht jedoch noch aus – ein Desiderat, dem die Tagung begegnen will.

Unter vier Schwerpunktthemen will die Tagung die ‚Konservative Revolution‘ nicht nur als politische, sondern auch und vor allem als literarische und ästhetische Bewegung konturieren, die eine eigene Façon des Denkens und Sprechens entwickelte und mittels gemeinsamer Publikationsorgane und -projekte ihr literarisches Netzwerk formierte. Unter dem Begriff der Tradition soll untersucht werden, auf welche literarischen Vorbilder die Vertreter der ‚Konservativen Revolution‘ in ihren Schriften zurückgreifen und wie sie diese aktualisieren. Neben der Aufnahme literarischer Vorbilder soll hier jedoch auch der Rückgriff auf angrenzende Bereiche, wie die Fortsetzung philosophischer, religiöser, mystizistischer oder esoterischer Traditionslinien behandelt werden. Der Bereich Sprache und Medien nähert sich der Ästhetik der ‚Konservativen Revolution‘ über die Frage, welche sprachlichen, rhetorischen aber auch typographischen Neuprägungen, Aktualisierungen und Eigentümlichkeiten sich in den Schriften der ‚Konservativen Revolutionäre‘ entdecken lassen? Der Bereich Medien bildet hier einen Schnittpunkt zum dritten Bereich der Netzwerke, der sich einerseits mit verbindenden Elementen – wie gemeinsamen Verlagen oder Publikationsorganen – beschäftigt, andererseits aber auch eine Verbindung der literarischen Ästhetik zu anderen künstlerischen Ausdrucksformen ermöglicht. Hier soll zudem beleuchtet werden, welche formellen und informellen Austauschmöglichkeiten in Salons und bei Tagungen es gab. Der vierte Bereich schließt hieran insofern an, als dass er nach der Beständigkeit von Netzwerken und literarischen Verfahrensweisen unter den Akteuren der ‚Konservativen Revolution‘ nach Ende des Zweiten Weltkriegs fragt.

Weitere Informationen finden sich auch der Homepage: https://www.literatur-konservative-revolution.de/. Alle Interessierten sind herzlich willkommen, um eine Voranmeldung wird jedoch gebeten (joana.van-de-loecht@gs.uni-heidelberg.de).

Tagungsprogramm:

 

5. Dezember 2019

(Raum: Oratorium Marianum)

16.30 Uhr        Begrüßung (Institutsdirektor und Dekan)

17.00 Uhr        Einleitung durch die Veranstalter.

Eröffnungsvorträge

17.30 Uhr        Alexander Mikhailovsky (NRU “Higher School of Economics” Moskau): The role of the George circle in shaping the Conservative revolution.

18.15 Uhr        Wojciech Kunicki (Universität Wrocław): Resakralisierung der säkularisierten Wirklichkeit innerhalb der ‚Konservativen Revolution‘.

6. Dezember 2019     

(Raum: Sala Nehringa)

Tradition

9.00 Uhr          Milan Wenner (Universität Freiburg): Nietzsche, der „Gründervater“ der Konservativen Revolution? Zur Rolle Nietzsches in Armin Mohlers Die konservative Revolution in Deutschland 1918-1932.

9.45 Uhr          Ewa Szymani (Universität Wrocław): Hölderins Konzept der Innigkeit in der Deutung Martin Heideggers.

10.30 Uhr        Kaffee

11.00 Uhr         Björn Thesing (Universität Heidelberg): „daß das Leben lebbar nur wird durch gültige Bindungen“. Hugo von Hofmannsthals Schrifttumsrede im Lichte neoidealistischer Kulturkritik.

11.45 Uhr        Jens Ole Schneider (Universität Jena): Zwischen Konservatismus und Liberalismus. Thomas Mann in den 20er Jahren.

Netzwerke

12.30 Uhr        Maciej Zakrzewski (Universität Krakow): The conservatism and the revolution. Remarks on the genealogy of the concept of the conservative revolution.

13.15 Uhr        Mittagessen

14.30 Uhr        Alexander Pschera (München) Europäischer Kontext – Die Action française, die Konservative Revolution und die Gegenaufklärung.

15.15 Uhr        Maciej Walkowiak (Universität Poznan): Jahre der Entscheidung. Der preußische Sozialismus bei Oswald Spengler und Ernst Niekisch.

16.00 Uhr        Kaffee

16.30 Uhr        Magdalena Kardach (Universität Poznan): Die ‚neuen‘ Dimensionen der Tradition in der Zeit der ‚Konservativen Revolution‘ in Deutschland – kulturelle Kontexte ästhetischer Faszinationen und literarischer Vorbilder.

17.15 Uhr        Marek Cichocki (Universität Warschau): Jaroslaw Iwaszkiewiczs Erfahrungen mit der ‚Konservativen Revolution‘ in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts.

7. Dezember 2019     

(Raum: Sala Nehringa)

Rezeption

9.00 Uhr          Krzysztof Polechoński (Universität Wrocław): Edwin Erich Dwinger aus polnischer Sicht.

9.45 Uhr          Andrzej Denka (Universität Poznan): Ideelle und ästhetische Spuren der ‚Konservativen Revolution‘ im Werk von Botho Strauß.

10.30 Uhr        Kaffee

11.00 Uhr        Sebastian Kaufmann (Universität Freiburg): Neurechte Rezeption der ‚Konservativen Revolution‘ beim frühen Thomas Mann.

Medien und Sprache

11.45 Uhr        Ulrich Fröschle (TU Dresden): „Die Kamera als politische Waffe“ – Fotobücher als Medien der ‚Konservativen Revolution‘?

12.30 Uhr        Milan Horňáček  (Universität Olmütz): Politik der Sprache in der ‚konservativen Revolution‘. Versucher einer Bestandsaufnahme.

13.15 Uhr        Mittagessen

14.30 Uhr        Sandro Gorgone (Universität Messina): Die Begriffe ‚Natur‘ und ‚Wildnis‘ in der ‚Konservativen Revolution‘.

15.15 Uhr        Albert Eibl (Universität Wien): Ernst Jüngers „Abenteuerliches Herz“ im Spiegel der ‚Konservativen Revolution‘.

16.00 Uhr        Kaffee

16.30 Uhr        Abschlussdiskussion


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu