CFP: „Eins zu eins ist jetzt vorbei“ – Popschreibweisen seit 2000, Bamberg (15.12.2019)

Antonius Weixler's picture

„Eins zu eins ist jetzt vorbei“ – Popschreibweisen seit 2000

Konferenz: 23. bis 25. September 2020, Otto-Friedrich-Universität Bamberg.
Deadline für Exposés: 15. Dezember 2019

Das Verhältnis der künstlerischen Felder zueinander, das Neben- und Ineinander ihrer Logiken und Geschichten, ist gleichermaßen interessant und schwer zu vermessen. Zwei fast zeitgleiche Momentaufnahmen mögen das illustrieren: Während Matthias Politycki in der Folge von Nine-Eleven (wie das etablierte Geschichtszeichen für die Anschläge vom 11.9.2001 lautet) einen ‚Relevanten Realismus‘ forderte und sich gegen eine „nur selbstreferenzielle Literatur“ mit ihren „solipsistischen Selbsterkundungen“ wendete, sangen Tocotronic auf ihrem ‚Weißen Album‘: „Eines ist jetzt sicher / eins zu eins ist jetzt vorbei“. Während in der Folgezeit im literarischen Feld tatsächlich ein neuer Realismus reüssierte (man blicke nur auf die ersten Buchpreisgewinner), wendeten sich die vormaligen Hamburger Schüler von ihrer Sturm- und Drang-Phase im Zeichen juvenilen Protestes gegen die herrschenden Zustände ab und ihrer Kunstphase zu, die bis heute andauert. Auch Blumfeld, um von vielen möglichen Beispielen nur noch ein weiteres zu nennen, hatten ihr Testament der Angst zu diesem Zeitpunkt schon geschrieben, und der „Apfelmann“ war von hier aus nicht mehr fern.

Während die Schreibweisen im literarischen Feld seit der Jahrtausendwende vielfach untersucht wurden, sind die zumindest historisch parallellaufenden Popschreibweisen vergleichsweise wenig ausgeleuchtet. Hier setzt unsere Tagung an: Gesucht werden 
1) Beiträge zum Wechselverhältnis zwischen den Feldern von Literatur und Popmusik, zu produktiven Grenzübergängen sowie Asynchronitäten; 
2) zu Themen, die analog für andere Felder (Literatur, Kunst, Soziologie, Politik, Geschichte, Wirtschaft etc.) schon untersucht wurden, nicht oder kaum aber für den popmusikalischen Diskurs, obwohl sie dort eine mindestens ebenso große Rolle bei den Formationsprozessen, in Sicht auf Poetik bzw. ästhetische Sinnbildung, spielen.

Denkbar sind von hier aus Vorschläge u.a. zu folgenden Komplexen, die gerne um weitere Themen ergänzt werden können. 

  • Inwiefern erfüllen Popschreibweisen eine soziale und informationsdiskursive Funktion von „Wirklichkeitserzählungen“ (Klein/Martínez 2009)? Mit welchen lyrischen und/oder narrativen Strategien wird versucht, eine faktual-diskursive Relevanz zu erzeugen?
  • Pop ist und war schon immer ein besonders vielfältiges Spielfeld von Genderdiskursen. Auf welche Art und Weise werden in den Popschreibweisen seit 2000 die dominanten Diskurse von Gender (aber auch der anderen intersektionalen Kategorien Race, Class, Age etc.) reflektiert, dekonstruiert oder gerade reproduziert? 
  • Pop will/muss authentisch sein!? Als Reaktion auf Nine-Eleven wird besonders häufig eine Rückkehr von Authentizität konstatiert, mal als Signum eines Endes der Postmoderne (vgl. u.a. Foster 1996, Bennett 2010, Haselstein/Gross/Snyder-Körber 2010), mal als ein bloß noch metadiskursiv herzustellendes Phänomen (vgl. Weixler 2012).
  • Durch welche innovativen ästhetischen Verfahren schreiben sich Popschreibweisen seit 2000 in politische Diskurse ein und setzen so die Forderung nach einem „relevanten Realismus“ um? 

Erwünscht sind sowohl exemplarische Fallstudien als auch theoretisch ausgerichtete Beiträge. Exposés (max. 2.500 Zeichen) bitte per E-Mail an alle vier Veranstalter werden bis zum 15. Dezember 2019 erbeten. Eine Übernahme der Reisekosten ist angestrebt. Die Beiträge der Tagung werden anschließend in einem Band der Reihe Kontemporär. Schriften zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur (Reihenherausgeber Christian Klein/Matias Martinez, Metzler Verlag) veröffentlicht.

Prof. Dr. Christoph Jürgensen
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
christoph.juergensen@uni-bamberg.de

Dr. Denise Dumschat-Rehfeldt
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
denise.dumschat-rehfeldt@uni-bamberg.de

Dr. Stefan Neumann
Bergische Universität Wuppertal
stneumann@uni-wuppertal.de

Dr. Antonius Weixler
Bergische Universität Wuppertal
weixler@uni-wuppertal.de

________________________________________________________________________________________________________________

Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Lukas Büsse] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu