CFP: Verlängerung: Grillparzer im 21. Jahrhundert: Transnationale Perspektiven (15.12.2019)

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Verlängerung: Call for Papers:

Grillparzer im 21. Jahrhundert: Transnationale Perspektiven

Hgg. Birthe Hoffmann (Kopenhagen) und Brigitte Prutti (Seattle)

 

Wer Grillparzer erst einmal unter die Haut bekommen hat seinen Sinn für den Menschen in seiner paradoxen Vielschichtigkeit und Wandelbarkeit, als körperliches, sinnliches, geistiges Wesen zwischen Barbarei und Humanität, seine scharfsinnige Analyse von Machtstrukturen, von zwischenmenschlichen und interkulturellen Dynamiken, seine gebrochene poetische Sprache und facettenreiche Theatralik – die muss sich immer wieder über seine relative Unbekanntheit und fehlende heutige Rezeption wundern. Der Status eines österreichischen Klassikers, mit dem impliziten oder expliziten Auftrag von Identitäts- und Sinnstiftung durch die vielen Krisen der Monarchie und der beiden österreichischen Republiken, scheint seinem Werk und seiner Wirkung eher abträglich gewesen zu sein, als hätte die Vereinnahmung für diverse identitätspolitische Zwecke den armen Grillparzer in die Remise geführt statt in jene Zukunft, die ihn eigentlich erst hätte einholen müssen. Der 150. Todestag naht, und der namensgebende Hausherr des Österreichischen Literaturmuseums wird sich in den nächsten Jahren wieder feiern lassen müssen oder dürfen im Dienste einer sich selbst glorifizierenden österreichischen Festkultur, der es nach wie vor an einer handlichen neuen Grillparzer-Ausgabe mangelt.

Wir wollen das Werk Grillparzers von der Gegenwart her neu lesen – im Zeichen einer transnationalen Literaturwissenschaft, die den Blick auf das Interessante, das Aktuelle, Unzeitgemäβe und Problematische in Grillparzers OEuvre eröffnet, das mit dem Klassikerprädikat und mit den dadurch bezeichneten Traditionslinien und Affiliationen in der Regel nicht zu erfassen ist. Dabei soll der spezifisch österreichische und habsburgische Kontext seines Werkes weder marginalisiert werden noch als primärer und einziger Verständnisrahmen und Argumentationshorizont aufgestellt werden – wir erwarten vielmehr, dass über die Wahl von vielfältigen und ungewöhnlichen Anknüpfungspunkten vor allem jene Aspekte von Grillparzers OEuvre kritisch und anregend zur Diskussion gestellt werden können, die es unter transnationaler und -kultureller Perspektive auch heute wieder oder noch immer interessant machen. Dadurch hoffen wir das große Potenzial dieses Autors neu zu entfalten und den Kreis derer, die sich von ihm berühren, faszinieren und irritieren lassen, zu erweitern.

Was wir planen, ist ein spannender und lesenswerter Grillparzer-Band -- mit 8-12 Beiträgen in Artikellänge von je circa 20-25 Seiten, auf Deutsch oder Englisch, von angehenden und etablierten ForscherInnen, zu neuen Aspekten der Lektüre, aber auch zu denen der Dramaturgie, Aufführungspraxis und Übersetzung. Wenn Sie Interesse haben, zu dem vorgeschlagenen Projekt beizutragen, dann schicken Sie uns bitte ein Exposé Ihres geplanten Aufsatzes (500 Worte) und Ihre knappe biographische Information (250 Worte) bis zum 15. Dezember 2019 an die beiden folgenden Email Adressen: hoffmann@hum.ku.dk und triest@uw.edu Wir werden uns bis zum Jahresende 2019 zur weiteren Planung mit Ihnen in Verbindung setzen.

 

Mit freundlichen Grüβen,

Birthe Hoffmann Brigitte Prutti

Department of English, Department of Germanics

Germanic and Romance Studies University of Washington, Seattle

University of Copenhagen

hoffmann@hum.ku.dk triest@uw.edu


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Johannes Schmidt] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

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