KORREKTUR CFP: Mediale Signaturen von Überwachung und Selbstkontrolle, Łódź (08.12.2019)

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KORREKTUR CFP: Mediale Signaturen von Überwachung und Selbstkontrolle, Łódź (08.12.2019)

by Torsten Erdbrügger 

KONF: Mediale Signaturen von Überwachung und Selbstkontrolle, Łódź (24.-26.09.2020)

Überwachung hat in Zeiten des digitalen und ‚user generated capitalism‘ offenkundig eine neue Qualität gewonnen. User geben immer mehr Freiheiten auf und private Daten freiwillig an staatliche wie private Überwa-chungsmaschinerien ab, deren Konvergenz zu diagnostizieren ist. So konstatiert Timo Daum, Experte für IT und digitale Ökonomie: „Fünf Milliarden Menschen benutzen Smartphones und generieren einen nicht enden wollenden Strom an Daten – das Gold des Digitalen Kapitalismus. Auch die Daten, die von Googles Such-Robotern unermüdlich durchforstet werden, haben wir alle selbst erstellt“. Die Frage, was mit den gesammelten personenbezogenen Daten passiert und wem sie dienen, hat offenkundig auch in der Kunst ihren Niederschlag gefunden, wie nicht zuletzt der aktuelle Boom literarischer Dystopien von Dave Eggers bis Juli Zeh, von Sibylle Berg bis Bijah Moini belegt. Augenfällig sind die Ambivalenzen, die diesem neuen Panoptismus eingeschrieben sind, der in der digitalen Ökonomie ganz neue Qualitäten bekommt. Dieser Wandel von Kontrolle und Selbstkontrolle ist nicht vom Wandel der Kommunikationsmedien, die Kontrolle ermöglichen und in ein freiheitliches Gewand kleiden, zu trennen. Das Phänomen von (Selbst-)Überwachung changiert zwischen einer auf Kommunikation und Kommentar angelegten Zurschaustellung der eigenen Person in ‚sozialen‘ Netzwerken, die ein Selbstpanoptikum provozieren, und wird paradoxerweise von einem gesteigerten individuellen Sicherheitsbedürfnis flankiert. Damit wird Unsicherheit zum zentralen Antriebsmotor eines Handelns, das in Praktiken der Selbst-Versicherung qua Selbstoptimierung und -kontrolle mündet. Somit scheint das Subjekt der Gegenwart von verschiedenen Seiten panoptisch in die Zange genommen zu werden: Von staatlicher und privatwirtschaftlicher Seite sowie nicht zuletzt von sich selbst.
Die uns interessierende Frage ist, ob sich ein solcher Überwachungsmedienwandel literatur-, kultur- und medienwissenschaftlich nachzeichnen lässt. Es liegt auf der Hand, dass im historischen Querschnitt die Medien, mit deren Hilfe Kontrolle ausgeübt wird, in der Kunst unterschiedliche Erzähl- und Darstellungsweisen provozieren. Zu überprüfen ist deshalb, ob dem Medienwandel auf Seiten der Überwachungstechnologien auf dem Gebiet der Kunst ein Medienwechsel oder eine veränderte Mediennutzung folgt.
In Fortsetzung unserer Essener Tagung von 2018, deren Beiträge inzwischen im Band Orwells Enkel. Überwachungsnarrative (Bielefeld 2019) vorliegen, möchten wir uns vom 24. bis 26. September 2020 an der Universität Łódź die Frage stellen, wie sich Überwachung historisch von Kontrolle in Selbstkontrolle übersetzt hat, welcher Stellenwert diesem Phänomen innerhalb der Lebens- und Arbeitsweisen der Gegenwart zukommt und wie die Künste auf diesen (Medien-)Wechsel reagieren.
Dazu möchten wir insbesondere Kultur-, Literatur- und MedienwissenschaftlerInnen auffordern, sich mit einschlägigen Themenvorschlägen bei uns zu melden. Ausdrücklich erwünscht sind neben Einzelanalysen Vorschläge, die sich der Thematik aus einer diachronen, komparatistischen oder interdisziplinären Perspektive annähern. Die Tagungssprache ist Deutsch. Wir streben eine Teilfinanzierung der Veranstaltung für Unterkunft und Verpflegung in Łódź an, Reisekosten müssen jedoch selbst getragen werden. Eine zeitnahe Publikation der begutachteten Beiträge ist geplant.


Wir freuen uns auf ein Abstract (ca. 300 Wörter) und eine kleine bio-bibliographische Angabe bis zum 08.12.2019. Bitte senden Sie Ihren Vorschlag an alle drei VeranstalterInnen:
Dr. Liane Schüller (liane.schueller@uni-due.de), Prof. Dr. Werner Jung (werner.jung@uni-due.de), Germanistisches Institut der Universität Duisburg-Essen und  Torsten Erdbrügger (torsten.erdbruegger@uni.lodz.pl), Instytut Filologii Germańskiej, Uniwersytet Łódzki.

 

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