CFP: Verlängerte Deadline: Baltische Erzähl- und Lebenswelten. Kultur-, literatur-, translations- und sprachwissenschaftliche Aspekte, Tallinn (1.11.2019)

Antje Johanning-Radziene's picture

Baltische Erzähl- und Lebenswelten.
Kultur-, literatur-, translations- und sprachwissenschaftliche Aspekte.

Universität Tallinn, 17.-20.09.2020

Erzähl- und Lebenswelten bedingen einander. Wie das Leben ist das Erzählen als solches universell. Es wurde schon immer und überall erzählt. Die Erzählung ist mithin, wie bereits Roland Barthes formuliert hat, „international, transhistorisch, transkulturell, und damit einfach da, so wie das Leben“ (Barthes 1988, 102). Erzählungen erschaffen dabei Welten, die mehr oder minder auf die reale Lebenswelt Bezug nehmen, wie auch diese ihrerseits von den in Erzählungen vermittelten Welten geprägt ist.

Das Baltikum – aus historischer Sicht seit der frühen Neuzeit die ehemaligen Ostseeprovinzen Livland, Estland und Kurland bzw. aus heutiger Perspektive die drei Staaten Estland, Lettland und Litauen – bietet für die Erforschung von Erzähl- und Lebenswelten eine besonders reichhaltige und vielfältige Basis. Die gelebte Mehrsprachigkeit, die häufigen Herrschaftswechsel und der Kampf um politische Geltung, die sich auch in der Kultur manifestierte, geben der Region eine besondere Prägung. Somit kann das Baltikum als ein Kulturraum angesehen werden, der es erlaubt, sowohl die Verschränkung von Leben und Erzählen theoretisch in den Blick zu nehmen als auch exemplarische Einzelaspekte der Kultur, Literatur, Geschichte und Sprache zu untersuchen. Insbesondere interessieren uns dabei Transferprozesse, Mehrsprachigkeit, Sprach- und Kulturkontakte, aber auch die Auseinandersetzungen mit dem hegemonialen Mit- und Gegeneinander der verschiedenen Kulturen und Religionen im Baltikum.

Nach den Baltischen Bildungsgeschichten 2016 will die Tagung Baltische Erzähl- und Lebenswelten. Kultur-, literatur-, translations- und sprachwissenschaftliche Aspekte 2020 erneut ein Forum bieten, um sich über den Stand der Forschung über das Baltikum in interdisziplinärer Weise zu verständigen. Sie richtet sich daher sowohl an Germanistinnen und Germanisten, die sich mit (vergleichender) Literatur- und Sprachwissenschaft, Translationswissenschaft oder Didaktik befassen, als auch an Vertreterinnen und Vertreter der Geschichtswissenschaft und Baltistik (Lettische, Estnische, Litauische Philologie), der Philosophie, Ethnologie und der Kunst- und Musikwissenschaften, die sich mit der Kultur, Literatur, Geschichte und Sprache des Baltikums beschäftigen. Dabei soll speziell auch dem wissenschaftlichen Nachwuchs in den genannten Disziplinen ein Forum zur Präsentation von Forschungsergebnissen sowie zum interdisziplinären Austausch geboten werden. Die Abstracts können sich an folgenden übergeordneten Sektionsthemen orientieren:

- Narratologische Aspekte der Verschränkung von Erzähl- und Lebenswelten;
- Fakten und Fiktionen in der baltischen Geschichtsschreibung;
- Historische und aktuelle Narrative zur Konstruktion nationaler Identität;
- Die ’Erfindung’ des Anderen: Völkernarrative und ihre Wirkung;
- (Baltische) Erzähl- und Lebenswelten in der bildenden Kunst;
- Erzählen in der Musik – Erzählen über Musik;
- Erzählte Lebenswelten in Lehrbüchern (Geschichte, Deutsch u.a.);
- Baltische Sprachwelt(en): historische und aktuelle Sprachkontakte;
- Nationale und kulturelle Images in der Übersetzung;
- Übersetzer als kulturelle Vermittler;
- Mehrsprachigkeitsstrukturen und -diskurse.

Abstracts für Vorträge von max. 2.000 Zeichen werden erbeten bis zum 1. November 2019.
Arbeitssprache: Deutsch
Veranstaltungsort: Universität Tallinn
Konferenzgebühr: 70 Euro

Organisiert wird die Tagung von der Germanistischen Institutspartnerschaft Marburg – Daugavpils – Kaunas – Tallinn, in Zusammenarbeit mit dem DAAD, der Universität Tartu und der Estnischen Musik- und Theaterakademie. Wir bemühen uns um Zuschüsse zur Deckung von Reise- und Aufenthaltskosten. Es wäre jedoch gut, wenn die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihrerseits versuchen würden, die Reisekosten über ihre Institute oder andere Quellen zu organisieren. Ausgewählte Beiträge werden in einem Sammelband publiziert.
Organisationsteam: Maris Saagpakk, Ulrike Plath (Universität Tallinn), Heinrich Kaulen (Philipps-Universität Marburg), Antje Johanning-Radžienė (Herder-Institut Marburg), Rūta Eidukevičienė (VMU, Kaunas), Valentina Talerko (Universität Daugavpils), Jaan Undusk (Under und Tuglas Literaturzentrum der Estnischen Akademie der Wissenschaften), Terje Loogus (Universität Tartu), Kristel Pappel (Estnische Musik- und Theaterakademie), Heiko F. Marten (DAAD-IC Riga).

Kontakt: Maris Saagpakk – saagpakk@tlu.ee

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Mark-Georg Dehrmann] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu