ANK: Workshop: Literatur digital erforschen mit CATMA, Saarbrücken (25.09.2019)

Jan Horstmann's picture

Sie annotieren, analysieren und interpretieren Zeitphänomene in literarischen Texten? In diesem Workshop, der keine technischen Kenntnisse voraussetzt, vermitteln wir anhand von Thomas Manns früher Novelle Der Tod (1897), wie diese Arbeit mit CATMA (Computer Assisted Text Markup and Analysis; https://catma.de) digital unterstützt werden kann – und das sogar teilweise automatisiert.

CATMA ist ein kostenfrei nutzbares Online-Tool, das international in über 60 Forschungsprojekten eingesetzt und aktuell von ca. 12.000 Forscher*innen verwendet wird. Die im Rahmen des DFG-Projektes forTEXT (https://fortext.net) an der Universität Hamburg entwickelte Version 6.0 bietet eine intuitiv verständliche Oberfläche, mit der man im Handumdrehen Texte annotieren und analysieren lernt. CATMA unterstützt dabei

  • individuelle wie kollaborative Annotation und Analyse – Texte können privat, aber auch im Team erforscht werden;

  • explorative, non-deterministische Praktiken der Textannotation – CATMA liegt ein diskursiver, diskussionsorientierter Ansatz zur Textannotation zugrunde, der auf die Forschungspraktik hermeneutischer Disziplinen zugeschnitten ist;

  • die nahtlose Verknüpfung von Textannotation und -analyse in einer webbasierten Arbeitsumgebung – Analyse und Interpretation gehen nach dem Prinzip des ‘hermeneutischen Zirkels’ in CATMA damit Hand in Hand.

Von linguistischen Textanalysetools unterscheidet sich CATMA insbesondere durch seinen „undogmatischen” Ansatz: Das System schreibt weder definierte Annotationsschemata oder -regeln vor, noch erzwingt es die Verwendung von starren Ja-/Nein- oder Richtig-/Falsch-Taxonomien. Wenn eine Textstelle mehrere Interpretationen zulässt (wie es in Der Tod bei der Repräsentation von Zeit der Fall ist), ist es in CATMA daher möglich, mehrere und sogar widersprechende Annotationen zu vergeben und so der Bedeutungsvielfalt des Textes Rechnung zu tragen. Mit dem sog. Query Builder können Sie außerdem Schritt für Schritt Textanalysen durchführen, die Ergebnisse visualisieren und diese für Ihre literaturwissenschaftliche Interpretation nutzen.

Ziel des Workshops

Im Workshop werden wir den Arbeitsablauf der digitalen Texterforschung praktisch kennenlernen:

  • analytische Textexploration: Zeit als Thema und Motiv (30 Minuten)

  • manuelle und automatische Annotation und Spezifikation von Annotationskategorien zur Zeitrepräsentation (40 Minuten)

  • kombinierte Abfragen von Annotations- und Textdaten (30 Minuten)

  • visuelle Darstellung von Abfrageergebnissen (20 Minuten)

Teilnehmer*innen bringen ihren eigenen Laptop mit, der mit dem Internet verbunden ist (Achtung: Touch-Devices werden derzeit noch nicht unterstützt). Am Workshop können bis zu 30 Personen teilnehmen – eine Voranmeldung ist nicht nötig (und im Rahmen des 26. deutschen Germanistentages auch nicht möglich).

Referent*innenliste

Prof. Dr. Jan Christoph Meister (jan-c-meister@uni-hamburg.de)

Dr. Jan Horstmann (jan.horstmann@uni-hamburg.de)

Dipl. Inform. Marco Petris (marco.petris@uni-hamburg.de)

Marie Flüh, M.Ed. (marie.flueh@uni-hamburg.de)

Zeit und Ort

Mittwoch, 25.9.2019, 10:30–12:30 Uhr;
Universität des Saarlandes Saarbrücken, Gebäude B4 1, Raum 0.25


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Johannes Schmidt] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu