CFP: Kanon 4.0 - Aussiger Beiträge 14 (30.10.2019)

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Aussiger Beiträge 14 (2020)

Germanistische Schriftenreihe aus Forschung und Lehre

Hrsg. vom Institut für Germanistik an der Philosophischen Fakultät

der Jan-Evangelista-Purkyně-Universität in Ústí nad Labem (Tschechien)

in Zusammenarbeit mit dem Praesens Verlag in Wien

http://ff.ujep.cz/ab/

 

Seit 2013 in der internationalen Datenbank Scopus gelistet.

ISSN 1802-6419

 

 

 

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

 

im Namen des Redaktionsrates der Aussiger Beiträge laden wir Sie herzlich ein, sich mit einem Forschungsbeitrag an unserer 14. Ausgabe zu beteiligen.

Die Aussiger Beiträge sind eine internationale Fachzeitschrift, die sich in den letzten Jahren unter den germanistischen Schriftenreihen des In- und Auslands erfolgreich positionieren konnte. Vorrangiges Ziel der Herausgeber ist es, eine Zeitschrift mit möglichst hohem Gebrauchswert vorzulegen, ein Periodikum, das neue Impulse zu aktuellen Debatten und Diskussionen gibt. Dementsprechend richtet sich das maßgebliche Interesse unserer Zeitschrift sowohl auf innovative wissenschaftliche als auch lehrpraktische Bezüge im Bereich der Literatur, Linguistik, DaF-Didaktik und Kulturgeschichte. Darüber hinaus finden Rezensionen wichtiger germanistischer Publikationen sowie relevante Tagungsberichte ihren angemessenen Ort in den Aussiger Beiträgen.

 

Das Thema der nächsten, literaturwissenschaftlich ausgerichteten Ausgabe Jg. 14 (2020) lautet Kanon 4.0“.

 

 

 

Call for Papers

Kanon 4.0

 

 

Die Frage nach dem literarischen Kanon, seiner Funktion und seiner Bedeutung berührt immer wieder und aufs Neue zentrale Aspekte der Literaturwissenschaft.  In der Kanondiskussion stellt sich auch die Frage nach sich wandelnden Wertungen, nach Ausschlussprozessen und ihren (außerliterarischen und systemimmanenten) Ursachen, und es geht immer auch um den Bestandteil des kulturellen Gedächtnisses. Über Kanonisierung nachzudenken, bedeutet aber auch, Fragen nach Macht zu stellen und das Verhältnis von Zentrum und Peripherie in den Blick zu nehmen.  Diese konstituierenden Elemente sind ständigen Veränderungen unterworfen, die Kanonbildung ist unabschließbar, die faktische Auflösung eines verbindlichen Kanons hat weitreichende Folgen. Diese vielfältigen Mechanismen zu analysieren und ihre Wirkmächtigkeit zu diskutieren, soll der Schwerpunkt der Aussiger Beiträge 14 unter dem Titel „Kanon 4.0“ sein. Zwei Themen, die wir in diesem Zusammenhang besonders berücksichtigen wollen, sind die Vermittlungsfrage im Kontext von Bildungsinstitutionen einerseits und die Frage der Digitalisierung und Ökonomisierung von Literatur- und Wissensbeständen sowie deren Konsequenzen andererseits.

An den Schulen kommen literarische Texte zunehmend in Bedrängnis. Sie sind optionaler Gegenstand eines Curriculums, in dem die Literatur ein Thema unter anderen darstellt.  Vollständige Texte zu vermitteln ist in vielen Schulen kaum mehr möglich. Noch weniger kann von einem gemeinsamen Kanon an Germanistikinstituten im In- und Ausland ausgegangen werden und es stellt sich auch hier verstärkt im Studium die Frage, was gelesen werden soll – nicht zuletzt auch im Hinblick darauf, ob es sich um ein germanistisches philologisch ausgerichtetes Studium oder die Lehramtsausbildung handelt. Vom besonderen Interesse sind folgende Fragestellungen:

  • Sollen mehr oder weniger ungeliebte „Klassiker“ auf dem Plan stehen? Oder soll der literarische Text entsprechend gewandelter Mediennutzung sein Refugium in Popsongs, Fan-Zines oder in Poetry Slams bekommen?
  • Wie erweitert sich das Gattungs-Spektrum in diesem Zusammenhang, wie sind Text-Bild-Bestände aus dieser Perspektive verfügbar und analysierbar zu machen?
  • Egal, ob offizieller oder „heimlicher“ Kanon: inwiefern kann überhaupt noch von einem Kanon gesprochen werden? Finden hier nicht Rückzugsgefechte von DeutschlehrerInnen und LiteraturwissenschaftlerInnen statt, die auf etwas bestehen, das längst seine Basis – nämlich ein bürgerliches Subjekt, das sich u.a. durch die Vertrautheit mit einem Bildungskanon definiert – verloren hat? Gibt es überhaupt einen Bedarf nach einem einenden Wissen?

Im Rahmen der Überlegungen zu „Kanon 4.0“ soll aber auch berücksichtigt werden, dass gerade die medialen und technologischen Entwicklungen wieder einer Kanonidee Vorschub leisten. In den „Digital Humanities“ werden elektronische Editionen erarbeitet, die als (Forschungs)Ressource über Datenbanken Fachleuten und interessierten Laien zur Verfügung stehen sollen. In diesem Zusammenhang ergeben sich vor allem folgende Fragen:

  • Geht es hier um mehr als nur um digitale Konservierung? Wie wird festgelegt, was aus Gründen kultureller und historischer Vermittlung Teil eines digitalen Kanons werden soll, bzw. wie es erfasst, bearbeitet und kommentiert wird?
  • Wie wirkt sich die technische Möglichkeit von Big Data, die „Millionen-Bücher-Situation“ (Gerhard Lauer 2013) auf das Konzept Kanon aus? Was bedeutet es für die Literatur und für die Auseinandersetzung mit literarischen Texten, wenn z.B. Google die Verfügbarkeit von Digitalisaten vorgibt?
  • Welche Auswirkungen hat es, wenn quantitative Verfahren (Datenbankauswertungen) oder ökonomische Interessen (z.B. Bestseller-Rankings) die Sichtbarkeit literarischer Texte vorgeben?

Wir bitten um Beitragsvorschläge, die sich mit diesen und weiteren aktuellen Aspekten der Kanonisierung und der Kanondebatte befassen. Besonders willkommen sind Beiträge zur Wirkung von Kanon-Interventionen (z.B. die Sichtbarmachung von Autorinnen oder von Angehörigen marginalisierter Gruppen), zur Erweiterung des Gattungsspektrums (z.B. Graphic Novel) und zur Relevanz eines Kanons aus literaturdidaktischer Sicht.

Beitragsangebote bitten wir in Form eines aussagekräftigen Abstracts (Umfang max. 2000 Zeichen) bis spätestens 30. Oktober 2019 an die Redaktionsadresse abredaktion@ujep.cz einzureichen.

Der Redaktionsrat der Aussiger Beiträge wird bis zum 15. Dezember 2019 über die Annahme entscheiden und die Beiträger/innen über seine Entscheidung per E-Mail umgehend informieren. Die druckfertigen Beiträge werden bis zum 31. März 2020 erwartet.

Wir hoffen, mit diesem CfP Ihr Interesse geweckt zu haben, und verbleiben mit freundlichen Grüßen

 

 

Renata Cornejo, Susanne Hochreiter und Karin S. Wozonig

Herausgeberinnen der AB 14 (2020)

i.A. des Redaktionsrates der Aussiger Beiträge

 

Ústí nad Labem, 1. September 2019

 


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Johannes Schmidt] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

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