CFP: Der Kinematograph des Textes rattert: Intermediale Reflexivität in Literatur und Film der Gegenwart (12.10.2019)

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Der Kinematograph des Textes rattert: Intermediale Reflexivität in Literatur und Film der Gegenwart (Konferenz KU Eichstätt, 16.-18.09.2020)

 

In Literatur und Film der Gegenwart sind intermediale Bezüge, welche über die eigene Medialität und diejenige anderer Medien reflektieren, weit verbreitet. Thomas Metten und Michael Meyer sprechen sogar von einer „Normalität der medialen Reflexion seit den 1990er Jahren“ (2016, 26). Diese Normalität gründet zum einen darin, dass Reflexion und Selbstreferenz als herausragende Merkmale der Moderne und Postmoderne gesehen werden (Rohde 2013, 9); zum anderen entwickelt sich im „Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit“ (Metten/Meyer 2016, 37) durch die ständig wachsende Verfügbarkeit des literarischen und filmischen Materials ein breites Spektrum von Praktiken der Bezugnahmen (Withalm 1992, 220; Fehrmann/Linz/Schumacher/Weingart 2004, 7). Metten und Meyer zählen dazu einerseits Praktiken der Wiederaufnahme vorhandenen ästhetischen Materials, wie die einfache Wiederholung, aber auch Collage, Found Footage, Remake und Parodie sowie andererseits explizite Formen der Übernahme wie das Zitat (Metten/Meyer 2016, 37). Auch Annette Simonis geht für die Jahrtausendwende von einer kulturellen Umbruchsituation aus, in der sich eine „Ästhetik der Intermedialität und des medialen Spiels“ mit einer „Rückkehr zur Buchkultur im Medium des Films“ verbindet (Simonis 2010, 12, 47).

Insbesondere reflektierte Formen der intermedialen Bezugnahme und der Medienkombination (Rajewski 2002) zielen auf eine Reflexion des Mediums in seiner Medialität. In Christian Krachts Roman Imperium (2012) – der eigentlich ein Film oder zumindest das Protokoll eines Films ist (Birgfeld 2012, 467) – heißt es, dass der Kinematograph „unsere Wirklichkeit exakt so dinglich machen konnte, wie sie geschah, zeitlich kongruent, als sei es möglich, ein Stück aus der Gegenwart herauszuschneiden und sie für alle Ewigkeiten als bewegtes Bild zwischen den Perforationen eines Zelluloidstreifens zu konservieren“ (Kracht 2012, 66). Insofern reflektieren Medien anhand der Bezüge auf andere Medien sowohl ihre eigenen Potentiale und Grenzen als auch die der anderen Medien sowie ihre diachrone Entwicklung (Metten/Meyer 2016, 38). Dieses Moment kann mit dem Begriff der Remediation von Jay David Bolter und Richard Grusin gefasst werden, bei dem sich jedes Medium erst durch den Bezug auf ein anderes definiert und Medien einander gegenseitig umgestalten (Bolter/Grusin 2000, 45, 50). Medien fungieren somit als Medien der Beobachtung anderer Medien und konstituieren deren Identität und Stellung mit (Metten/Meyer 2016, 39). Sie reflektieren damit wesentlich die gegenwärtigen Medienkulturen. Damit eine solche intermediale (Selbst-)Reflexion erkennbar wird, müssen in der einen Medialität verschiedene andere Formen von Medialität ausgestellt (Kirchmann/Ruchatz 2014, 15, 22) und ein Nachdenken über wechselseitige Bezugnahmen angeregt werden (Wolf 2017, 36). Durch das Moment der (Selbst-)Reflexion können intermediale Bezüge metaisierend werden und sich vom Paradigma der realistischen Fiktion absetzen. Unter Metaisierung versteht Werner Wolf „das Einziehen einer Metaebene in ein Werk, eine Gattung oder ein Medium, von der aus metareferentiell auf Elemente oder Aspekte eben dieses Werkes, dieser Gattung oder dieses Mediums als solches rekurriert wird“ (Wolf 2007, 31).

Romane der Gegenwartsliteratur wie Christian Krachts Imperium (2012) oder Die Toten (2016), Thomas Lehrs September. Fata Morgana (2010), Benjamin Steins Replay (2012) oder Thomas von Steinäckers Geister (2008) nehmen Bezug auf das Medium Film und Filme nach 2000 wie Stranger Than Fiction, Marc Forster, (USA 2006), Adaptation, Spike Jonze, (USA 2002), A Cock and Bull Story, Michael Winterbottom (GB 2006) oder Atonement,Joe Wright, (GB 2007) beziehen sich metafiktional auf das Medium Literatur und eröffnen damit intermediale Reflexionsräume zwischen Literatur und Film.

Die Konferenz fragt nach den Formen und Funktionen von intermedialer Reflexivität zwischen Literatur und Film der Gegenwart: Wie positionieren sich Literatur und Film je einzeln und zueinander neu angesichts des digitalen Umbruchs? Inwiefern bilden sie „mediale Collagen“ (Hagen 2004) mit anderen Medien? Welche Rolle sollen die verschiedenen Medien in der Gesellschaft einnehmen? Dienen Literatur und Film als Gedächtnismedien (Gymnich 2007, 152)? Wie sind sie innerhalb des Trends zu unzuverlässigem, metaisierendem und verstörendem Erzählen einzuordnen (Schlickers 2015)? 

 

Vorbehaltlich der Mittelzusage können Reise- und Übernachtungskosten übernommen werden. Eine Publikation der Beiträge in einem Sammelband ist geplant. 

Bitte senden Sie Ihr Exposé (max. 1 Seite) für einen Vortrag (30 min.) sowie eine Kurzbiografie bis zum 12.10.2019 an Isabelle.Stauffer@ku.de und Corinna.Dziudzia@ku.de.

 

Contact Info: 

Prof. Dr. Isabelle Stauffer 

Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Universitätsallee 1

85072 Eichstätt

Contact Email: 

Corinna.dziudzia@ku.de

URL: 

https://www.ku.de/slf/germanistik/neueredeutschlitwi/prof-dr-isabelle-stauffer/

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