KONF: Annäherungen an die „Innenwelt“ des Menschen. Diagnosen und Therapien des Seelischen (in) der Literatur um 1800, Danzig (14.-15.11.2019)

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Forschungsstelle für die deutsche Literatur der Romantik, ihre Quellen und Rezeption

am Institut für Germanistische Philologie der Universität Gdańsk lädt zu einer internationalen wissenschaftlichen Konferenz ein.

 

Annäherungen an die „Innenwelt“ des Menschen.

Diagnosen und Therapien des Seelischen (in) der Literatur um 1800

Gdańsk, 14. - 15. November 2019

 

Seit der Epoche der Empfindsamkeit rückt das „Seelenleben“ in der deutschen Literatur in den Vordergrund. Dabei werden psychische Zustände, Emotionen, Fantasien, Träume und Wünsche der zumeist fiktiven Figuren durch die Beschreibung ihrer körperlichen Erscheinung, ihrer Mimik und Gestik und ihrer Verhaltensweisen einschließlich  ihrer  besonderen Art zu sprechen zum Ausdruck gebracht. Nicht selten geht auch mit der Darstellung der Gefühlswelt der literarischen Personen und der sie beherrschenden Emotionen ein Prozess der Selbsterkenntnis und eine Veränderung der Protagonisten einher.

Diesem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts schon sehr populären Motivkomplex können zudem Versuche zur ‚Therapie‘ anomaler, exaltierter oder krankhafter Seelenzustände zugeordnet werden, die u.a. auf Phänomene der Natur, Mittel der Kunst, aber auch die bloße Lektüre von Büchern rekurrieren. Bei letzterer wird die Literatur als Medium der Seelenerkundung verstanden und, da sie Wege zur Selbsterkenntnis eröffnet, die innere Entwicklung des Lesers stimuliert oder ihm sogar Halt in schwierigen Zeiten bietet, therapeutisch wirksam. In der Literatur um 1800, besonders unter dem Einfluss von Goethes Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre, haben die  Romantiker weitere Mittel der Darstellung von Emotionalität ausgebildet, die sowohl ästhetisch als auch ethisch folgenreich waren: Ihre ‚Helden‘ haben im Zuge der Selbsterkenntnis und charakterlichen Wandlung auch eine grundlegende künstlerische Entwicklung vollzogen.

Die wirkungsästhetischen und ethischen Funktionen der Literatur hängen, insbesondere im ausgehenden 18. Jahrhundert, mit der Entwicklung der Naturwissenschaften, der Psychologie und Anthropologie zusammen. Um 1800 wird das Wissen vom Menschen durch weitreichende Informationen über verschiedene bis dahin noch kaum beachtete Aspekte seiner Existenz bereichert und in die literarischen Texte eingebracht, wenn auch der Körper als wesentlicher Indikator seelischer Befindlichkeiten unangefochten bleibt.

Im Mittelpunkt der Konferenz steht also die Literatur der Goethezeit, in der zahlreiche Methoden zur Darstellung von Trieben, Affekten und Emotionen erprobt und praktiziert werden. Von daher lässt sich ein breit gefächerter Kontext von Innovationen und Kontinuitäten in der Literatur der Weimarer Klassik und der Romantik für die Thematik ‚Emotionalität in ästhetischem Gewand‘ feststellen. Einerseits setzen sich ästhetische bzw. sprachkünstlerische Texte auf ihre spezifische Weise mit Gegenständen der Anthropologie auseinander, andererseits werden philosophische Schriften in vielen literarischen Werken rezipiert, poetisch gestaltet und zu therapeutischen Zwecken verwendet.

Daraus ergeben sich etliche poetologische Fragen: Mit welchen sprachlichen Mitteln werden Gefühle in der Literatur um 1800 darstellt? Worin bestehen Unterschiede zwischen der Schilderung von Gefühlen und Emotionen in der Literatur des Sturm und Drang und Empfindsamkeit einerseits und der Spätaufklärung, Klassik und Romantik andererseits? Welche Rolle spielt die zugespitzte Intensität der Gefühle des Sturm und Drang? Welche Gattungen haben eine besondere Affinität zur ‚inneren Welt‘ und vermögen diese möglichst differenziert wiederzugeben? Und vermittelt eine sprachlich-poetische Inszenierung von intensiven und exaltierten Gefühlen überhaupt haltbare Einsichten in das Wesen der menschlichen Psyche?

Wir sind an Beiträgen interessiert, die sich jenen Darstellungsweisen des seelischen Lebens und seiner Behandlung in der Literatur vornehmlich der Romantik, aber auch in Werken aus früheren und späterer Epochen widmen, die im Zusammenhang mit der Literatur um 1800 stehen.

Folgende Themenbereiche können beispielsweise untersucht werden:

  • Symbole des Psychischen;
  • Genres und Stilmittel zur Darstellung der „Innenwelt“,
  • der Körper als Medium des Geistes;
  • die Unbeherrschbarkeit menschlicher Emotionen;
  • Bücher als Medium der Selbsterkenntnis;
  • Erkenntnisse der Medizin und Anthropologie in der Literatur;
  • Diskrepanzen zwischen Körper und Geist/Seele in anthropologischen Abhandlungen und der ‚schönen‘ Literatur – Ähnlichkeiten, Einflüsse, Abweichungen;
  • „Schattenseiten“ der menschlichen Natur und ihre Bewältigungsversuche in anthropologischen und literarischen Texten.

 

Anmeldung

Verlängerung der Anmeldefrist!

Wir bitten alle interessierten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Ihre Themenvorschläge für Vorträge und Referate mir Abstracts auf Deutsch (bis etwa 8 Zeilen pro Sprache) mit 5 Schlüsselwörtern mit einer unterzeichneten Einwilligung zur Verarbeitung der personenbezogenen Daten elektronisch (Word) und schriftlich bis zum 30. 09. 2019 an die unten angegebene E-Mail- und Dienstadresse einzureichen. Die Information über die Aufnahme des Themenvorschlags in das Konferenzprogramm, sowie das endgültige Programm der Konferenz und Auskünfte zur Anreise und Unterkunft werden Ihnen bis zum 20.10.2019 zugeschickt.

Alle Informationen finden Sie unter

https://fil.ug.edu.pl/wydzial/instytuty_i_katedry/instytut_filologii_germanskiej_institut_...

 

Ihre Vorträge / Referate sollten nicht die Dauer von 30 Minuten überschreiten (circa 6-7 normalisierte Seiten DIN A4).

Die Arbeitssprache der Konferenz ist Deutsch.

Nach der Konferenz bieten wir die Möglichkeit, Ihre Texte in Form einer rezensierten Monografie in einem Konferenzband zu veröffentlichen (max. Länge des Beitrags: ein Verlagsbogen – circa 30000 Anschläge).

 

Konferenzgebühr: Die Konferenzgebühr beträgt 90 EUR (oder 400 PLN). Damit sollen feierliches Abendessen/Begrüßungsabend am ersten Tag der Konferenz, Kaffeepausen und Snacks finanziert werden. Die Anreise- und Übernachtungskosten können nicht zurückerstattet werden.

 

Die Konferenzgebühr ist bis zum 20.10.2019 auf folgende Kontoverbindung zu zahlen:

 

Uniwersytet Gdański w Gdańsku

Bank PEKAO S.A. IV O/Gdańsk

Vor- und Nachname

Als Verwendungszweck geben Sie bitte die Subkontonummer: KF 62-19 an.

SWIFT: PKO PPL PW

IBAN: PL 59 1240 1271 1111 0010 4368 2415

 Beachten Sie, dass die Konferenzgebühr nicht zurückerstattet werden kann.

 

Kontakt

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an die Organisatorin der Konferenz.

Prof. UG, Dr. habil. Agnieszka Haas: filah@univ.gda.pl

 

Instytut Filologii Germańskiej

ul. Wita Stwosza 51

80-306 Gdańsk, Polen

 

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

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