CFP: Mensch – Tier – Maschine. Sprachliche Praktiken an und jenseits der Außengrenze des Humanen, Salzburg (29.09.2019)

Miriam Schmidt-Jüngst's picture

Call for papers für den Workshop „Mensch – Tier – Maschine. Sprachliche Praktiken an und jenseits der Außengrenze des Humanen“ im Rahmen der 45. Österreichischen Linguistiktagung in Salzburg, 6./7.12.2019 
Workshopleitung: Damaris Nübling und Miriam Schmidt-Jüngst, Universität Mainz

Call Deadline: 29.09.2019

Beschreibung:
Die Unterscheidung von Mensch und Nicht-Mensch wird in aller Regel als ontologische Tatsache gehandelt, die unsere Wahrnehmung maßgeblich prägt. Während diese Abgrenzung des Menschen von anderen – sowohl natürlichen (Tieren) als auch artifiziellen (Roboter, Maschinen, Bots) – Spezies einerseits stark gemacht wird (sprachlich insbesondere durch die Entwicklung getrennter Lexik wie Hand/Pfote, essen/fressen, aber auch durch getrennte Nameninventare), wird sie andererseits explizit genutzt, um soziale Effekte der dehumanisierenden Ausgrenzung („Frauenkörper werden zu Billigfleisch“1, „Greta Thunberg als seelenloser Cyborg“2) oder des vermenschlichenden Einschließens („Mann heiratet seine Katze“3, „Alexa ist jetzt Feministin“4). In vielen Disziplinen sind die Human-Animal-Studies und auch die Mensch-Maschine-Kommunikation bereits fest integriert; in der – insbesondere deutschsprachigen – Linguistik entwickelt sich diese Ausrichtung gerade erst (u.a. Habermann 2015, Heuberger 2015, Lotze 2016).

Call for Papers:
Der Workshop hat das Ziel, eben diese Forschung, die sich mit der Außengrenze des Humanen, der Interspezieskommunikation und der diskursiven (De-)Humanisierung beschäftigt, zusammenzubringen und gemeinsam voranzutreiben. Eingeladen sind sowohl linguistische als auch interdisziplinäre Beiträge, die Impulse aus Soziologie, Kulturwissenschaften, Psychologie, Informatik und anderen Bereichen einbringen. Dabei reicht die thematische Bandbreite von der vermenschlichenden Kommunikation mit Tieren und über Tiere (z.B. mit Haustieren und im Tierschutz), dem dehumanisierenden, animalisierenden Sprechen über Outgroups (z.B. Flüchtlinge, Sklav_innen, Frauen) bis hin zur Benennung von und Kommunikation mit Social Bots oder virtuellen Assistenten wie Alexa. Das gemeinsame Interesse gilt der sprachlichen Bestimmung des Humanen, das sich über die Beschreibung dessen, was hierin nicht mehr, noch nicht, nur bedingt oder niemals eingeschlossen ist, als Negativdefinition fassen lässt. 
Abstracts senden Sie bis zum 29.9.2019 an nuebling@uni-mainz.de oder schmidtjuengst@uni-mainz.de.

 

1 https://www.aachener-nachrichten.de/lokales/aachen/eine-erotische-fleischbeschau-der-ander... (14.8.2019).
2 https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/wie-philosoph-michel-onfray-greta-thunberg... (14.8.2019).
3 https://www.tz.de/welt/miau-will-mann-heiratet-seine-katze-746518.html (14.8.2019).
4 www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/alexa-ist-jetzt-feministin-echo-wurde-umprogrammiert... (14.8.2019).

Literatur:
Habermann, Mechthild (2015): „Du armes Schwein!“ Zum sprachlichen Umgang mit dem Tier. In: Stefanie Waldow (Hg.), Von armen Schweinen und bunten Vögeln. Tierethik im kulturgeschichtlichen Kontext. Wilhelm Fink, S. 71-94.
Heuberger, Reinhard (2015): Das Tier in der Sprache. In: Reingard Spannring et al. (Hgs.), Disziplinierte Tiere? Perspektiven der Human-Animal Studies für die wissenschaftlichen Disziplinen. Transcript, S. 123-135.
Lotze, Netaya (2016): „Chatbots – Eine linguistische Analyse“. Peter Lang.

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

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