CFP: Literarische Inszenierungen von Landnahmen und ihren Folgen (15.10.2019)

Anna-Maria Post's picture

Als die ikonisch tradierte Landnahme schlechthin kann wohl die Anlandung Kolumbus’ in der Neuen Welt gelten. In Bildtraditionen und in ihrer literarischen Wiedererzählung wird die Geschichte eines scheinbar reziproken Austauschs von Gaben erzählt. Kolonialgeschichtlich betrachtet, ist hingegen davon auszugehen, dass Kolumbus der wichtigste Exporteur eines auf den modernen Kolonialismus vorausweisenden handelskapitalistisch unterfütterten Sendungsbewusstsein war. 

In der grundlegenden Kritik Mary Louise Pratts, die die postkolonialen Debatten über die Legitimität von Repräsentationen des Anderen in verschärft politische Bahnen lenkte, erscheint denn auch Alexander von Humboldt als Vor-Spurer der nordamerikanischen Invasionsgelüste – eine Sichtweise, welche langanhaltende Debatten ausgelöst hat.

In der geplanten Publikation eines auf einem Workshop am FRIAS (Freiburg Institute for Advanced Studies, organisiert von Michaela Holdenried, Universität Freiburg) basierenden Sammelbandes soll das Thema Landnahme umfassender für unterschiedliche Epochen bezüglich faktualer und fiktionaler Texte diskutiert werden: Wird schon in frühen Texten, etwa in den Quellen der Kolonialgeschichte, Rechenschaft über die Kosten kolonialen Ausgreifens gegeben? Welche Literarisierungen des Aspekts begegnen in sowohl kritischer als auch affirmativer Weise in unterschiedlichen Textgattungen, in deutsch- und anderssprachiger Literatur? Und schließlich: Wie setzt sich eine postkolonial sensibilisierte Literatur(-wissenschaft) mit den topisch gewordenen Vignetten der Eroberungsgeschichte auseinander? 

 

Eingereicht werden können Beiträge zur Landnahme als literarischem und/oder historischem Thema, zur Diskursgeschichte der Landnahme, zu verschiedenen geografischen Räumen (Russland, Australien, Indien/Asien, Nordamerika, Südamerika, Nordafrika und Wüstenregionen) sowie zu verschiedenen medialen Darstellungen von Landnahme, Eroberung und Besitzergreifung. Hierbei können unterschiedliche Gattungen wie Expeditionsbericht, Reisebeschreibung, Kolonialroman etc. in den Blick genommen werden. 

 

Interessierte Nachwuchswissenschaftler/innen in einem weiter fortgeschrittenen Stadium der Qualifikation sind herzlich eingeladen, Abstracts für Beiträge (max. 500 Wörter) sowie kurze biobibliographische Angaben bis zum 15.10.2019 per E-mail an

anna-maria.post@germanistik.uni-freiburg.de zu senden.

Der Abgabetermin für die Beiträge im Umfang von ca. 40-50.000 Zeichen ist der 01.06.2020.


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu