KONF: Die natürliche Ordnung: Konflikte, Brüche, Kontinuitäten im Naturverständnis von 1600 bis 1900, Graz (13.06.2019)

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Kolloquium:

Die natürliche Ordnung: Konflikte, Brüche, Kontinuitäten im Naturverständnis von 1600 bis 1900

Ort: Graz (Österreich), Heinrichstraße 26, SR 09.23 (2 OG)

Veranstalter: Zentrum für Wissenschaftsgeschichte, Karl-Franzens-Universität Graz

Datum: 13.06.2019

 

Das Zentrum für Wissenschaftsgeschichte der Karl-Franzens-Universität Graz veranstaltet am 13.06.2019 ein Kolloquium mit dem Titel „Die natürliche Ordnung: Konflikte, Brüche, Kontinuitäten im Naturverständnis von 1600 bis 1900“, zu welchem alle interessierten Zuhörer und Zuhörerinnen herzlich eingeladen sind.

Die Ordnung der Natur ist seit jeher integraler Bestandteil naturphilosophischer Auseinandersetzungen im Zuge der Erfassung und Abbildung der Welt. Man fragte nach dem Garanten für die natürliche Ordnung – ist sie in der Unveränderlichkeit Gottes zu suchen (Descartes), folgt sie geometrischen Prinzipien (Hobbes) – und nach dem Zusammenhang zwischen der moralischen und natürlichen Ordnung der Welt (Naturrechtsgedanke). Zudem brachten der europäische Kolonialismus und die so genannten „Entdeckungsfahrten“ die Naturforscher ab dem 16. Jahrhundert mit zahllosen neuen Pflanzen- und Tierarten in Berührung, die in die bestehenden Naturvorstellungen integriert werden mussten. Außerdem kamen Fragen nach dem Ursprung jener außereuropäischen Völker auf, mit denen man im Zuge der Kolonialisierung erstmals zusammentraf und welche man in das bestehende Weltbild einzufügen versuchte. Durch die langsame Abkehr von einem Scala Naturæ-Denken wurde die Frage laut, in welchem Verhältnis die unterschiedlichen Arten zueinander stehen: Der Gedanke eines linearen Aufbaus wirkte noch lange nach, zunehmend tauchten jedoch auch Vorschläge zu netz- oder baumartigen Systematisierungen der Natur auf und es konnten sich allmählich neue Ordnungsschemata etablieren. Schließlich stieß die Darwin’sche Evolutionstheorie im 19. Jahrhundert Überlegungen dahingehend an, wie eine Natur geordnet werden könne, die nicht aus unveränderlichen Arten zusammengesetzt ist, sondern auf der unermesslichen Anzahl an Varietäten und sich verändernden Organismen basiert.

 

Das eintägige Kolloquium bringt ExpertInnen und NachwuchsforscherInnen zusammen und lädt dazu ein, sich dem Thema „Die natürliche Ordnung: Konflikte, Brüche und Kontinuitäten im Naturverständnis von 1600 bis 1900“ aus unterschiedlichen Perspektiven anzunehmen. Wissenschaftshistorische Forschungen zur Geschichte der Naturwissenschaften sind mit unterschiedlichen Vorstellungen und Konzepten, die in Bezug auf die Ordnung der Natur und die Systematisierung und Klassifikation ihrer Lebewesen vorherrschten, konfrontiert. Die unterschiedlichen Bedeutungen, welche der Naturordnung zugeschrieben wurden sowie die verschiedenen Anschauungen, die in Bezug auf die natürliche Ordnung der Welt existierten, stellen demnach einen Themenkomplex dar, welcher bestimmend für das Verständnis und die Analyse von naturwissenschaftlichen Quellen in den vergangenen Jahrhunderten ist. Diesem zentralen Thema der Naturordnung möchten wir uns im Kolloquium aus unterschiedlichen disziplinären Blinkwinkeln zuwenden. Die epochenübergreifende Ausrichtung des Kolloquiums ermöglicht es zudem, Praktiken und Theorien des Ordnens, die Organisation der Natur sowie die Darstellungsweisen der natürlichen Ordnung im Spannungsfeld von linearer und dynamischer Naturbetrachtung zu beleuchten.

 

 

Programm:

 

09:30: Begrüßung

 

09:45: Keynote: Staffan Müller-Wille (Exeter): Ecken, Tafeln, Linien: Zur Topologie des Rassebegriffs

 

11:00: Kaffeepause

 

 

Panel 1:

11:30: Impulsvortrag: Georg Toepfer (Berlin): Serie, Baum, Kreis – und andere Modelle von Naturordnungen im 19. Jahrhundert

 

12:05: Julia Mierbach (Bonn): Die infinitesimale Reihe als Erbin der Kette der Wesen

 

12:25: Romana Bund (Linz): Vom System zum Leben: Szenen eines Umbruchs anhand der Her- und Darstellungsgeschichte tierischer Präparate um 1900

 

13:00: Mittagessen

 

 

Panel 2:

14:45: Impulsvortrag: Mario Marino (Cottbus): Natürliche Ordnungen und kulturelle Konstrukte in der Rassenklassifikation um 1800

 

15:20: Malin Sonja Wilckens (Bielefeld): Schädel und die Klassifizierung der Menschheit im Spannungsgefüge von Monogenese und Polygenese

 

15:40: Reinhard Ferdinand Nießner (Innsbruck): Von der ungeordneten zur geordneten Natur. Naturvorstellungen von Flüssen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts am Beispiel des Tiroler Inn

 

16:20: Kaffeepause

 

 

Panel 3:

16:50: Impulsvortrag: Simone De Angelis (Graz): ‘Natur‘, Naturrecht/-gesetz und Geschichte

 

17:25: Thomas Valentin Harb (Berlin): “Wie zumeist”-Beziehungen und beabsichtigte Ungenauigkeit in der Philosophie: Zum Aristotelismus der Jesuitenmission in China um 1600

 

17:45: Tatiana Khalyako (München): History, Politics and ‘Order’ in Macbeth

 

 

Die Teilnahme am Kolloquium ist kostenlos, um eine unverbindliche Anmeldung wird bei Möglichkeit gebeten.

 

Bei Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:

Lisa Glänzer

lisa.glaenzer@uni-graz.at

 

Sophie Bitter-Smirnov

sophie.bitter-smirnow@uni-graz.at