CFP: Digitale Pragmatik, Hamburg (30.09.2019)

Simon Meier-Vieracker's picture

Digitale Pragmatik

Dienstag, 3. März 2020, Universität Hamburg

Die Digitalisierung betrifft auch die linguistische Pragmatik. Zum einen lassen sich in den digitalen Medien vielfältige Sprachgebrauchsphänomene beobachten, die mit den einschlägigen pragmatischen Konzepten theoretisch modelliert und empirisch untersucht werden können. Zum anderen finden digitale Forschungsmethoden zunehmend auch in pragmatischen Forschungskontexten Anwendung, etwa korpuslinguistische Zugriffe im Rahmen der Korpuspragmatik oder Verfahren der digitalen Annotation. Die Gründung entsprechend ausgerichteter Publikationsforen wie das Journal of Internet Pragmatics und Corpus Pragmatics bestätigt diesen Trend auch auf internationaler Ebene.

Die Hinwendung der linguistischen Pragmatik zu digitalen Gegenständen und digitalen Methoden konturiert die pragmatische Theorie und Methodologie dabei in vielerlei Hinsicht neu. Die in klassischen pragmatischen Forschungen oft auf mündlich-kopräsente Interaktion zugeschnittenen Konzepte (man denke etwa an Bühlers Deixis ad oculos oder Searles Sprechakte) müssen angesichts der quasi-synchronen, translokalen und oft auch teilanonymen Kommunikationskontexte modifiziert werden. Die datengeleitete Erhebung von Sprachgebrauchsmustern in großen Korpora rückt Einheiten in den Blick, die in manuellen Analysen womöglich unbemerkt bleiben, und macht sie funktionalen Deutungen zugänglich. Auch neue Formen der digitalen Schriftlichkeit in multimodalen Kontexten sind unter pragmatischen Gesichtspunkten ausgedeutet worden. Schließlich gehen mit der nahezu unbegrenzten Zugänglichkeit teils höchstpersönlicher Sprachdaten im WWW auch neue Herausforderungen in forschungsethischer Hinsicht einher.

Auf der Jahrestagung 2020 der Arbeitsgemeinschaft Linguistische Pragmatik e.V. sollen aktuelle Tendenzen und Herausforderungen der Digitalen Pragmatik diskutiert werden, wobei beide Perspektiven auf digitale Gegenstände einerseits und digitale Methoden andererseits gleichermaßen Berücksichtigung finden.

Besonders erwünscht sind Beiträge, welche die konkrete empirische Arbeit im Bereich der Digitalen Pragmatik – von der Datenerhebung und -aufbereitung über die Analyse bis hin zur Präsentation von Ergebnissen – vorführen und zugleich auch methodologisch reflektieren: Welche theoretischen Vorannahmen gehen in die Analyse ein, wie verhalten sie sich zu etablierten Konzepten der Pragmatik? Wie bedingen die gewählten Analysemethoden den Zuschnitt des Untersuchungsgegenstandes (etwa die weitgehende Ausblendung multimodaler Aspekte in korpuslinguistischen Zugriffen)? Welche forschungsethischen Probleme stellen sich und welche Lösungen sind wünschenswert und praktikabel? Ebenfalls erwünscht sind Beiträge, welche die Anwendungsbezüge der Digitalen Pragmatik, insbesondere im Bereich der Didaktik thematisieren, sei es in Sprachlehrkontexten oder im erweiterten Kontext der Vermittlung von Medienkompetenz.

Keynote: Jannis Androutsopoulos (Hamburg)

Wenn Sie einen Vortrag halten möchten, schicken Sie bitte Ihr Abstract (max. 400 Wörter) bis zum 30. September 2019 als pdf an kontakt@alp-verein.de

Weitere Informationen zur Tagung und zur ALP e.V. finden Sie auf unserer Internetseite www.alp-verein.de.

Organisation:

  • Lars Bülow (Salzburg)
  • Konstanze Marx (Greifswald)
  • Simon Meier-Vieracker (Dresden)
  • Robert Mroczynski (Düsseldorf)

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Mark-Georg Dehrmann] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu