KONF: Avifauna aesthetica. Vogelkunden, Vogelkünste, Burg Lenzen (23.-25.05.2019)

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PD Dr. Tanja van Hoorn

Leibniz Universität Hannover

Deutsches Seminar

 

Avifauna aesthetica. Vogelkunden, Vogelkünste

 

Interdisziplinäre Tagung

Burg Lenzen, Do, 23. bis Sa, 25. Mai 2019

 

Die Nachtigall gilt in unseren Breiten als ‚Königin der Nacht‘, weil sie über einen besonders komplexen und reizvollen Gesang verfügt. Verhaltensbiologisch ist ihr Gesang längst noch nicht entschlüsselt – ein Forschungsprojekt an der FU Berlin, das in der Lokalpresse aufgeregt diskutiert wurde, verspricht neue Erkenntnisse. Zugleich aber singt Luscinia megarhynchos bekanntlich schon bei Walther von der Vogelweide zum geheimen Stelldichein, ist verschwiegene Zeugin und Sinnbild der Dichtung. Schwalben, Kraniche, Raben, neuerdings Wandertauben und Dronten bevölkern die Literatur – und dies nicht nur, so die These, als Motiv, sondern als epistemische Figur: Dichter dichten mit den Vögeln und entwickeln ihre Poesie programmatisch aus Vogelgesang und avifaunischer Schönheit. Kurz: sie betreiben Ornithopoetik.

Wie die Literatur (zuletzt etwa Ulrike Draesner: Subsong, 2014), so die anderen Künste. Die Musik ist längst auf den Vogel gekommen: der Komponist und Ornithologe Olivier Messiaen legte einen ganzen Catalogue d’oiseaux (1958) vor, Annette Schlünz vertonte die „Ornithopoesie“ Pierre Garniers (1989/1993). Umgekehrt gewinnt die schon im 18. Jahrhundert kontrovers diskutierte so genannte ‚Naturmusik‘ in der Zoomusikologie aktuell disziplinäres Format und beantwortet die australische Aktionskünstlerin Hollis Taylor in ihrem jüngsten Buch die Frage Is birdsong music? (2017) mit einem eindeutigen Ja. Die bildende Kunst wiederum zielt – gelegentlich in expliziter Anknüpfung an Donna Haraways Companion Species (2003) – auf neue Formen einer ‚interspecies art‘ und organisiert sich teilweise programmatisch aus einer Vogelperspektive.

In Zeiten von cultural animal studies und Poetischer Ornithologie (Neue Rundschau 2017, hg. von Teresa Präauer), in Zeiten aber auch eines dramatischen Vogelsterbens und einer neuen Aktualität von Rachel Carsons Silent Spring (1962) scheint der Moment gekommen, um interdisziplinär Linien einer ornithologischen Natur-Kulturgeschichte zusammenzuführen. Ornithologen, Verhaltensbiologen, Literatur-, Kunst- und Musikwissenschaftler sind eingeladen, gemeinsam Spuren einer Avifauna aesthetica freizulegen.

 

 

Programm

 

Donnerstag, 23. Mai 2019

 

15:30   Kaffee

 

16:00   Tanja van Hoorn (Germanistik / Uni Hannover):

Eröffnung der Tagung 

 

16:15   Constance Scharff (Verhaltensbiologie / FU Berlin):

Bei Dir piepst es wohl: Biologische Schnittstellen von Musik, Sprache und Vogelgesang

 

17:15   Monika Schmitz-Emans (Komparatistik / Uni Bochum):

Grenzgesänge. Zur Poetik des Vogelgesangs in Italo Calvinos Palomar (1983) und in Christoph Ransmayrs Atlas eines ängstlichen Mannes (2012).

 

19:00 Abendessen

 

20:00   Norbert Hummelt (Lyriker, Berlin)

„Dich, Amsel, liebe ich“. Vögel im Gedicht

– Vortrag und Lesung –

 

 

Freitag, 24. Mai 2019

 

09:15   Tanja van Hoorn (Germanistik / Uni Hannover):

Ornithophonia, Ornithopoesie, Ornithopoetik. Zur ästhetischen Produktivität der Vogelkunde von Nikolas Bähr bis Friederike Mayröcker

 

10:15   Kaffeepause

 

10:30   Wolfgang Rathert (Musikwissenschaft / Ludwig-Maximilians-Universität München):

„Warum sollen Vögel in temperierten Intervallen singen?“ Phänomen und Problem der ornithologischen Musik Olivier Messiaens

 

11:30   Henrik Brumm (Ornithologie / Max Planck Institut Seewiesen):

Ist Vogelgesang Musik? Biologische Funktionen und ästhetische Aspekte

 

12:30 Mittagspause

 

14:30 Frieder von Ammon (Germanistik / Uni Leipzig):

Bird lives. Ornitho-Musikologische Anmerkungen zu Charlie Parker in Musik und Literatur

 

15:30 Manfred Lütkepohl (Naturwacht Brandenburg / Potsdam):

Menschlich verursachter Wandel am Beispiel der Vögel der Agrarlandschaft und der Wasservögel

 

Kaffeepause

 

17:00 Ornithologische Exkursion. Führung: Marion Korsch (Lenzen / Naturwacht Brandenburg)

 

 

Samstag, 25. Mai 2019

 

09:15   Petra Lange-Berndt (Kunstgeschichte, Uni Hamburg):

Von Nistern und Nestern. Zeitgenössische Kunst als Habitat

 

10:15   Kaffeepause

 

10:30   Michael Eggers (Germanistik, Uni Köln):

Vogelprosa. Zur Präsenz der Vögel in der narrativen Gegenwartsliteratur

 

11:30   Ludwig Fischer (Germanistik, Uni Hamburg / Kirchwalsede):

‚Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen‘ – Friedrich II., Horst Stern und die Falken-Literatur. Zu Konzepten des ‚Wilden‘ in Nature Writing

 

12:30 Abschlussdiskussion

 

13:00 Mittagessen

 

14:00 Ende der Tagung

 

 

Veranstaltungsort: Burg Lenzen, Burgstr. 3, 19309 Lenzen

 

Die Tagung ist öffentlich; um Anmeldung wird gebeten unter tanja.van.hoorn@germanistik.uni-hannover.de

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Lukas Büsse] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

 

Categories: Conference
Keywords: vogelkunde, birds, bird