CFP: Fankultur und Fankommunikation (15.05.2019)

Simon Meier's picture

Sektion "Medienkommunikation" im Rahmen der Tagung der Gesellschaft für Angewandte Linguistik e.V.

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 18. bis 20. September 2019

Organisation: Stefan Hauser (PH Zug), Simon Meier-Vieracker (TU Dresden)

Während die Kategorie „Fan“ in der jüngeren soziologischen und medienwissenschaftlichen Literatur viel Beachtung gefunden hat, hat sich die linguistische Forschung bislang erst in vereinzelten Studien mit Fankulturen und Fankommunikation beschäftigt. Weil sich aber die Ausdrucksformen des Fan-Seins auf einer grundlegenden Ebene in performativen Kommunikationsakten manifestieren, bietet es sich eigentlich an, das Phänomen gerade auch aus linguistischer Perspektive umfassender in den Blick zu nehmen. Fantum ist an vielfältige individuelle und kollektive Erlebnis- und Inszenierungsformen gebunden und tritt typischerweise im Verbund mit einer äusserlich manifesten emotionalen Involviertheit auf. Unter Fans gibt es kommunikative Regeln und Rituale zur Sicherung der je persönlichen Fan-Identität einerseits und der Fan-Identität der Gruppe als Kollektiv andererseits. Fans sind Teil des rezipierenden Publikums und verfügen über charakteristische Praktiken der Medienaneignung; um ihr Fan-Sein zu demonstrieren sind sie aber ihrerseits auf Publikum angewiesen. In dieser besonderen Akteurs- und Kommunikationskonstellation der Fankulturen haben sich verschiedenste und häufig medial vermittelte Textsorten und kommunikative Praktiken herausgebildet, die auch für unterschiedliche linguistische Herangehensweisen (etwa Soziolinguistik, Gesprächsanalyse, Medienlinguistik etc.) höchst ertragreiche Gegenstandsbereiche sind.

In der Sektion Medienkommunikation möchten wir uns dem Phänomenbereich der Fankulturen und Fankommunikation mit einem besonderen Fokus auf medienlinguistisch anschlussfähige Fragestellungen annähern. Mögliche Fragen können sein:

  • Welche für einzelne Fankulturen typischen Textsorten, Gattungen und kommunikative Praktiken gibt es (etwa Fanzines, Fanforen, Fanfictions, Fanchoreographien usw.), welche medialen Prägungen weisen sie auf und wie tragen sie zur Konstruktion individueller und kollektiver Fanidentitäten bei?
  • Welche Rolle spielen Distinktionsprozesse (etwa gegen den ‚Mainstream‘) bei der Konstitution von Fankulturen und wie verhält sich der oftmals subversive Charakter von Fanpraktiken (etwa von den Ultras im Fußball) zur Medien- und Unterhaltungsindustrie, die Fankulturen zu kommerziellen Zwecken re-inszenieren? 
  • Inwiefern lässt sich Fangeschichte als eine Geschichte der Massenmedien und in neuerer Zeit auch der sozialen Medien beschreiben?
  • Wie manifestiert sich aus einer kulturanalytischen Perspektive das Phänomen Fantum und worin besteht der spezifisch (medien)linguistischen Beitrag zu einer Schärfung und Ausdifferenzierung bestehender Konzepte und Befunde der Fanforschung?

Willkommen sind sowohl Vortragsangebote, die empirische Medientext- und Mediendiskursanalysen vornehmen, als auch theoretisch ausgerichtete Beiträge. Auch Beiträge aus angrenzenden Disziplinen wie der Soziologie, der Medienwissenschaft oder der Literaturwissenschaft, die Medienkommunikation im Kontext von Fankulturen in den Blick nehmen, sind willkommen.

Abstracts können bis zum 15. Mai 2019 online unter folgender Adresse eingereicht werden: www.conftool.org/gal2019/

Weitere Informationen zur Tagung sowie das ausführliche Einladungsheft mit bibliographischen Angaben zum Call und den Themen der übrigen Sektionen sind unter  https://gal-tagung-2019.sprechwiss.uni-halle.de zu finden.