KONF: Form. Perspektiven einer literaturwissenschaftlichen Theorie, Köln (28.-29.3.2019)

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Eine Leitdifferenz innerhalb der Ästhetik ist die von Oberfläche und Tiefe, was sich auch in eine Gegenüberstellung von ‚Form’ und ‚Gehalt’ übersetzen läßt. Mit ihr einher geht gewöhnlich eine Wertung bzw. Zuordnung der jeweiligen Artefakte zur Sphäre entweder der freien oder der angewandten Kunst.

Der Graben, der Kunst und Kunsthandwerk trennt, ist eine der Konsequenzen der Geschichte der Ästhetik in Deutschland, die mit Goethe und Hegel auf Fragen des Gehalts festgelegt wurde – auf Kosten derjenigen Variante des ästhetischen Diskurses, die um das Konzept der reinen Form zentriert war. Dessen zukunftsweisende Möglichkeit, Ephemeres wie Kunst zu behandeln – Arabesken, Schmuck und Ornamente, aber auch Mode, Tapeten oder Abendgesellschaften – wurde ausgerechnet zum Argument für die Unzulänglichkeit der Formästhetik, wie besonders die Kritik an Kants Kunstverständnis zeigt. Dennoch blieben Oberflächenphänomene wiederkehrende Bezugspunkte in der Diskussion über Kunst im allgemeinen und Literatur im besonderen – am auffälligsten innerhalb der Strömung des Ästhetizismus.

Die Vorträge der Tagung fragen nach den theoriegeschichtlichen Stationen und Hintergründen von Ästhetiken der Form, beabsichtigen aber zugleich, die Relevanz der zugehörigen Kategorien für die Debatte über Kunst und Literatur unserer Gegenwart herauszustellen: Die Rückbesinnung auf die Materialität des Mediums Buch in Form des Interesses an Layout- und Gestaltungsfragen sowie insbesondere das ostentative Ausstellen medialer Oberflächlichkeit in der Ästhetik der Pop-Kunst sind Phänomene, anhand derer sich das Fortleben und die Aktualität formtheoretischer Kunstkonzepte und -theorien – die gleichfalls Gegenstand der Diskussion sein werden - belegen läßt.

 

 

Programm

 

Donnerstag, 28.03.2019

 

9:00     Torsten Hahn und Nicolas Pethes (Köln): Einführung

 

1.  Theorien und Medien der Form

 

10:00   Thomas Hecken (Siegen): Form Inhalt Kanon

11:30   Matthias Bickenbach (Köln): Die Form des Buchs

12:30   Elena Beregow (Hamburg): Oberflächen der Theorie. Über heiße und kalte Atmosphären

             als Medien der Theoriebildung

 

2.  Ästhetiken der Form und Geschichte der Literatur

 

14:30   Patrick Hohlweck (Berlin): Zur Frühgeschichte der Form (Baumgarten)

15:30   Anja Lemke (Köln): Philosophische Arabeske (Schlegel)

17:00   Peter Neumann (Jena): Entzeitlichung. Zur Temporalität der reinen ästhetischen Form

18:00   Natalie Binczek (Bochum): Die Form der Einrichtung der Literatur. Goethes Haus

 

 

Freitag, 29.03.2019

 

9:00     Armin Schäfer (Bochum): Prosagedicht und lyrische Prosa

10:00   Jürgen Brokoff (Berlin): Intervention als literarische Form. Zur Formdiskussion der

             proletarisch-revolutionären Literaturtheorie in den 1930er Jahren

11:30   Niels Werber (Siegen): Form und Zeit. Ulrich Peltzers „Bryant Park“

 

3.  Kulturelle Artefakte und Formen der Oberfläche

 

13:30   Bettina Schlüter (Bonn): Musikalische Form – ästhetische Regulative der Beobachtung

14:30   Heinz Drügh (Frankfurt): Pulchrituda vaga, pulchrituda adhaerens. Überlegungen zum

             Begriff der Form zwischen Autonomie und Ware

15:30   Urs Stäheli (Hamburg): Die Form der Modularität: Von der Ästhetik des Moduls zur

             lentikularen Moderne

 

Veranstaltungsort:

Universität zu Köln

Repräsentationssaal

Gebäude 221

Klosterstraße 79b

 

Verabstalter:

Torsten Hahn

Nicolas Pethes

 

Kontakt:

hahn-lehrstuhl@uni-koeln.de

buero-pethes@uni-koeln.de

Institut für deutsche Sprache und Literartur I

 

 

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Mark-Georg Dehrmann] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu