CFP: Heimat/Literatur/Film. Tagung zum 75. Geburtstag Peter Turrinis, Donau-Universität Krems (31.01.2019)

Wolfgang Straub's picture

Heimat/Literatur/Film. Tagung zum 75. Geburtstag Peter Turrinis

Archiv der Zeitgenossen, Donau-Universität Krems

19. September 2019

 

»peter turrini.

heimatdichter.

jahrgang 44.

geboren in kärnten.«

Dass sich der mit den Theaterstücken Rozznjagd und Sauschlachten international reüssierende österreichische Schriftsteller Peter Turrini in einer Selbstbeschreibung zu Beginn der 1970er Jahre »Heimatdichter« nennt, ist eine ironische Setzung. Es ist aber auch Zeugnis der Präsenz des Begriffs Heimat im kritischen Diskurs jener Jahre – nicht zuletzt bei Schriftstellern: Max Frisch entwarf 25 Fragen zu einer Auslotung des subjektiven Heimatgefühls (»Heimat – ein Fragebogen«, 1972 im Tagebuch 1966–1971 veröffentlicht); der Salzburger Residenz Verlag brachte 1973 eine Anthologie mit »Neuen Heimatgeschichten« heraus (Daheim ist daheim), von Ilse Aichinger über R. P. Gruber bis zu Peter Handke. Ein wichtiger Anstoß für den zeitgenössischen Heimat-Diskurs waren Jean Amérys Einlassungen aus der Sicht eines Vertriebenen, seine Definition vom Exil, von der Abwesenheit der die Heimat konstituierenden Sicherheit her (Wieviel Heimat braucht der Mensch? 1966) sowie sein Plädoyer, die mit dem Begriff Heimat verbundenen »peinlich lieblichen Töne« zu verscheuchen, um den Blick freizumachen auf die »Heimatdichtung« eines Joyce, Roth oder Proust.

Unsere Tagung macht ein für die österreichische Medien- und Kulturgeschichte wichtiges Stück Heimatliteratur und -film zum zentralen Bezugspunkt: Peter Turrinis und Wilhelm Pevnys Drehbuch zum sechsteiligen Fernsehfilm Alpensaga. Während Pevny 1980 im Rückblick auf das jahrelange gemeinsame Schreiben meint, ihn habe »das Dorf als Modell des Lebens in all seiner Prallheit« sowie »der aufklärerische Aspekt der Arbeit« interessiert, spricht Turrini von »meinem persönlichen und literarischen Versuch, eine Heimat zu finden«, vom erlebten Widerspruch zwischen den verlogenen konservativen Heimatkonzepten und einer »Heimatwirklichkeit« zwischen häuslicher Gewalt, Selbstmorden und Landflucht.

Die an der Alpensaga Beteiligten sahen die Filme als Beitrag zum Heimat-Diskurs, man fragte (in der Buchausgabe 1981): »Hat Heimat Zukunft?« Literaten und Filmemacher traten ab den 1960er Jahren an, Heimat neu zu denken und künstlerisch zu gestalten. Für die Literatur war bald das Etikett »Anti-Heimatliteratur« zur Hand, beim Film und Fernsehspiel sprach man vom »Neuen Heimatfilm«. Unsere Tagung will sich zum einen diesen Publikationen und Produktionen mit einem frischen Blick zuwenden (bundesdeutsche Produktionen wie etwa Fassbinders Acht Stunden sind kein Tag, 1972/73, sind ebenso von Interesse) und dabei die gerade in Österreich noch wenig untersuchten intermedialen Bezügen zwischen Literatur und Film/Fernsehspiel berücksichtigen. Zum anderen gilt unser Interesse der Frage, wie gegenwärtig ›Heimat‹ ideologisiert, diskutiert, erzählt und dargestellt wird. Dabei sollen kritisch-ironische künstlerische Spielarten, wie sie etwa in der Heimatroman-Variation von Petra Piuk (2017) oder im Lied/Video »Im Rausch der Zeit« (2018) der Kunstfigur Hyäne Fischer vorkommen, mitbedacht werden.

Beiträge aus den Bereichen Medien-, Kultur-, Film- und Literaturwissenschaft sind u.a. zu folgenden Themen möglich:

  • Beiträge zur Alpensaga (Rezeption; film- und literaturästhetische Einordnung)
  • Intermedialität Literatur/Film
  • Der Neue Heimatfilm der 1970er und 1980er Jahre
  • Formen kollektiver Schreibprozesse
  • Narrative der gegenwärtigen künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Komplex Heimat
  • Vea Kaiser (2012), Petra Piuk (2017): ein neuer österreichischer Heimatroman?
  • Neue (?) Regionalität (im Kriminalroman, in Filmen, in Serien)
  • Anti-Heimatliteratur revisited

Die Vorträge sollen die Länge von 30 Minuten nicht überschreiten. Eine Publikation der Beiträge in der Reihe des Archivs der Zeitgenossen (Studien Verlag) ist vorgesehen. Es wird keine Tagungsgebühr eingehoben, Reise- und Aufenthaltskosten werden übernommen.

Bitte Abstracts der vorgeschlagenen Beiträge bis 31. 1. 2019 an: wolfgang.straub@univie.ac.at

www.archivderzeitgenossen.at

________________________________________________________________________________________________________________

Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Lukas Büsse] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu