ANK: Wozu Literaturgeschichte?, Leipzig (16.10.2018–05.02.2019)

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Ringvorlesung der Philologischen Fakultät der Universität Leipzig im Wintersemester 2018/19, organisiert von Prof. Dr. Sabine Griese und Prof. Dr. Dirk Oschmann

 „Literaturgeschichte ist eine Art Kollektivgedächtnis, in dem vergangene Traditionsbestände aufbewahrt, in temporale Sequenzen angeordnet und so gelegentlichem Wiedererinnern verfügbar gehalten werden.“ (Jan-Dirk Müller, 1982, S. 195)

Literaturgeschichte hat Konjunktur, so hieß es in den 1990er Jahren. Viele Literaturgeschichten kamen seitdem auf den Markt, bis heute hält die Produktion an. Ob performativ ausgerichtet oder in 10 Schritten angelegt, essayhaft oder gebündelt, als neu oder kurz markiert, verfasst von einer Person oder mehreren, immer wieder wird und wurde versucht, die Literatur historisch zu beschreiben und zu kontextualisieren, sie womöglich nach Epochenbegriffen zu ordnen und ihre Werthaftigkeit zu postulieren. Denn die Beschäftigung mit literarischen Texten erfordert immer beides: sie einerseits als autonome ästhetische Artefakte, nämlich als individuelle Kunstwerke wahrzunehmen, und sie andererseits in ihrer Historizität zu erfassen.

Doch ist der Zugriff auf die Literatur über ihre Geschichte, also etwa über das Herstellen von Entwicklungslinien, Kontinuitäten, Tendenzen, Teleologien heute noch ein adäquates Analyseinstrument? Ist es noch ein nachgefragtes Werkzeug in einer Zeit, in der zunehmend nur noch punktuelle Informationen abgerufen werden und über „das Netz“ bereitstehen? In welcher Form ist heute eine Literaturgeschichte zu schreiben und zu publizieren? Handbuch oder digital? Weltliteratur – Nationalliteraturen? Wie sind Epochen der Literaturgeschichte zu bestimmen? Welche Texte und Medien sind in einer Literaturgeschichte zu bedenken? Was gehört in eine Literaturgeschichte? Wie weit ist folglich der Literaturbegriff zu fassen? Und: Wer schreibt eine Literaturgeschichte?

Diese Fragen sollen Anlass einer fächerübergreifenden Ringvorlesung sein, die die Philologische Fakultät im Wintersemester 2018/19 an der Universität Leipzig ausrichtet. Aus der Perspektive verschiedener Philologien soll das Spektrum der Literaturgeschichtsschreibung dargelegt werden und in der Summe einige der gestellten Fragen beantworten.

Veranstaltungsort: Universitätsstraße 1, 04109 Leipzig, SR 302

Termine:

16. Oktober 2018
Sabine Griese/Dirk Oschmann
Fragen an die Literaturgeschichte

23. Oktober 2018
Sabine Griese
Eigengeschichten der deutschen Literatur des Mittelalters

6. November 2018
Cordula Kropik
Cyriakus Spangenberg und die Anfänge der deutschen Literaturgeschichtsschreibung in der frühen Neuzeit

13. November 2018
Andreas Ohme
Dazu Literaturgeschichte. Versuch einer Antwort auf eine irritierende Frage

4. Dezember 2018
Stefan Matuschek
Vom Unsinn der nationalen Literaturgeschichte

18. Dezember 2018
Elmar Schenkel
Literaturgeschichte – für wen?

8. Januar 2019
Verena Klemm
Bibliotheca Arabica – Dimensionen und Daten einer neuen arabistischen Literaturgeschichtsschreibung

22. Januar 2019
Uta Felten
Bausteine für eine intermediale Literatur- und Mediengeschichte der Romania

5. Februar 2019
Frieder von Ammon
Höher hören. Überlegungen zu einer Hörgeschichte der deutschen Literatur

Das Plakat zur Ringvorlesung finden Sie hier.

Kontakt: Prof. Dr. Sabine Griese (E-Mail), Prof. Dr. Dirk Oschmann (E-Mail), Universität Leipzig, Institut für Germanistik, Beethovenstr. 15, 04107 Leipzig

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Alexander Nebrig] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu