CFP: Fremde Heimat – Heimat in der Fremde.
 Clemens Brentano und das Heimatgefühl der Romantik, Koblenz (31.10.2018)

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CFP: Fremde Heimat – Heimat in der Fremde.  Clemens Brentano und das Heimatgefühl der Romantik. Brentano-Kolloquium am 24./25. Oktober 2019 in Koblenz

 

Die Vielschichtigkeit des Begriffs Heimat, dem sich auch der Kultursommer Rheinland-Pfalz 2019 widmet, zeigt sich bereits in seiner Verwendung in der Romantik, etwa bei Clemens Brentano: „Denn von den Sternen dämmert dein Geschick; / Die fremde Heimat, spricht es, zu ergründen / Sollst Du des Lichtes Söhnen dich verbünden.“ Und bei Bettina (Bettine) von Arnim, geb. Brentano, heißt es: „So geht‘s mit Deinen Briefen, sie sind meine Heimat, in ihnen bin ich geboren, aber die Heimat hab ich verlassen.“ Für die in der Literatur und den Künsten alle Grenzen sprengende Romantik war Heimat nicht auf einen geographischen Raum festlegbar, sondern ein Ort der Sehnsucht und durch seine unverfügbare Nähe ein heterotoper, ein ‚anderer Ort‘ (Michel Foucault). Die „Fremde“ hatte ihre Faszination und auch die Heimat konnte zur Fremde werden. Der Schriftsteller und Literarhistoriker W.G. Sebald hat deshalb, mit Blick auf die österreichische Literatur des 19. Jahrhunderts, den Begriff der „unheimlichen Heimat“ geprägt und den Blick auf die andere Seite der (scheinbaren) Idylle gelenkt.

Dazu kommen die vielen Umzüge und die rege Reisetätigkeit der Autorinnen und Autoren. Clemens Brentano lebte unter anderem in Frankfurt am Main, in Berlin, München und Wien. Es entsteht Reiseliteratur aller Gattungen und Formen, man denke an die zahlreichen Gedichte auf und über den Rhein oder an das literarische Gründungsmanifest der Epoche, die Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders (Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck) mit seiner Reise durch Franken. Der wichtigste Roman der Frühromantik, Novalis‘ Heinrich von Ofterdingen, schildert eine Reise von Eisenach nach Augsburg. Überhaupt entsteht erst in dieser Zeit der für moderne Reisen grundlegende Mythos einer (von der mittelalterlichen Kunst und Literatur geprägten) verlorenen Heimat, deren Überreste von einem Goldenen Zeitalter künden, dessen Wiedererlangung es in der romantischen Kunst und Literatur zu antizipieren gilt.

Während für Bettina das männliche Andere Heimat sein kann, wird das weibliche Andere oft als Faszination und Bedrohung zugleich gesehen. Ein eindrucksvolles Zeugnis ist die hexenhafte Verführerin in Clemens Brentanos Ballade Zu Bacharach am Rheine, die Vorlage für Heinrich Heines (was in der Regel übersehen wird, bereits ironisches) Loreley-Gedicht.

Viele Anknüpfungspunkte für Diskussionen also, wobei sich auch die Linie in die Gegenwart verlängern ließe, von Christa Wolfs Erzählung Kein Ort. Nirgends über die fiktive Begegnung von Heinrich von Kleist und Karoline von Günderrode in Winkel am Rhein bis zu den aktuellsten Entwicklungen der Flucht aus einem Heimatland und der Suche nach einer neuen Heimat, wie sie schon seit längerer Zeit der aus Syrien stammende Autor und moderne Märchenerzähler Rafik Schami schildert.

 

Wir bitten um Vorschläge für Vorträge in Form eines Exposés von maximal einer Seite.

Ihre Vorschläge richten Sie bitte baldmöglichst, jedoch spätestens am 31.10.2018 an:

apl. Prof. Dr. Helga Arend, arend@uni-koblenz.de

Prof. Dr. Stefan Neuhaus, neuhaus@uni-koblenz.de

Dr. Lieselotte Sauer-Kaulbach, l.sauerkaulbach@googlemail.com

Die Kosten für Übernachtung und Reise (Bahnfahrt 2. Klasse innerhalb Deutschlands) werden voraussichtlich übernommen.

 

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Alexander Nebrig] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

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