KONF: Struktur, Form, Modell: Literaturwissenschaftliche Perspektiven auf textuelle (Re-)Präsentationen von Zeit, Bonn (30.11.2018)

Marlen Arnolds's picture

Workshop mit  Ansgar Nünning (Gießen), Niels Werber (Siegen) und Robert Matthias Erdbeer (Münster)
Struktur, Form, Modell: Literaturwissenschaftliche Perspektiven auf textuelle (Re-)Präsentationen von Zeit

Eine Kooperation der DFG-Graduiertenkollegs 2291 Gegenwart/Literatur. Geschichte, Theorie und Praxeologie eines Verhältnisses (Bonn) und 1186 Literarische Form. Geschichte und Kultur literarischer Modellbildung (Münster)

Zeit spielt in vielfacher Weise eine Rolle für künstlerische/ästhetische Erzeugnisse im Allgemeinen und Literatur im Besonderen: Sprache und Literatur ereignen sich in der Zeit, sie sind zeitlich organisiert; literarische Texte werden in einer bestimmten Zeit verfasst und stehen dadurch in Zusammenhang mit historischen Zeiterfahrungen und Zeitkonzepten, die mit ästhetischen Mitteln zur Darstellung gebracht und reflektiert werden können. Darüber hinaus sind literarische Fiktionen in der Lage, vergangene Zeiten aufzurufen und zukünftige zu imaginieren und damit auf ihre Entstehungskontexte rückzuwirken.

Bei der Frage nach dem Verhältnis von literarischem Text und Zeit können, je nach theoretischer Perspektive, ganz unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden. Selten jedoch werden verschiedene Ansätze verknüpft, so dass ihre Ergebnisse und Einsichten meist isoliert formuliert werden. Gerade mit Blick auf das zentrale und umfassende Thema Zeit kann sich ein kritischer Abgleich literarturtheoretischer Zugriffe als überaus fruchtbar erweisen, da die temporale Konfiguration eines Textes entscheidend zu seiner internen Strukturierung beiträgt und die Textur darüber hinaus mit ihrem disziplinären – literaturtheoretischen und literaturgeschichtlichen – sowie gesellschaftlichen Kontext verknüpft.

Daher möchte der Workshop der Graduiertenkollegs Gegenwart/Literatur. Geschichte, Theorie und Praxeologie eines Verhältnisses der Universität Bonn und Literarische Form. Geschichte und Kultur literarischer Modellbildung der Universität Münster verschiedene theoretische Positionen zusammenbringen und, ausgehend vom exemplarischen Untersuchungsmaterial des Romans Bryant Park von Ulrich Peltzer, eine gemeinsame, multiperspektivische Analyse und Diskussion der zeitlichen Organisation und Reflexion literarischer Texte anregen. Dabei sollen drei Theorien auf ihre Relevanz für ästhetische Zeitdarstellungen sowie ihre Kombinierbarkeit und Ausschlussmechanismen überprüft werden: Die Narratologie begreift Zeit einerseits als Strukturmoment eines literarischen Textes, das die Ebenen dicours und histoire organisiert, andererseits, unter Einbezug kognitivistischer Ansätze, als ein Phänomen der Rezeption. Die Systemtheorie verortet Zeit mit dem Konzept der ‚Form‘ in Operationen des Unterscheidens und Bezeichnens und betont die Synchronisationsleistung moderner Literatur, die postulierte Gleichzeitigkeit alles Geschehens in komplexe Zeitgefüge zu übersetzen. Die Modelltheorie versteht die temporale Organisation von Texten als prozessuales Verfahren, in dem historisch-kulturelle Zeitdeutungen und ästhetische Muster aufgenommen und über für- und von-Beziehungen transformiert werden, um an eine Deutungsgemeinschaft zurückgegeben zu werden und selbst wiederum modellhaft wirken zu können.

Die Kreuzung dieser drei Blickwinkel – Struktur, Form, Modell –, und ihre Erprobung an Peltzers Bryant Park verspricht eine umfassende Perspektivierung des Verhältnisses von Zeit und literarischem Sprechen.

Informationen zur Veranstaltung:
Der Workshop findet am Freitag, den 30. November 2018, von 9.30 bis ca. 18 Uhr statt. Veranstaltungsort ist R. 0.008 in der Genscherallee 3, 53113 Bonn. Am Vormittag werden die drei literaturtheoretischen Zugänge von den Keynote-Speakern Ansgar Nünning (Gießen), Niels Werber (Siegen) und Matthias Erdbeer (Münster) kurz vorgestellt und auf die Rolle der Kategorie ,Zeit‘ sowie mögliche Untersuchungsperspektiven für literarische Zeitdarstellungen hin überprüft. Für den Nachmittag ist davon ausgehend die gemeinsame Analyse von Auszügen aus dem Roman Bryant Parkvorgesehen.  

Programm

Teil 1 
09:30 – 09:45 Uhr | Begrüßung
09:45 – 10:45 Uhr | Erster Vortrag / Ansgar Nünning: Zeit und Narratologie
11:15 – 12:15 Uhr | Zweiter Vortrag / Niels Werber: Zeit und Systemtheorie
12:15 – 13:15 Uhr | Dritter Vortrag / Matthias Erdbeer: Zeit und Modelltheorie

Teil 2
14:30 – 16:00 Uhr | Gemeinsame Arbeit am Textmaterial (U. Peltzer Bryant Park)
16:30 – 18:00 Uhr | Gemeinsame Arbeit am Textmaterial (U. Peltzer Bryant Park)
im Anschluss gemeinsames Abendessen

Interessierte Promovierende/Nachwuchswissenschaftler aller Philologien sind herzlich dazu eingeladen am Workshop teilzunehmen. Bitte melden Sie sich hierzu bis zum 5. Oktober 2018 unter Angabe Ihres Namens und Ihrer Institution bei den Organisatorinnen an. Das Textmaterial wird Ihnen nach der Anmeldung rechtzeitig zur Verfügung gestellt. Die Teilnahme am Workshop sowie die Verpflegung während der Veranstaltung sind kostenlos; Anreisekosten können leider nicht übernommen werden.

Organisation & Kontakt: Eva Stubenrauch (estubenrauch@uni-bonn.de), Jutta Gerber (j_gerb04@uni-muenster.de)

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Lukas Büsse] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu

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