CFP: Rhetorik Jahrbuch 2019 - Rhetorik und Geschichte (01.09.2018)

Prof. Biebuyck's picture

Seit 1980 erkundet Rhetorik. Ein internationales Jahrbuch über die Grenzen einzelner Disziplinen hinweg die vielen Valenzen des rhetorischen Handelns. In fast vier Jahrzehnten erschienen bedeutsame Sammelbände zu aktuellen Themen wie „Juridische Rhetorik“, „Rhetorik und Krieg“, „Rhetorik und Anthropologie“, „Rhetorik und Politik“, „Rhetorik und Film“ und „Rhetorik und Philosophie“.

 

Für den Jahrgang 2019 bereitet die Bandherausgeberschaft ein Jahrbuch mit Beiträgen zum Thema Rhetorik und Geschichte vor. Der Band richtet sich auf all diejenigen Forscher, die an der spezifischen Funktion sprachlicher Imagination bei der Darstellung historischer Vorgänge interessiert sind. Mehrere namhafte Autoren haben einen Beitrag zugesagt; die Bandherausgeberschaft möchte aber auch anderen, insbesondere jüngeren Wissenschaftlern mit Interesse für den Themenbereich die Möglichkeit bieten, einen Artikel beizusteuern. Wir würden uns auf drei bis vier Beiträge freuen.

Hierbei sind, für sowohl historische als auch zeitgenössische Fallstudien, die folgenden Leitfragen zu berücksichtigen:

  • Historiographen sind sich schon längst dessen bewusst, dass die rhetorische Ausrichtung von Vergangenheitsdarstellungen auch das implizite Selbstverständnis der Jetztzeit verorten. In den späten 1970er Jahren machte der im März 2018 verstorbene amerikanische Historiker Hayden White Schule mit seinen „tropics of discourse“, wobei rhetorische Figuren die ideologischen Basisstrukturen von Geschichtsschreibung aufzudecken haben. Wie geht die Historiographie heute, vierzig Jahre später, mit dem Wechselspiel zwischen Rhetorik und Geschichte um, in einer Zeit, wo das Spannungsverhältnis zwischen Realität und Fälschung bzw. Erfindung internationalpolitische Relevanz hat?
  • Viel mehr als klassische Geschichtsschreibung sind Alternativformen der Historiographie von ihrer jeweiligen rhetorischen Dynamik abhängig. Kontrafaktische, alternative oder imaginäre Geschichten zielen darauf ab, mit der Hilfe narrativer und rhetorischer Einbildung unbekannte oder unterdrückte Schichten der Vergangenheit – und der Gegenwart – verständlich zu machen. Welche rhetorischen Formen und Prozesse kommen gerade in den historiographischen Ansprüchen solcher Texte zum Tragen? Wie korrelieren sie mit der Plausibilität der vorgeführten Realitätsschilderung?
  • Besondere Formen der Geschichtsschreibung sind die Naturgeschichte und die ökologische Geschichte. Sie beziehen sich auf Zeiträume, Evolutionen und Zukunftsperspektiven, die weit über das verfügbare deskriptive Vokabular oder gar über das menschliche Vorstellungsvermögen überhaupt hinausgehen. Exemplarisch für die Probleme, mit denen ökologische Historiographen konfrontiert werden, ist die Art und Weise, in der sie mit der Unvermeidlichkeit wie auch mit den Beschränkungen des Anthropomorphismus experimentieren. Auf welche rhetorischen Mittel greifen Historiographen zurück, um ökologische Geschichte zu rekonstruieren, und womöglich auch eine ökologische Zukunft zu prognostizieren?

Interessenten melden sich bis zum 1. September 2018 mit einem Abstract von etwa 300 Worten an bei: Prof. Benjamin Biebuyck (Universität Gent,  Belgien) – benjamin.biebuyck@ugent.be. Beiträge sind vorzugsweise auf Deutsch verfasst, aber auch Texte auf Französisch oder Englisch kommen in Erwägung. Abgabe der Manuskripte wird bis zum 1. Januar 2019 verlangt.

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Constanze Baum] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu