CFP: Annotationen in Edition und Forschung: Funktionsbestimmung, Differenzierung, Systematisierung, Wuppertal (05.11.2018)

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Mit dem Terminus der Annotation verbinden sich unterschiedliche Konzepte, die in Umfang, Einsatz und Stoßrichtung variieren, aber auch konzeptuelle Parallelen aufweisen. So bezeichnen Annotationen in den Geisteswissenschaften kontextu­alisierende, erklärende Hinzufügungen zu einem bestehenden Text, die entweder durch den Autor selbst, einen weiteren Schreiber oder einen Editor vorgenommen wurden. Annotationen sind damit gleichermaßen Gegenstand und Werkzeug der Forschung. Aus informationstechnischer Perspektive kann unter Annotation be­reits die Anwendung von maschinenlesbarem Markup zur Auszeichnung von Da­tensätzen verstanden werden. In erweiterter Perspektive benennt der Terminus die strukturierte Verknüpfung von Dokumenten etwa mittels Verschlagwortung oder technischer Standards des Semantic Web. Annotation meint hier also eben­falls eine explizierende und/oder interpretierende Hinzufügung, die allerdings nicht zwangsläufig auf einen menschlichen Adressaten zielt. Mit den jüngsten Aktivitäten der Web Annotation Working Group des W3Cs wurde ein Versuch unternommen, das klassische Konzept der an einen menschlichen Leser adres­sierten Annotation mit einer technischen Modellierung zu vereinen.

Mit der Etablierung digitaler Methoden in geisteswissenschaftlicher Edition und Forschung verändern sich die Praktiken der editorischen Annotation. Gleichzeitig werden in verschiedenen Projekten Konzepte, Richtlinien und Werkzeuge zur se­mantischen Annotation entwickelt, die über eine wissenschaftliche Aufbereitung hinaus auf die Unterstützung der Analyse und Interpretation geisteswissenschaft­licher Korpora zielen.

Diese Entwicklungen lenken den Blick auch auf die bereits innerhalb der Einzel­disziplinen bestehende Diversität der mit dem Konzept der Annotation verbun­denen Perspektiven und Zielsetzungen. Gleichzeitig stellen sich im Vergleich der verschiedenen aktuellen Annotationspraktiken verstärkt Fragen nach der jeweiligen Reichweite der mit dem Terminus verknüpften Konzepte sowie nach deren konzeptuellen Bezugnahmen oder Neuausrichtungen.

Diese Entwicklung bietet den Anlass, um verschiedene Praktiken und damit ver­bundene Konzepte von Annotation zu reflektieren, ins Verhältnis zueinander zu setzen und deren Gemeinsamkeiten und Divergenzen zu systematisieren. Zentrale Fragen, die hierbei diskutiert werden sollen, sind unter anderen:

  • Inwieweit lassen sich Markup, erschließende und interpretierende Annota­tionen systematisch trennen und wie lassen sich Unterschiede und Gemein­samkeiten perspektivieren?
  • Welche Rolle spielen die grundsätzlichen methodischen Prägungen der be­teiligten Disziplinen bzw. zwischen diesen bestehende Divergenzen bei der Konzeptionierung von Annotationsstrukturen?
  • Wie verorten sich Annotationsrichtlinien und Praktiken im Spannungsfeld zwischen methodologischen sowie technischen Perspektiven und Gegen­standsbezug?
  • (Wie) wirkt sich die aktuelle Tendenz zur (technischen) Reorganisation und Erweiterung des Annotationskonzepts auf den geisteswissenschaftlichen Forschungsdiskurs aus?
  • Für welche geisteswissenschaftlichen Anforderungen besteht Erweiterungs­bedarf hinsichtlich formaler und technischer Annotationskonzepte und -prak­tiken? Wie kann diesen begegnet werden?

Wir laden Vertreter_innen sämtlicher geisteswissenschaftlicher und informations­technischer Disziplinen herzlich zur Einsendung von Beitragsvorschlägen zu den thematisierten sowie daran anknüpfenden Fragestellungen ein. Erwünscht sind sowohl Beiträge, die sich auf konkrete Anwendungsszenarien beziehen, als auch theoretische Reflexionen.

Die Tagung wird vom 20. bis 22.02.2019 an der Bergischen Universität Wuppertal stattfinden. Eine Publikation der Tagungs­ergebnisse ist vorgesehen.

Keynotes werden gehalten von Prof. em. Willard McCarty und Dr. Georg Rehm.

Bitte schicken Sie ein Abstract (max. 500 Wörter) für einen 30-minütigen Vortrag in deutscher oder englischer Sprache sowie eine kurze biografische Notiz bis spätestens 5.11.2018 an Julia Nantke (nantke{at}uni-wuppertal.de) oder Frederik Schlupkothen (schlupko{at}uni-wuppertal.de).

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Constanze Baum] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu