CFP: "und mit dem Lachen griff der Atheismus in ihn" - Georg Büchner und die Religion, Marburg (10.09.2017)

Eva-Maria Vering's picture

Jahrestagung der Georg Büchner Gesellschaft am 27. und 28. Oktober 2017 in Marburg.

Zwar muss „jeder Atheist selbst, wenn er einigermaßen consequent verfahren will“, eine „Weltursache“ anerkennen, „aber sie ist nicht Gott, sie ist nicht das absolut vollkommne, moralische Wesen des Deismus“. Mit diesen Worten widersprach der angehende Philosophieprofessor Georg Büchner in seinem Spinoza-Skript allen deistischen oder theistischen Gottesbegriffen. Und er wiederholte noch einmal das aus „Danton’s Tod“ bekannte Argument, dass die Wahrnehmung des Schmerzes eine Widerlegung aller Gottesbeweise sei. Büchner stand demnach außerhalb der religiösen Traditionen, und für diese Annahme gibt es etliche Belege in seinen Briefen und Schriften.

„Mit ruhiger, erhobener, feierlicher Stimme“ habe Büchner „die Worte gesprochen: ‚Wir haben der Schmerzen nicht zu viel, wir haben ihrer zu wenig, denn durch den Schmerz gehen wir zu Gott ein!‘“ berichtete der Freund Wilhelm Schulz seiner „frommen“, jetzt aber „verzweiflungsvollen“ Frau drei Tage vor Büchners Tod, und unter Büchners Schulfreunden erzählte man von der „Wiederannäherung Büchners ans geschichtl[iche] Christenthum in Folge des Studiums der Briefe Pauli“ sowie „über die religiöse Einwirkung seiner Braut auf ihn“ (Ludwig Wilhelm Luck).

Zwar gibt es Gründe, diesen Zeugnissen zu misstrauen, aber es ist auch umgekehrt schwer vorstellbar, wie es einem dezidierten Atheisten Büchner hätte gelingen können, sich unter all den gläubigen Pfarramtsanwärtern, mit denen er in Straßburg verkehrte, wohl zu fühlen und von ihnen als Freund akzeptiert zu werden. Sicher ist zudem, dass der Büchner, der den „Hessischen Landboten“ schrieb, ein ausgezeichneter Bibelkenner war. Auch sind in seinen übrigen Werken religiöse Themen von großer Bedeutung. Die Erzählung „Lenz“ ist dafür nur ein, wenn auch ein besonders herausgehobenes Beispiel.

Büchners Verhältnis zur Religion ist schon oft und stets kontrovers und vielleicht nicht nuanciert genug diskutiert worden. Die Georg Büchner Gesellschaft nimmt das Lutherjahr 2017 zum Anlass, diese Diskussion wieder aufzugreifen.

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Bitte schicken Sie uns baldmöglichst, spätestens jedoch bis zum 10. September, eine Skizze von etwa einer Seite und einige Angaben zu Ihrer Person. Siehe auch: www.uni-marburg.de/hosting/gbg

 


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