CFP: 26. Deutscher Germanistentag 2019: Die Zeitlichkeit von Briefen in Literatur und Film, Saarbrücken (15.07.2018)

Isabelle Stauffer's picture

Call for Papers für das Panel „Die Zeitlichkeit von Briefen in Literatur und Filmdes 26. Deutschen Germanistentages 2019, 22.– 25. September 2019, Saarbrücken.

 

Deadline Abstract: 15. Juli 2018

 

Panelleitung:

Prof. Dr. Isabelle Stauffer (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)

Markus Schleich, M. A. (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)

Dr. Claudia Schmitt (Universität des Saarlandes)

 

Das Medium Brief ist wesentlich durch das Moment der Verspätung bestimmt. Zwischen dem Verfassen und dem Ankommen eines Briefes können Tage bis sogar Jahre vergehen. Insofern gilt der Brief als ein nostalgisches Medium, eines, das Vergangenes erzählt. Zugleich können Briefe den Tod ihrer Verfasser und damit die Zeit überwinden. Manchmal bringen sie jedoch ihren Verfassern oder Adressaten den Tod und beenden somit deren Lebenszeit. Die Literatur ist hochflexibel in ihrer Darstellung von Zeitlichkeit unter anderem durch verschiedene Erzählmodelle, die jeweils auch zeitliche Implikationen haben, so zum Beispiel das Imperfekt des allwissenden Erzählers. Das Medium Film hingegen lebt von der Illusion der Präsenz und muss auffällige Mittel wie rahmende Überblendungen oder abweichende Farbgebung einsetzen, um Vergangenes zu erzählen. Literarische und filmische Erzählungen nutzen die Zeitlichkeit der Briefe, um daraus entstehende Verwicklungen, wie etwa dramenauslösende Verspätungen, Ungleichzeitigkeiten oder das Leben auf verschiedenen Zeitebenen, darzustellen. Insofern die Briefe in literarischen und filmischen Erzählungen die Zeitgestaltung modellieren, schaffen sie eine „ästhetische Eigenzeit“ (Michael Gamper u.a.). In Stefan Zweigs Novelle Brief einer Unbekannten (1922) und Max Ophüls’ Verfilmung (USA 1948) treffen wir auf den Brief einer bereits Verstorbenen. In der Verfilmung verhindert dieser Brief zudem die rechtzeitige Flucht des Protagonisten vor einem Duell und löst somit vermutlich auch dessen Tod aus. Egon Günthers Verfilmung von Goethes Die Leiden des jungen Werthers (DDR 1976) hebt ebenfalls das Zuspätkommen einer Rettung Werthers durch seinen Freund und Briefpartner Wilhelm hervor. In Jane Austens Roman Überredung (1818) bringt auch ein Brief die Wendung, der die Vergangenheit überwindet. In der freien Adaption von Austens Roman, The Lake House von Alejandro Agresti (USA 2006), leben die Liebenden zudem in unterschiedlichen Zeitebenen mit einem Briefkasten als kommunizierende Röhre zwischen ihnen. In Ricarda Huchs Briefroman Der letzte Sommer (1910) bringt das Briefeschreiben auf einer Schreibmaschine dem Verfasser den Tod; damit endet auch die erzählte Zeit der Erzählung. Das Panel widmet sich anhand von Vorträgen und Diskussionen den komplexen Zeitstrukturen, die Briefe in literarisches und filmisches Erzählen einbringen.

Wir bitten Sie, Ihre Vorschläge für Vorträge (15 Minuten) bis zum 15. Juli 2018 an alle drei unten genannten E-Mail-Adressen zu schicken, versehen mit folgenden Angaben:

- Titel

- Abstract (max. 3000 Zeichen)

- kurze bio-bibliographische Angaben zur Person

 

Isabelle Stauffer (Eichstätt-Ingolstadt): isabelle.stauffer@ku.de

Markus Schleich (Eichstätt-Ingolstadt): markus.schleich@ku.de

Claudia Schmitt (Saarbrücken): c.schmitt@mx.uni-saarland.de

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Lukas Büsse] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu