CFP: Erntezeit? Der Umgang mit Epigonalität im Artusroman und in der Artusforschung, Rauischholzhausen (30.4.2018)

Christoph Schanze's picture

Call for Papers

Rauischholzhausen bei Marburg, 20.-23.2.2019

Lange Zeit wurden sie von der Forschung als 'epigonale Werke' ohne eigenen literarischen Wert eingestuft und als nicht weiter beachtenswert bezeichnet, da sie einem am Goethe'schen Geniegedanken gemessenen Ideal nicht entsprechen; im Zuge der Postmoderne wurden sie neu entdeckt als Werke einer eigenen Ästhetik, die als 'nachklassisch' bezeichnet wurde; aber auch diesem Label ließen sie sich nur schwerlich zuordnen; heute gehören sie als Zeugnisse literarischer Kultur selbstverständlich zu den Untersuchungsgegenständen der Mediävistik, schaffen es aber trotzdem nur selten, kanonisiert zu werden: die große Mehrheit der Artusromane, eben jene, die nicht von Chrétien oder Thomas stammen bzw. als deren Bearbeitungen bezeichnet werden können.

Die Tagung widmet sich diesen noch immer viel zu wenig beachteten Artusromanen und fragt nach dem Selbstverständnis ihrer Erzähler, die sich zuweilen selbst als 'Zwerge auf den Schultern von Riesen' sehen, die Maske berühmter Verfasser anlegen oder eine neue Qualität gegenüber den älteren Texten beanspruchen. Gefragt werden soll auch, inwiefern diese Artusromane die Kenntnis eines gewissen Kanons bei ihren Rezipienten voraussetzen und wie sie mit dieser und d.h. mit der eigenen 'späteren' Platzierung in der Literaturgeschichte intertextuell und intergenerisch arbeiten. Die Vorträge der Tagung sollen sich aber
auch mit historischen und heutigen Methoden der literarischen Wertung und ihrer Anwendbarkeit auf diese Werke befassen – und nach dem Erkenntnisgewinn fragen, den wir aus einer wertenden oder wertungsfreien Betrachtung historischer Texte außerhalb des
üblichen Kanons ziehen können. Im interdisziplinären und internationalen Vergleich sollen Vorstellungen von literarischer und stilistischer Qualität und literarhistorischem Wert auch als Phänomene literarischer und wissenschaftlicher Kulturen identifiziert werden. – Mit anderen Worten: Es geht um Epigonalität in der Innensicht der Erzähler oder impliziten Autoren und in der Außensicht der intendierten Rezipienten oder des Literarhistorikers.

Wir bitten um ein kurzes Exposé (max. 1/2 Seite) für 30-minütige Vorträge aus dem Bereich aller Mittelalterphilologien bis zum
30.4.2018
an: cora.dietl@germanistik.uni-giessen.de

Bitte beachten Sie: ReferentInnen müssen zum Zeitpunkt des Kolloquiums Mitglied der Artusgesellschaft sein.

Categories: CFP
Keywords: CFP