CFP: Politik im Werk Grimmelshausens und in der Literatur der Frühen Neuzeit, Oberkirch und Renchen (30.6.2018)

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Als Schultheiß von Renchen stand Grimmelshausen im Dienst der fürstbischöflichen Regierung in Straßburg, er war Beamter der staatlichen Verwaltung auf lokaler Ebene und hatte unter anderem die ,policeyliche‘ Ordnung aufrechtzuerhalten und Steuern einzutreiben. Auch in seinem literarischen Werk geht es mitunter um Staatspolitik und politische Themen. Der Erzähler hat sich mehrfach mit politischen Vorstellungen befasst, nicht nur in der Ständebaum-Allegorie und in der Jupiter-Episode des Simplicissimus Teutsch, sondern auch im zweiten Teil des Satyrischen Pilgrams (5. Satz: „vom Stand grosser Herren“), in Simplicianischer Zweyköpffiger Ratio Status und in Der stoltze Melcher sowie in den sog. historischen Romanen, im Keuschen Joseph, im Musai und in Proximus und Lympida. Auf dem Titelblatt zu Dietwalt und Amelinde wird ein offenbar besonders geeigneter Leserkreis direkt angesprochen: „Den Politicis nützlich zulesen“. Nicht selten findet man in Grimmelshausens Œuvre Bezüge zur Politik und Anspielungen auf damals aktuelle politische Ereignisse.

Vor diesem Hintergrund sollen während der Tagung für Grimmelshausen relevante politische Diskurse der Frühen Neuzeit vorgestellt und kritisch diskutiert werden. Zu beleuchten sind etwa wirtschaftspolitische Konzepte des Frühabsolutismus, der Einfluss der Politik- und Staatslehren von Adam Contzen, Veit Ludwig von Seckendorff, Dietrich Reinkingk und anderen. Aristotelische Politiken, Regierungshandbücher und Fürstenspiegel können ebenso erhellend vorgestellt werden wie zeitgenössische Lehrbücher über ,gute Policey‘ und ,gute Ordnung‘ im Gemeinwesen. Grimmelshausens Auseinandersetzung mit Niccolò Machiavelli, die umstrittene Frage der Vereinbarkeit von Politik, Ökonomie und Moral, die Kontroverse um Staatsräson, das Normensystem der ,biblischen Policey‘ und der ,Politica christiana‘ sollen erörtert werden, um Politik und Politikverständnis des simplicianischen Autors genauer zu konturieren.

Die Tagungskapazitäten (27.–29.6.2019) sind begrenzt. Die Auswahl der Vorträge übernimmt eine vom Vorstand der Grimmelshausen-Gesellschaft eingesetzte Kommission. Für die ausgewählten Referenten können voraussichtlich die Reisekosten (im Inland) sowie die Übernachtungskosten erstattet werden.

Vortragsangebote bis 30.06.2018 bitte an:

Prof. Dr. Peter Heßelmann, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Germanistisches Institut, Abteilung Neuere deutsche Literatur, Schlossplatz 34, D-48143 Münster, E-Mailinfo@grimmelshausen.org

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Prof. Dr. Peter Heßelmann, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Germanistisches Institut, Abteilung Neuere deutsche Literatur, Schlossplatz 34, D-48143 Münster

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Mark-Georg Dehrmann] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu