ANK: Symposium "Roman-Theater! Wenn das Epische szenisch wird", Hamburg (22.04.2018)

Ortrud Gutjahr's picture

Am Sonntag, den 22. April 2018, findet in der Zeit von 10.30 - 17.00 Uhr im Hamburger Thalia Theater in der Gaußstraße das 20. Symposium der von Prof. Dr. Ortrud Gutjahr (Universität Hamburg) organisierten Reihe Theater und Universität im Gespräch statt. Dieses Mal werden sich die Vorträge, Diskussionen und Podiumsgespräche mit dem Phänomen von Romanadaptionen auf der Bühne beschäftigen.

Es ist evident, dass im Gegenwartstheater neben dramatischen Texten immer häufiger auch Bearbeitungen von Erzählungen, Romanen oder gar ganzen Romanzyklen inszeniert werden. Auch das Thalia Theater Hamburg greift seit Jahren bei der Zusammenstellung des Spielplans beherzt nach epischen Stoffen. Derzeit feiert es große Erfolge mit Romanadaptionen, die mit ihren transgenerational angelegten Familiengeschichten zugleich eindringlich über gesellschaftliche Umbrüche und Katastrophen des 19. und 20. Jahrhunderts erzählen. So ist mit Luk Percevals Projekt Trilogie meiner Familie eine hochgelobte dreiteilige Inszenierungsfolge zu sehen, die auf Bearbeitungen von Teilen des 20 Romane umfassenden Zyklus Die Rougon-Macquart von Émile Zola basiert. Mit Jette Steckels frenetisch gefeierter Inszenierung Das achte Leben (Für Brilka) ist eine Bühnenadaption des gleichnamigen Großromans der in Hamburg lebenden und eben mit dem Stipendium zum Lessing-Preis ausgezeichneten Autorin Nino Haratischwili zu sehen. Beide Inszenierungen verkürzen die geradezu ausufernde epische Breite der Romanvorlagen prägnant auf szenisch-dialogische Spielformate. Aber welche Verfahren der Bearbeitung sind es denn nun, die hier so erfolgreich Anwendung finden? Warum und seit wann hat das Theater einen so großen Hunger nach epischen Stoffen? Und auf was kommt es beim Umschreiben eigentlich an? Solchen Fragenkomplexen geht das Symposium im Austausch mit dem Publikum nach. Mit dabei sind der Intendant des Thalia Theaters, die Dramaturginnen, die auch die jeweilige Spielfassung erarbeitet haben, die Regisseurin der Bühnenadaption von Haratischwilis Roman und die Autorin selbst, ein Theaterkritiker, der die Entwicklung des zeitgenössischen Theaters seit Jahren beobachtet, sowie Wissenschaftler/innen, die zu epischen Texten und ihrer Transformation für die Bühne forschen. Sie alle stellen in Vorträgen und Diskussionen ihre Fragen, Überlegungen und Thesen zur Geschichte, Form, theatralen Attraktivität und gesellschaftlichen Relevanz des Roman-Theaters vor.

Veranstaltungsort ist das Thalia Theater in der Gaußstraße (Gaußstraße 190, Hamburg-Altona), Eintrittskarten sind über die Theaterkasse erhältlich.

Programm:

10.30 Uhr
Romane und Theater
Joachim Lux (Intendant Thalia Theater)

Romanadaptionen: Über die mediale Zirkulation von Stoffen
Ortrud Gutjahr (Universität Hamburg)

Romanbearbeitungen im Theater des 18. und 19. Jahrhunderts: Ausnahme- oder Regelfall?
Martin Schneider (Universität Hamburg)

Die schreckliche Familie. Genealogie und Amoral in Zolas Les Rougon-Macquart und Luk Percevals Inszenierung Trilogie meiner Familie
Marc Föcking (Universität Hamburg)

11.30 Uhr Diskussion
Beginn mit einem kurzen Werkstattbericht von Susanne Meister (Thalia Theater) zu Luk Percevals Inszenierung der Zola-Trilogie
Moderation: Susanne Meister

12.30 Uhr Mittagspause

13.30 Uhr
Mehrfach Erzähltes. Gründe für die Dramatisierung ›kanonischer‹ Romane
Birte Lipinski (Buddenbrookhaus Lübeck)

Widerstand, Wut und Weite. Ein paar Spekulationen zur Konkurrenz von Drama und Roman im Theater
Till Briegleb (Theaterkritiker)

Das achte Leben (Für Brilka). Dramatisches Erzählen in Nino Haratischwilis Roman und Jette Steckels Inszenierung
Barbara Müller-Wesemann (Theaterakademie Hamburg)

14.30 Uhr Diskussion
Beginn mit einem kurzen Werkstattbericht von Julia Lochte (Thalia Theater) zu Jette Steckels Inszenierung von Das achte Leben (Für Brilka) nach Nino Haratischwilis gleichnamigem Roman
Moderation: Ortrud Gutjahr

15.30 Uhr Kaffeepause

16.00 Uhr Spielszene aus Luk Percevals Inszenierung Trilogie meiner Familie nach Teilen des Rougon-Macquart-Zyklus von Émile Zola mit Tilo Werner und Gabriela Maria Schmeide
Spielszene aus Jette Steckels Inszenierung von Das achte Leben (Für Brilka) nach Nino Haratischwilis gleichnamigem Roman mit Maja Schöne und Sebastian Rudolph
Gespräch mit der Autorin Nino Haratischwili, der Regisseurin Jette Steckel und den Dramaturginnen Susanne Meister und Julia Lochte
Moderation: Ortrud Gutjahr


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu