CFP: Mittelmeer - Balkan - Orient – Identität, Alterität und Alienität in der deutschen Sprache, Literatur und Kultur, Dubrovnik (31.03.2017)

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Call for Papers

10. Jahrestagung des Südosteuropäischen Germanistenverbandes (SOEGV)

Dubrovnik, Kroatien – Inter University Centre (IUC), 14. bis 18. November 2017

 

Mittelmeer – Balkan – Orient

Identität, Alterität und Alienität in der deutschen Sprache, Literatur und Kultur

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

die Abteilung für Germanistik der Universität Zadar veranstaltet mit Unterstützung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum DiMOS der Universität Regensburg sowie dem Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literatur und Medien der Ludwig-Maximilians-Universität München vom 14. bis 18. November 2017 am Inter University Centre in Dubrovnik die 10. Jahrestagung des Südosteuropäischen Germanistenverbandes (SOEGV). Wir würden uns über zahlreichen Zuspruch insbesondere des wissenschaftlichen Nachwuchses sehr freuen.

Fremdheit und Andersheit sind fundamentale Kategorien des kulturell Imaginären: „Fremde Länder, unheimliche Monstren, mörderische Kriege oder soziale Unterschiede – Phänomene, die eine Befremdung und Verunsicherung hervorrufen oder eine Bedrohung auslösen und an denen sich eine eigene ‚Identität‘ durch Abgrenzung konstituieren lässt, bilden [...] eine der konstantesten und faszinierendsten Beschäftigungen“ (Lubrich 2004) insbesondere der Literatur, aber auch der Sprache und Kultur im Allgemeinen.

Wir wollen diesen Befund aufgreifen und ihn anhand der drei Diskursformationen ‚Orientalismus‘, ‚Balkanismus‘ und  ‚Mediterranismus‘ konkretisieren und spezifizieren.  In der sprach-, literatur- und kulturwissenschaftlichen Forschung bestehen bereits zahlreiche Ansätze zum Konzept des ‚Orientalismus‘ (Said 1978) im Allgemeinen wie im deutschsprachigen Raum im Besonderen; gleichwohl kann von keiner erschöpfenden germanistischen Beschäftigung mit dem ‚Orientalismus‘ gesprochen werden. Das Konzept des ‚Balkanismus‘ wurde zwar in den 1990er Jahren erstmals untersucht (Todorova 1997), jedoch weder historisch noch systematisch in Bezug auf die deutsche Sprache, Literatur und Kultur in Anschlag gebracht. Gleiches gilt für den ‚Mediterranismus‘, d.h. die sprachliche, literarische und kulturelle Imagination des Mittelmeeres. Dieses wurde bisher nur in vereinzelten Studien untersucht und auch hier steht die historische und systematische Erforschung in Bezug auf die deutsche Sprache, Literatur und Kultur noch aus.

Es gilt definitorisch und konzeptionell zwischen Fremdheit und Andersheit bzw. zwischen Alterität und Alienität zu unterscheiden – etwa so, dass Fremdheit als ‚übersetzbare Andersheit‘ (Alterität) angeeignet werden kann, ‚radikale Andersheit‘ (Alienität) jedoch absolut unzugänglich bleibt –, um sprachliche, literarische und kulturelle Vorstellungen, Urteile und Vorurteile über das ‚Mittelmeer‘, den ‚Balkan‘ und den ‚Orient‘ als das innere und äußere Eigene, Fremde und Andere Europas bzw. Südosteuropas zu untersuchen, ohne die geschichtlichen und gegenwärtigen Wirklichkeiten zu übergehen. Gerade heute, wo vom ‚Orient‘ aus über das Mittelmeer und die sogenannte ‚Balkanroute‘ zahlreiche Flüchtlinge den Weg in den ‚Okzident‘ suchen, scheint uns diese Problematik besonders brisant und wissenschaftlich virulent zu sein. Innovative Forschungsansätze würden nicht nur die genannten Desiderata und damit die Grundlagen für die weiterführende Forschung schaffen, sondern ebenso die Wechselbeziehungen zwischen den drei genannten Diskursformationen untersuchen.

Die Tagung ist in drei Sektionen aufgeteilt:

  1. In der Sektion Literatur- und Kulturwissenschaft sollen verschiedene deutschsprachige Texte und theoretische Modelle in Rücksicht auf literarische und kulturelle Imaginationen von  Mittelmeer, Balkan und Orient untersucht werden. Aufgrund der herrschenden Methodenvielfalt sind alle Ansätze willkommen. So wäre neben Hermeneutik, Strukturalismus und Dekonstruktion auch an die kritische Imagologie, die Ethnopoetologie, die Phänomenologie des Fremden und Anderen sowie an Identitäts-, Alteritäts- und Alienitätstheorien im Anschluss an die postkolonialistische bzw. postimperialistische Kultur- und Literaturwissenschaft zu denken.
  2. In der Sektion Sprachwissenschaft werden Beiträge aus unterschiedlichen linguistischen  Teilbereichen  erwartet. Neben kontrastiven, sprachgeschichtlichen und kontaktlinguistischen Untersuchungen sind insbesondere Beiträge aus der Diskurslinguistik, Onomastik, Pragmatik, Text- und Soziolinguistik erwünscht. Deren Methodologien lassen sich auf folgende mögliche Themen anwenden: Stereotype, Tabus, pejorative, apologetische und laudative Bezeichnungen, Euphemismen, Dysphemismen, Ausdrücke für positive und negative Bewertung, Ausdrücke für Emotionalität und Intensität, sowie Phraseologie und Parömiologie.
  3. In der Sektion Translatologie, DaF/DaZ-Didaktik und Landeskunde sind Beiträge erwünscht, die sich mit der inter- und transkulturellen Kommunikation auseinandersetzen, insbesondere in Hinsicht auf das Mittelmeer, den Balkan und den Orient als kulturelle Eigenheit, Fremdheit und Andersheit, mit Verstehen und Übersetzung sprachlicher und bildlicher Einheiten, Pejorativa, Apologetika und Laudativa, ggfs. auch in literarischen Werken oder audiovisuellen Medien. Die Erlernung und Übersetzung einer Fremdsprache lässt sich als Auseinandersetzung und Aneignung des Fremden und Anderen betrachten. Aus der Sicht des Lernenden/Lehrenden bzw. Übersetzers stellt sich gleichermaßen die theoretisch-abstrakte wie praxisbezogene Frage, ob Fremdheit und Andersheit der Aneignung fähig sind oder ob nicht eher ständige Auseinandersetzungen mit Fremdheit und Andersheit notwendig sind.

Die Anmeldung unter Angabe von Vor- und Nachname, akademischem Titel, Einrichtung, Vortragstitel mit Abstract (max. 250 Wörter) läuft ab sofort bis zum 31. März 2017. Die Dauer der Vorträge ist auf 20 Minuten mit 10 Minuten Diskussion im Anschluss beschränkt. Die Veröffentlichung eines Sammelbandes ist geplant.

Die Veranstalter bemühen sich, die Reise-, Unterkunfts- und Verpflegungskosten aller SOEGV-Mitglieder zu übernehmen, die einen Vortrag auf der Jahrestagung halten. Weitere Informationen dazu folgen. Die Tagungs- und SOEGV-Mitgliedschaftsgebühr für alle Teilnehmer/innen beträgt 50 Euro.

Bitte richten Sie Ihre Anmeldungen und Anfragen an die folgende E-Mail-Adresse:

soegv2017@unizd.hr

Tagungsausschuss:

  1. Prof. Dr. Hermann Scheuringer, FZ DiMOS, Universität Regensburg (Mitglied)
  2. Prof. Dr. Mario Grizelj, Institut für Deutsche Philologie, Ludwig-Maximilians-Universität München (Mitglied)
  3. Ao. Univ.-Prof. Dr. Anita Pavić Pintarić, Lehrstuhl für deutsche Sprache, Abteilung für Germanistik, Universität Zadar, Kroatien (Mitglied)
  4. Ao. Univ.-Prof. Dr. Zaneta Sambunjak, Lehrstuhl für deutsche Literatur, Abteilung für Germanistik, Universität Zadar, Kroatien (Mitglied)
  5. Ao. Univ.-Prof. Dr. Tomislav Zelić, Ph.D. USA, Lehrstuhl für deutsche Literatur, Abteilung für Germanistik, Universität Zadar, Kroatien (Vorsitzender)

München, Regensburg und Zadar, den 22. Dezember 2016

Im Namen des Tagungsausschusses

Ao. Univ.-Prof. Dr. Tomislav Zelić, Ph.D. USA

Stellvertretender Vorsitzender des SOEGV

 

Abteilung für Germanistik, Universität Zadar: www.unizd.hr/njemacki

FZ DiMOS, Universität Regensburg: www.uni-regensburg.de/forschung/dimos/

Lehrstuhl NdL und Medien, LMU München: http://www.ndl2.germanistik.uni-muenchen.de/personen/mitarbeiter/mgrizelj/index.html

IUC, Dubrovnik: www.iuc.hr

 


Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Nils Gelker] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu