CFP: Literatur im Ausnahmezustand – Themen und Strategien im Werk Kathrin Rögglas (31.01.2017)

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Literatur im Ausnahmezustand – Themen und Strategien im Werk Kathrin Rögglas

Bamberg, 20.-22. Juli 2017

Organisation: Prof. Dr. Friedhelm Marx, PD Dr. Julia Schöll

 

Die österreichische Schriftstellerin Kathrin Röggla übernimmt 2017 die 30. Bamberger Poetikprofessur. Spätestens seit ihren vielbeachteten literarischen Milieu- und Sprachstudien, etwa der Unternehmensberaterwelt in wir schlafen nicht (Roman, 2004) oder der gesellschaftlichen Katastrophensucht in die alarmbereiten (2010), gehört sie zu den kritischsten und meistbesprochenen Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Ihre Stücke – darunter fake reports (2002), worst case (2008), die beteiligten (2009), die unvermeidlichen (2011), Kinderkriegen (2012) und Der Lärmkrieg (2013) – wurden an renommierten deutschsprachigen Bühnen uraufgeführt, in zahlreiche Sprachen übersetzt und, wie ihre Hörspiele und Prosatexte, vielfach mit Preisen ausgezeichnet (u.a. 2004 mit dem Preis der SWR-Bestenliste für wir schlafen nicht, 2005 mit dem Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch, dem Franz-Hessel-Preis 2010 und dem Arthur-Schnitzler-Preis 2012).

Im Anschluss an die Bamberger Poetikprofessur findet vom 20. bis 22. Juli 2017 ein Kolloquium zum Werk von Kathrin Röggla statt, das den Topos des „Ausnahmezustands“ in den Blick nimmt. Rögglas Texte sind und thematisieren Ausnahmezustände: Sie präsentieren Krisen, Wirklichkeitsrisse, Störfälle, Untergangsbilder und setzen diese zugleich performativ um. Ob Natur- oder Klimakatastrophe, Wirtschaftskrise, Entführungsfälle oder die Auflösung von Privatsphäre – stets leben Rögglas Figuren in Erwartung des Unheils, in einer „Angstlust vor und an der Apokalypse“ (NZZ). Die Sehnsucht nach dem Nicht-Funktionieren lässt den Ausnahmezustand, fantasiert oder real, zum Normalzustand werden, in dem allenfalls die diversen Krisen in mediale Konkurrenz zueinander treten. Ein Leben jenseits der Ausnahme aber ist nicht mehr vorstellbar.

Kommunikative und mediale Erregung, die Krise und Ausnahmezustand begleiten und in Gang halten, bilden Rögglas Texte auch formal und stilistisch ab. Durch das Sprechen im Konjunktiv, durchgängige Kleinschreibung, Widerholungsschleifen, Sprachstörungen u.Ä. werden „die feinen Risse in der glatten Fassade von hochmodernen, rationalen, ausdifferenzierten Zivilgesellschaften“ (Berliner Zeitung vom 5.11.2016) sichtbar.

Für die Tagung suchen wir Beiträge, die dieser Doppelstruktur der „Ausnahme“ als gesellschaftlicher, politischer, juristischer Tatsache und zugleich formaler, sprachlicher, stilistischer Performance nachgehen. Erwünscht sind zum einen Vorträge, welche die Vielfältigkeit und Vielschichtigkeit der verschiedenen Textsorten, mit und in denen Röggla arbeitet, erkunden, zum anderen jedoch auch Beiträge, welche die Spezifik ihrer Texte im Kontext der Gegenwartskultur betrachten und intertextuelle wie intermediale Bezüge herstellen. Darüber hinaus freuen wir uns über interdisziplinäre Beiträge, die den „Ausnahmezustand“ als solchen aus verschiedenen Perspektiven beleuchten.

Das Kolloquium wird mit der letzten Poetikvorlesung von Kathrin Röggla am Donnerstag, den 20. Juli 2017, eröffnet. Am 21. und 22. Juli folgen Vorträge von Literaturwissenschaftler/innen, Theaterschaffenden, Literaturkritiker/innen sowie Sozial- und Rechtwissenschaftler/innen – im Dialog mit der Autorin, die am Kolloquium teilnimmt.

Die Tagungsbeiträge sollen publiziert werden, Fahrt- und Übernachtungskosten können voraussichtlich übernommen werden.

Bitte senden Sie bis zum 31. Januar 2017 ein Abstract für einen 30-minütigen Vortrag (ca. 300 Wörter) sowie einen kurzen wissenschaftlichen CV an folgende Adressen:

friedhelm.marx@uni-bamberg.de

julia.schoell@uni-bamberg.de

 

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Alexander Nebrig] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu