KONF: Regionale und korporative Identitäten und historische Diskontinuität, Ústí nad Labem (26.-28.04.2018)

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KONF: Regionale und korporative Identitäten und historische Diskontinuität

26.–28. April 2018

Institut für Germanistik J. E. Purkyně-Universität in Ústí nad Labem

Ort: Philososphische Fakultät, Pasteurova 13, 400 96 Ústí nad Labem, Raum A 316

Die Teilnahme an der Tagung ist offen und kostenfrei für alle Interessierten.

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Wissenschaftlicher Beirat: Dr. habil. Renata Cornejo (Ústí nad Labem), Dr. habil Kristina Kaiserová (Ústí nad Labem), Prof. Dr. Marek Nekula (Universität Regensburg), Prof. Dr. Manfred Weinberg (Karls-Universität Prag)

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Städte, Gemeinden, Vereine, aber auch Firmen samt ihrer berühmten Marken werden als relativ beständige Subjekte inszeniert, deren Image oft auf ihrer Tradition beruht. Der an manchen Orten in der Grenzregionen Tschechiens fast vollständige Bevölkerungsaustausch bedeutete für die davon betroffenen Städte, Institutionen oder Firmen einen beträchtlichen Einschnitt in die Kontinuität ihrer Entwicklung.

Von daher ist zu fragen: Wie gehen die Städte, Gemeinden, Vereine und Firmen mit dem Thema Vertreibung und der Diskontinuität ihrer Geschichte um? Wie wird ihre Selbstdarstellung in den repräsentativen historischen Publikationen, Informations- und Propagationsmaterialien und öffentlichen Feierlichkeiten durch die Diskontinuität des Bevölkerungstransfers geprägt? Und wie werden dabei auch ihre Darstellungen in Stadtromanen, Regionalliteratur usw. genutzt und (um)gedeutet?

Während die erinnerungspolitische Gestaltung des öffentlichen Raumes, vor allem durch die Errichtung von Denkmälern sowie Gedenk- und Jubiläumsfeiern, in den letzten Jahren große Aufmerksamkeit von Kulturwissenschaftlern, Soziologen und Historikern auf sich gezogen hat, wurde die narratologische und semiotische Analyse der identitätsstiftenden Selbstdarstellungen der Städte und Korporationen nur selten berücksichtigt. Es sind aber gerade die historischen Darstellungen, die Informations- und Propagationsmaterialien und die für die Selbstinszenierung herangezogenen fiktionalen Texte, die das Hauptgewicht der Konstruktion einer beständigen Identität tragen, die den Umgang mit der Diskontinuität einschließt.

Erst die darin enthaltenen oder herangezogenen narrativen Konstruktionen vermögen den radikalen historischen Bruch in der Identität aufzuarbeiten und die die Identität bedrohende Diskontinuität zu überbrücken. Das Ziel des Symposiums ist, die Strategien der Selbstinszenierung von Städten, Institutionen und Firmen in den Grenzregionen Tschechiens anhand solcher Narrative und mittels einer semiotischen Analyse ihrer Selbstdarstellungen zu rekonstruieren.

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Programm

Donnerstag, 26. April 2018 

16:30 Uhr       Registrierung

17:00 Uhr       Eröffnung

17:15 Uhr       Keynote Lecture – Mirek Němec (UJEP Ústí nad Labem): Ein Kessel Buntes von Raumkonzepten 

18:00 Uhr       Kleines Buffet

 

Freitag, 27. April 2018

Politik und Erinnerung 

9:00 Uhr         Maik Schmerbauch (Berlin): Das Breslauer Außenarchiv und das Schlossmuseum auf dem Schloss Johannesberg 1929–1938

9:30 Uhr         Jan Budňák (MU Brno): Brünner Textilfabriken am Übergang in die kommunistische Zeit (1945–1965)

10:00 Uhr       Lukáš Novotný (UJEP Ústí nad Labem): Grenze und ihr Einfluss auf die regionale Identität und regionale Planung im deutsch-
                       tschechischen Grenzgebiet

 

10:30 Uhr       Kaffeepause

 

Gedächtnis der Landschaft 

11:00 Uhr       Václav Smyčka (AV ČR Praha): Die wiederentdeckte transkulturelle Geschichtlichkeit der Grenzregionen als Subversion,      
                      Marketingstrategie und Staatsinteresse

11:30 Uhr       Marek Bohuš (UP Olomouc): Ausgewählte Gemeinden im Odergebirge und die „deutsche Vergangenheit“ als Bestandteil ihrer
                       Identität

 

12:00 Uhr       Mittagessen

 

„Histourismus“ und Stadtnarrative

13:30 Uhr       Elisabeth Fendl (IVDE Freiburg): Der Becherplatz in Karlovy Vary/Karlsbad als „historistischer“ Ort

14:00 Uhr       Ladislav Futtera (AV ČR Praha): „...ein gewisser Rübezahl durchs Riesengebirge zu geistern hatte“. Rübezahl als Identitäts- und
                       Erinnerungsbegriff 

14:30 Uhr       Jana Nosková / Sandra Kreisslová (AV ČR Brno / ČZU Praha): Erinnert oder vergessen? Der Umgang mit der Vertreibung der
                       Deutschen in Brno und Chomutov

15:30 Uhr       Treffpunkt: Foyer der Philosophischen Fakultät: Stadtrundgang zur Burg Schreckenstein, gemeinsames Abendessen mit
                       Weinverkostung

 

Samstag, 28. April 2017

„Erweiterte” Chronotope

9:00 Uhr        Zdeněk Mareček (MU Brno): Die Vertreibung der Brünner Deutschen in Erinnerungen von Dušan Jeřábek, Milena Flodrová, Milan
                      Uhde und Pavel Švanda. Ein Beitrag zum Umgang mit der Diskotinuität der Geschichte meiner Stadt

9:30 Uhr        Martin Maurach (SU Opava): Ansichtskarten von Troppau vor 1945, betrachtet in Opava 2018      

 

10:00 Uhr       Kaffeepause

 

Es war im Böhmerwald…  

10:30 Uhr       Petr Kučera  (ZU Plzeň): Neuerner Museum und Heimatarchiv in Neukirchen b. Hl. Blut und Heimatkundemuseum Nýrsko. Zur
                       semiotischen Analyse von Webseiten und Publikationen

11:00 Uhr       Ingrid Hudabiunigg (Univerzita Pardubice): Historische Kontinuität und Diskontinuität in der Selbstinszenierung Pilsens als
                       Kulturhauptstadt 2015

11:30 Uhr       Abschlussdiskussion

12:00 Uhr       Abschluss der Tagung

Kontakt: renata.cornejo@yahoo.de

 

Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Alexander Nebrig] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu