CFP: Neue Perspektiven einer kulturwissenschaftlich orientierten Literaturdidaktik, Paderborn (01.05.2018)

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Neue Perspektiven einer kulturwissenschaftlich orientierten Literaturdidaktik, Paderborn (20.-22.11.2018)

Wissenschaftliche Tagung vom 20. bis 22. November 2018 am Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Paderborn (Lehrstuhl für Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik)

Neuere Tendenzen der Literaturdidaktik befassen sich mit Fragen der Leseförderung und der Kompetenzorientierung sowie mit empirischen Forschungen zu didaktischen und methodischen Fragestellungen. Die Literaturdidaktik versteht sich als eigenständige Disziplin, die sich ihre Forschungsperspektiven nicht von der Literaturwissenschaft vorgeben lassen will. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob die skizzierten Tendenzen der literaturdidaktischen Forschung nicht Gefahr laufen, das genuine Potential der Literatur für die schulische Bildung, die Persönlichkeitsentwicklung und die Sozialisation und Enkulturation junger Menschen zu verfehlen. Die Literaturwissenschaft hat mit dem »cultural turn« und mit vielen weiteren »turns« den Bezug der Literatur zu verschiedenen Aspekten menschlicher Lebensvollzüge und zu wichtigen historischen und gesellschaftlichen Entwicklungen herausgestellt. Hierbei stellen unter anderem Diskussionen um »Heimat« und »kulturelle Identität«, aber auch um Flucht und Migration gesellschaftliche Herausforderungen dar, die auch die Debatten um die Bedeutung von Literatur in neuer Weise prägen. Die geplante Tagung will nicht zurück zu didaktischen Konzepten, die dogmatisch und unreflektiert den Wert von Literatur behaupten; sie will vielmehr unter Rückgriff auf bereits bestehende Anregungen und durch die Entwicklung neuer Perspektiven die Frage stellen, wie aktuelle Entwicklungen der Literaturwissenschaft als Kulturwissenschaft in didaktischer Perspektive fruchtbar gemacht werden können. Dabei geht es einerseits darum, traditionelle Konzepte und Fragestellungen neu zu modellieren und andererseits darum, neuere kulturwissenschaftliche Konzepte in die literaturdidaktische Diskussion einzuführen. So sind neuere Perspektiven der kulturwissenschaftlich orientierten Literaturwissenschaft wie der Problemkreis des kulturellen Gedächtnisses, der Genderforschung und der interkulturellen, transkulturellen und postkolonialen Literaturwissenschaft in didaktischer Perspektive zu reflektieren. Es geht also darum, neben die Forschungen zur Kompetenzorientierung und zur empirischen Literaturdidaktik aktuelle Facetten des Literarischen in didaktischer Perspektive zu überdenken und auf diese Weise das Gespräch zwischen Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik neu zu beleben.

Die hier skizzierten Fragen sollen auf einer wissenschaftlichen Tagung vom 20. bis zum 22. November 2018 diskutiert werden. Wir laden interessierte Kolleginnen und Kollegen herzlich ein, sich an diesem Treffen mit einem ca. 25-minütigen Vortrag zu beteiligen. Ebenso laden wir Doktorandinnen und Doktoranden ein, einschlägige Projekte auf der Tagung vorzustellen.

Als mögliche Reflexionsfelder und Fragestellungen werden vorgeschlagen:

1. Kulturelles Gedächtnis
– Kulturelles Gedächtnis und Weltwissen
– Kulturelles Gedächtnis und politisch-ethische Verantwortung (Shoah, Armenien)
– Kulturelles Gedächtnis und Literaturgeschichte
– Kulturelles Gedächtnis und Kanon

2. Gender
– Literatur und Gender
– Weiblichkeitsdiskurse von Lessing bis Büchner
– Weiblichkeitsdiskurse im 19. und 20. Jahrhundert und in der Gegenwartsliteratur
– Männlichkeitsdiskurse in der deutschsprachigen Literatur
– Gender und Kanon
– Gender im Gedächtnis

3. Interkulturalität, Transkulturalität und Postkoloniale Studien
– Migrationsliteratur
– Interkulturelle und transkulturelle Perspektiven der klassischen deutschen Literatur (Lessing, Goethe ...)
– Kolonialismus in der deutschsprachigen Literatur
– Postkoloniale Texte der deutschsprachigen Literatur (Morenga, Der Weltensammler)
– Inter- und transkulturelle Literatur und interreligiöser Dialog
– Inter- und Transkulturalität und postkoloniale Konzepte im Kontext der Kanon- und Genderforschung

4. Zur gesellschaftlichen Relevanz von Literaturdidaktik
– Schulische und Öffentliche Didaktik
– Aktuelle Debatten um kulturelle Identität
– Aktuelle Debatten um Flucht und Migration

Wir bitten um die Einreichung eines themenbezogenen Exposés im Umfang von max. 500 Wörtern (PDF) zusammen mit einem kurzen Lebenslauf und Kontaktdaten (Email, Postadresse) bis zum 01.05.2018 an folgende Adressen:

Prof. Dr. Michael Hofmann: mhofmann@mail.upb.de
Miriam Esau, M.A.: miriames@mail.uni-paderborn.de
Prof. Dr. Sigrid Thielking: sigrid.thielking@germanistik.uni-hannover.de

Die eingesandten Vortragsvorschläge werden begutachtet. Eine Benachrichtigung über die Annahme erfolgt bis zum 30.06.2018.

Wir bemühen uns um die Erstattung von Reisekosten und Übernachtung.

Eine Publikation ist für 2019 im Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg, geplant.


Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Johannes Schmidt] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu