CFP: Die Welt und Afrika – Neue Wege interkultureller Sprach- und Literaturforschung, Ouidah (25.02.2018)

Friederike Heinz's picture

 

Die afrikanischen Länder zeichnen sich durch Besonderheiten aus, von denen auch andere Regionen der Welt lernen bzw. die exemplarisch auch für andere Regionen der Welt mit vergleichbaren Charakteristika betrachtet werden können. 

Dazu gehört die Frage nach der Stellung der deutschen Sprache, Literatur und Kultur in multilingualen Umfeldern mit Französisch, Englisch und afrikanischen bzw. indigenen Sprachen und Kulturen sowie entsprechenden interkulturellen Prozessen. Zu untersuchen ist u.a., ob bzw. inwiefern die deutsche Sprache zu den Möglichkeiten gehört, einen Austausch zwischen anglophon und frankophon dominierten Ländern zu fördern und so einen Beitrag zur Überwindung der Kluft zu leisten, die etwa in Bezug auf Bildungstraditionen sowie ökonomische Perspektiven besteht. Im Hintergrund stehen hierbei generelle Fragen wie die, ob die Verwendung „dritter Sprachen“ dazu beitragen kann, Kommunikationshemmnisse zu mindern. 

Die mögliche Stellung des Deutschen als Fremd-, Zweit- und Muttersprache in mehrsprachigen Umfeldern sowie sprach- und bildungspolitische Perspektiven solcher Länder, die – wie die afrikanischen – sich in dynamischen Entwicklungsprozessen befinden, stehen deswegen im Fokus der Tagung. Es gilt, Optionen möglicher Zukünfte und internationale Deutungsperspektiven zu sondieren sowie „Sprach- und Kulturszenarien“ zu entwickeln. Da mit Togo ein Land involviert ist, das eine deutsche Kolonialgeschichte hat, was im Nachbarland Benin nicht der Fall ist, lassen sich insbesondere Bezüge zu den andauernden Nachwirkungen des Kolonialismus herstellen. 

Inwiefern Dynamiken der Veränderung auch Europa betreffen, war Thema der GiG-Tagug 2017 („Europa im Übergang“). Exemplarisch ist die oben skizzierte (west-)afrikanische Situation auch für den deutschsprachigen Raum hochrelevant. In Deutschland und Österreich wird die Frage des Deutschen in mehrsprachigen Umfeldern bislang weniger in den Blick genommen, in der Schweiz verhält sich dies selbstverständlich anders. Insbesondere fehlt bisher aber eine intensive sachliche Auseinandersetzung mit eventuellen positiven, aber auch negativen Funktionen deutschen Sprachgebrauchs gerade in mehrsprachigen Umgebungen. Da jedoch die Zusammenhänge von politischen und kommunikativen Stilen derzeit weltweit so offenkundig sind, wie schon lange nicht mehr, ist 

es dringend geboten, Stärken und Schwächen verschiedener ein- und mehrsprachiger Kommunikations- und Diskursstile systematisch zu reflektieren. 

Deswegen ist es ein Anliegen, die internationalen Germanisten, die Fachvertreterinnen und –vertreter der anglophonen und frankophonen Länder Westafrikas ebenso wie die Kolleginnen und Kollegen aus Nord-, Ost- und Südafrika einschließlich der sprachvermittelnden Einrichtungen mit dem vorliegenden Call for papers breit anzusprechen. 

Dabei kann der Küstenort Ouidah in Benin als eine passende Kulisse für die Aushandlung der Interkulturalität gesehen werden. Der Ort spielte eine zentrale Rolle im transatlantischen Sklavenhandel: Schätzungsweise eine Million afrikanischer Sklaven wurden von hier aus auf den amerikanischen Kontinent verschifft. Durch dieses dunkle Kapitel der Menschheitsgeschichte wurde gemeinsame Geschichte des europäischen, afrikanischen und amerikanischen Kontinents geschrieben. Heute ist Ouidah ein wichtiger Erinnerungsort nicht nur für viele Afroamerikaner, sondern auch für Afrikaner, Europäer u.a. Es drängt sich an dieser Stelle die Frage nach dem Einfluss der deutschen Akteure bzw. der deutschen Kultur und Sprache bei interkulturellen Konstellationen auf, zumal sich die deutschsprachigen Länder insgesamt als einer der aktivsten Protagonisten des transatlantischen Sklavenhandels und mithin der weltweit laufenden interkulturellen Prozesse erwiesen haben. Diese beninische Stadt kann aber auch als Beispiel für religiöse Vielfalt angesehen werden: Das Christentum, der Islam und Voodoo-Kulte können hier offen nebeneinander friedlich praktiziert bzw. ausgelebt werden. 

Erwünscht sind im Rahmen der Tagung nicht nur Beiträge aus dem Horizont einer (kulturwissenschaftlich ausgerichteten) Literaturwissenschaft, sondern in besonderer Weise auch Beiträge aus den Bereichen der Kulturwissenschaft, der Linguistik bzw. Mehrsprachigkeitsforschung, der Didaktik von Deutsch als Fremdsprache und der Translationswissenschaft sowie anderer verwandter Disziplinen. Zur Sprache sollen insbesondere folgende Aspekte kommen: 

 

Literatur: Jenseits der Boatpeople! Aktuelle Utopien zwischen Globalität und isolationistischen Tendenzen 

Interkulturalität und Mehrsprachigkeit gehen Hand in Hand mit Globalisierungsprozessen, deren Folge sie sind. Diese Prozesse laufen jedoch nicht immer reibungslos, denn die an ihnen beteiligten Partner sind nicht zwangsläufig gleichberechtigt, vielmehr werden schwächere Partner oft benachteiligt. 

Es gibt demzufolge bei Globalisierungsprozessen Gewinner und Verlierer. Hinzu kommt auch die Feststellung, dass nicht unbedingt jeder Partner bereit ist, seine eigene Identität bei diesen Prozessen auszuhandeln. In dieser Hinsicht wird gegen Globalisierungsprozesse meistens Widerstand geleistet. Ein solcher Widerstand kommt in den isolationistischen Tendenzen gegenüber der Globalisierung zum Ausdruck. Diese Tendenzen äußern sich konkret in dem weltweiten Aufstieg von Nationalismus, Fundamentalismus, Kommunitarismus und Xenophobie. 

Der Blick auf das Fremde scheint sich in diesem Kontext wieder zu verengen, in der europäischen Wahrnehmung wird beispielsweise der afrikanische Kontinent weiterhin auf seine Rückständigkeit reduziert. Im Zuge der Flüchtlingsdiskurse rückt das Bild der Boatpeople wieder in den Vordergrund. 

In dieser Sektion soll darauf eingegangen werden, inwiefern Literatur solche Konstellationen nicht nur reflektiert, sondern auch an diesen partizipiert. Erfragt sind besonders Beiträge, die sich mit der Analyse und Interpretation von Texten aus der deutschen bzw. deutschsprachigen Literatur und aus der interkulturellen Literatur (Migrantenliteratur, Exilliteratur, Reiseliteratur, Weltliteratur, postkoloniale Literatur etc.) beschäftigen. 

 

Kulturstudien: Kulturbegegnungen und Kulturtransfer 

Koloniale und postkoloniale Gesellschaften sind Ort der Kulturbegegnungen, des Kulturtransfers und des Kulturaustausches. Bei solchen kulturellen Zusammenhängen kommt es häufig zu interkulturellen Prozessen, welche allerdings unter den Bedingungen kultureller Hegemonie performt werden und zu Konflikten kultureller Provenienz führen. 

Wie verhalten sich Kulturen bei Begegnungen zueinander? Welche Konflikte tauchen dabei auf? Unter welchen Voraussetzungen entsteht ein hegemoniefreier und gleichberechtigter Dialog zwischen den teilhabenden Kulturen? Wie kann interkulturelle Kommunikation zwischen Akteuren der Kulturbegegnungen gefördert werden? 

Erwartet sind hier Beiträge aus der Kulturwissenschaft und interkulturellen Kommunikationswissenschaft, die sich mit den oben gestellten Leitfragen befassen und dabei Zeugnis von den Situationen der Kulturbegegnungen und des Kulturtransfers im u.a. postkolonialen Kontext ablegen. Besonders erwünscht sind also empirische Studien zu einem solchen Kulturphänomen. 

 

Linguistik: Interkulturelle und kontrastive Linguistik in mehrsprachigen/afrikanischen Kontexten (Lehre und Forschung) 

Die Mehrsprachigkeit bzw. der Sprachkontakt schafft einen günstigen Rahmen für Interkulturalität. Mehrsprachige Räume bilden in diesem Zusammenhang einen guten Nährboden für die Entfaltung und für die Äußerung von interkulturellen Kompetenzen. Deutschunterricht (etwa in Afrika), dessen Hauptziele u.a. die Förderung von Interkulturalität sein sollen, erfolgt meistens im Kontext von Mehrsprachigkeit. 

Aufgrund der zentralen Rolle der Sprache bzw. der Mehrsprachigkeit bei der Entstehung von Interkulturalität, wäre es aufschlussreich, didaktische Ansätze herauszuarbeiten, bei denen Ressourcen der Mehrsprachigkeit zunutze gemacht werden können, damit die interkulturellen Zielsetzungen des fremdsprachlichen Deutschunterrichts optimal erreicht werden können. Es gilt darüber hinaus, künstlerisch-ästhetische, sprachentwicklungsbezogene, soziale, ökonomische und politische Auswirkungen der Mehrsprachigkeit genau zu untersuchen. Dabei ist es von besonderem Interesse, die Sprachenpolitik in mehrsprachigen Ländern zu analysieren: Welche Rolle kann Deutsch dabei spielen bzw. inwiefern kann auch die Germanistik dazu beitragen, die Mehrsprachigkeit zu fördern? 

Von der Linguistik, den Translationswissenschaften und aus dem DaF/DaZ-Bereich sind u.a. neue Forschungsansätze zu Übersetzung und Dolmetschen, zu Mehrsprachigkeit und Sprachentwicklung (Sprachkontakte und Sprachkonflikte in Grenzräumen) erwünscht. U.a. soll geklärt werden, inwiefern und unter welchen Begleitumständen in Sprachkontaktzonen, Varietäten, Pidgin- und Kreolsprachen, Code-Switchen etc. generative Funktionen für kulturelle und literarische Übergänge haben und inwiefern sie soziale, ökonomische und politische Transfers begünstigen oder aber auch Konflikte bedingen. 

Untersuchungen zum Kulturraum des Tagungsortes sind dabei sehr willkommen; wie immer auf den Tagungen der Gesellschaft für interkulturelle Germanistik soll aber deren weltweite Vernetzung und intra-inter-und transdisziplinäre Vielfalt dafür genutzt werden, um eine Vielzahl unterschiedlicher Zeiten, Räume und Medien und damit verbundener interkultureller Konstellationen und theoretischer Konzeptualisierungen in den Blick zu nehmen. 

 

Die einzelnen Vorträge sollen eine Länge von 20 Minuten nicht überschreiten; vorgesehen ist eine anschließende Diskussion von jeweils 10 Minuten. Abstracts im Umfang von max. einer DIN-A-4-Seite (Times New Roman 12, ca. 2500 Zeichen inkl. Leerzeichen) können gerne ab sofort (inkl. E- Mail-Adresse) bei den Organisatoren der Tagung eingereicht werden, müssen diese aber spätestens bis 25. Februar 2018 erreichen: 

Ahouli Akila: ahoulia@yahoo.com 

Friederike Heinz: daad.benin@gmail.com 

Simplice Agossavi:agossavis@yahoo.fr 

CC an Gesine Schiewer: gesine.schiewer@uni-bayreuth.de 

Über die Annahme der Beitragsvorschläge wird bis Anfang März 2018 entschieden werden. 

Eine Veröffentlichung ist vorgesehen. 

Eine Homepage zur Tagung befindet sich im Aufbau; über deren Internetadresse wird rechtzeitig unterrichtet. Erhoben wird eine Tagungsgebühr (70 €/ 50 €/ 25 €), die neben Verpflegung die Kosten für Ausflüge und Abendveranstaltungen enthält. 

(Die ermäßigte Tagungsgebühr gilt für alle GiG-Mitglieder / Die ermäßigte Teilnahmegebühr gilt für alle vortragenden Promovierenden).

Reise- und Übernachtungskosten können von den Veranstaltern leider nicht übernommen werden. Wir bitten Sie daher, sich rechtzeitig selbst um eine Finanzierung zu bemühen bzw. zu kümmern. Referentinnen und Referenten, die an einer deutschen Universität unterrichten, können sich beim DAAD um eine Unterstützung bewerben. Die GiG wird einen Antrag für Mitglieder aus DAC-Ländern beim DAAD stellen. 

(http://www.daad.de/imperia/md/content/entwicklung/dac-liste.pdf

Informationen zu Ouidah 

http://www.cotonou.diplo.de/Vertretung/cotonou/de/04/Touristisches/seite__ouidah.html 

Ort der Tagung 

Diaspora Hotel Ouidah und Djegba Hotel Ouidah 

Übernachtungsmöglichkeiten 

Diaspora Hotel: http://www.diasporahotels.com/ 

Djegba Hotel: http://www.hoteldjegba.com/index.php/en/ 

Anreise 

Über den Flughafen Cotonou/ Benin. Zahlreiche internationale Fluggesellschaften fliegen den Flughafen Cotonou an (Airfrance, Brüssel Airlines, Ethiopian, South African Airlines, Royal Air Maroc etc.). Es wird einen Shuttleservie vom Flughafen Cotonou zum Tagungsort in Ouidah geben, ebenso wie vom Hotel zum Tagungsort. 

Kosten für die Übernachtung: verschiedene Standards, zwischen 15€ und 45 €/Nacht. Hotelreservierung und Buchung wird durch die Veranstalter übernommen. 


Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Johannes Schmidt] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu