CFP: Verkörperte Konzepte – Personifikationen als Träger religiösen Wissens in Kunst und Literatur der Vormoderne, Tübingen (30.06.2018)

Michael Neumaier's picture

22.-23.11.2018, Universität Tübingen

Veranstalter: Mariam Hammami und Michael Neumaier, Graduiertenkolleg "Religiöses Wissen im vormodernen Europa (800-1800)"

 

Abstrakten Begriffen durch Personifikation eine körperliche Gestalt und eine Stimme zu geben, ist ein seit der Antike bekanntes ästhetisches Verfahren in Kunst und Literatur. Dieses diente nicht nur der Verlebendigung und der Überzeugung des Hörers bzw. Betrachters, wie es in Rhetoriktraktaten von der Antike bis in die Frühe Neuzeit formuliert wird. Die Übertragung eines abstrakten Begriffs in eine konkrete körperliche Gestalt leistete auch eine Veranschaulichung und Ordnung des jeweiligen Konzepts und der damit verbundenen Wissensbestände. Dieses Verfahren konnte damit zugleich zur Aktualisierung, Erzeugung und Transformation von Wissen beitragen. Grundlage des Workshops ist demnach ein Personifikationsbegriff, der dieses ästhetische Verfahren nicht einfach als Wiederholung der immer gleichen Gestaltungsmittel und Attribute versteht, sondern ihm ein eigenes epistemisches Potential beimisst.

Der Workshop nimmt insbesondere Formen, Strategien und Funktionen der Verkörperung von Konzepten in den Blick, die sich dem für die Vormoderne so bedeutenden Bereich des religiösen Wissens zuordnen lassen. Dazu zählen philosophisch-theologische Konzepte wie Tugenden und Laster („Glaube“, „Gerechtigkeit“, „Neid“ usw.) oder abstrakte Begriffe („Wahrheit“, „Kirche“ etc.). Doch auch Personifikationen aus den Bereichen der Natur, Wissenschaft oder den Künsten können auf verschiedene religiöse Wissensbestände bezogen sein. Da diese Wissensbestände ihrerseits fortwährenden Veränderungen, Anpassungen und Aushandlungen unterworfen sind, liegt die Frage nahe, welche Konsequenzen die stattfindenden Transformationsprozesse für die visuelle und sprachliche Verkörperung der jeweiligen Konzepte hatten.

Die Beiträge des Workshops können konkrete Beispiele aus allen Medien und Genres der Kunst und Literatur thematisieren. Gegenstand der Vorträge können aber auch theoretische Reflexionen über die Verkörperung von Abstrakta, etwa in kunsttheoretischen oder poetologischen Schriften, sein. Fragestellungen, die dabei im Vordergrund stehen können, sind z. B.:

  • Wie vermitteln, erzeugen, ergänzen oder verändern die jeweiligen Personifikationen (religiöses) Wissen? Welche Absicht wurde damit verfolgt? Welche Funktionen und Strategien waren leitend?
  • Welche Rolle spielte der konkrete Entstehungs- und Rezeptionskontext eines Werkes für die Gestaltung der Personifikation und die Wahl eines bestimmten Mediums?
  • Welche Konsequenzen hatte die veränderte Bedeutung oder Interpretation eines Konzepts für dessen Personifikation? Welches Verhältnis von (ikonographischer, literarischer, theologischer…) Tradition und Transformation ist zu beobachten?
  • Welche Eigenlogiken, Probleme oder Reibungspunkte entstanden bei der Übertragung des Abstraktums in eine konkrete körperliche Gestalt? Wie wurden diese reflektiert?

Der interdisziplinäre Workshop richtet sich insbesondere an Nachwuchswissenschaftler*innen aus allen geisteswissenschaftlichen Disziplinen. Um ein intensives interdisziplinäres Gespräch zu fördern, sollen die Vorträge jeweils auf der Basis formulierter Thesen oder Fragestellungen der Vortragenden ausführlich diskutiert werden.

Wir freuen uns über Ihren Vorschlag für einen 20minütigen Vortrag (max. 500 Wörter). Bitte senden Sie diesen bis zum 30.6.2018 zusammen mit einer Kurzbiographie (max. 300 Wörter) an michael.neumaier@uni-tuebingen.de und mariam.hammami@uni-tuebingen.de.

 

Reise- und Übernachtungskosten werden voraussichtlich übernommen.

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an:

 

Michael Neumaier

Eberhard Karls Universität Tübingen

Graduiertenkolleg 1662 „Religiöses Wissen im vormodernen Europa“

E-Mail: michael.neumaier@uni-tuebingen.de

Tel.: +49 (0)7071 / 29-77334

 

oder

 

Mariam Hammami

Eberhard Karls Universität Tübingen

Graduiertenkolleg 1662 „Religiöses Wissen im vormodernen Europa“

E-Mail: mariam.hammami@uni-tuebingen.de

Tel.: +49 (0)7071 / 29-77316                                                                

 

Nähere Informationen zum Graduiertenkolleg „Religiöses Wissen“ auf: http://www.uni-tuebingen.de/forschung/forschungsschwerpunkte/graduiertenkollegs/gk-religio....

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Constanze Baum] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu