KONF: Über/In Freundschaft schreiben: Gelebte und literarisch inszenierte Freundschaften in der deutschsprachigen Literaturgeschichte, Frankfurt an der Oder (14.2.2018)

Erik Schilling's picture

Ort und Zeit:

Europa-Universität Viadrina, Frankfurt an der Oder
14.02.2018, 15h bis 16.02.2018, 13h
Raum: Senatssaal
Organisation: Dr. Andree Michaelis-König (EUV), PD Dr. Erik Schilling (LMU München)

 

Konzept der Tagung:

Freundschaft ist nicht nur eine bis heute omnipräsente soziale Bindungsform, sie firmiert auch seit je als „Steckenpferd der Romanschreiber“ (Kant). In den Blick genommen werden kann das Thema daher aus einer doppelten literatur​geschichtlichen Perspektive: Zum einen lassen sich Freundschaften biographisch und diskursgeschichtlich als Quelle literarischer Produktivität betrachten; zahlreiche große Werke der Literaturgeschichte wurden im Gespräch mit Freundinnen und Freunden erarbeitet. Zum anderen können die Verhandlungen von Freundschaft in der Literatur, im Schreiben selbst, nachgezeichnet werden, seien sie in genuin fiktionaler Form verfasst (z.B. als Roman, Drama oder Gedicht), seien sie als semi-fiktionale Dokumente greifbar (z.B. als Brief). Leitende These ist, dass gerade die literarisch imaginierte Reflexion von Freundschaft einen spezifischen Zugang zum Freundschaftsdiskurs der Moderne erlaubt.

Auf der Basis dieser doppelten Perspektivierung bietet die Tagung eine literaturgeschichtliche Verhandlung des Themas ‚Freundschaft‘, wie es sowohl für die Produktion von Literatur als auch als Motiv in der deutschen Literatur über Jahrhunderte von zentraler Bedeutung ist, doch bisher kaum untersucht wurde. Dabei steht eine Reihe von Aspekten im Fokus der Aufmerksamkeit, etwa der Zusammenhang von Freundschaft, Liebe und Geschlecht, die Freundschaft unter und mit Frauen sowie die Bedeutung von Freundschaft in Zeiten der Verfolgung.

Gäste sind herzlich willkommen!

 

Ablaufplan:

Mittwoch, 14. Februar

15.00 Andree Michaelis-König (Frankfurt/O.), Erik Schilling (München): Begrüßung und Einführung

 

I. Konzepte der Freundschaft

Moderation: Erik Schilling (München)

16.00 Barbara Hahn (Berlin/Vanderbilt): Apolitisch versus Welt erzeugend – Hannah Arendt über Liebe und Freundschaft

16.40 KAFFEEPAUSE

17.10 Andreas Kraß (Berlin): Karl May und Winnetou. Männerfreundschaft als gelebte Fiktion

17.50 Jennifer Clare (Hildesheim): Schreibende Freunde. Literarische Zusammenarbeit im 19. Jahrhundert aus der Perspektive der Schreibforschung

18.30 EMPFANG

 

Donnerstag, 15. Februar

II. Formen und Praktiken der Freundschaft um 1800

Moderation: Hannah Lotte Lund (Frankfurt/O.)

09.30 Jana Kittelmann (Halle): Adelheid von Carolaths (Brief-)Freundschaft mit Rahel Levin Varnhagen

10.10 Luisa Banki (Wuppertal): Werk und Eigensinn. Esther Gad liest und schreibt Jean Paul

10.50 KAFFEEPAUSE

 

III. Männer- und Frauenfreundschaften Anfang des 20. Jahrhunderts

Moderation: Kerstin Schoor (Frankfurt/O.)

11.20 Hans-Richard Brittnacher (Berlin): Die dünne Haut von Rosenkavalieren. Produktivität, Indiskretion, Gossip und Abneigung in der Freundschaft von Harry Graf Kessler und Hugo von Hofmannsthal

12.00 Dorothee Gelhard (Regensburg): Gelehrte Freunde: Warburg und Cassirer. Die Konzeption von Leben und Kunst als Grundlage einer neuen Wissenschaft

13.00 MITTAGSPAUSE

Moderation: Ievgeniia Voloshchuk (Frankfurt/O.)

14.30 Anna Leyrer (Basel): „Du weißt, ich kann alleine nicht denken.“ Freundschaft, geträumt und gedichtet zwischen Lou Andreas-Salomé und Anna Freud

15.10 Britta Benert (Strasbourg): Über Annäherungen im literarischen Werk der Schriftstellerfreundinnen Lou Andreas-Salomé und Frieda von Bülow

15.50 KAFFEEPAUSE

16.20 Wolfgang Christian Schneider (Hildesheim): Freundschaft und Dichtung: das Rettende in vergifteter Zeit. Die widerständigen Freundschaftsbindungen der NS-fernen Mitglieder des zerfallenden George-Kreises nach dem Tode des Dichters

19.00 DINNER

 

Freitag, 16. Februar

IV. Dichterfreundschaften in der DDR

Moderation: Christian A. Wollin (Berlin)

09.30 Gerrit-Jan Berendse (Cardiff): Freundschaft als Politikum. Die Devianz literarischer Dialogizität in der Sächsischen Dichterschule

10.10 Ira Fiona Hennerkes (Berlin): Christa Wolf/Charlotte Wolff – eine asymmetrische Freundschaft

10.50 KAFFEEPAUSE

 

V. Freundschaft in der Gegenwartsliteratur

Moderation: Andree Michaelis-König (Frankfurt/O.)

11.20 Katja Schubert (Paris): Es braucht die Freundschaft, um es zu sagen: „Allemagne“. Hélène Cixous und Cécile ​Wajsbrot schreiben Une autobiographie allemande

12.00 Christoph Steier (Zürich): Mailverkehr. Mediologie der Freundschaft in Matthias Zschokkes Lieber Niels

12.40 ABSCHLUSSDISKUSSION

13.00 Ende der Tagung

 

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Redaktion: Constanze Baum – Lukas Büsse – Mark-Georg Dehrmann – Nils Gelker – Markus Malo – Alexander Nebrig – Johannes Schmidt

Diese Ankündigung wurde von H-GERMANISTIK [Mark-Georg Dehrmann] betreut – editorial-germanistik@mail.h-net.msu.edu